Muri
Das gefährliche «Murianer S» wird entschärft

Für die Sanierung und Neugestaltung der Luzernerstrasse fahren frühestens ab 2021 die Bagger auf.

Eddy Schambron
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Der Planungsentwurf für die Neugestaltung der stark befahrenen Luzernerstrasse in Muri stiess auf grosses Interesse. Eddy Schambron

Der Planungsentwurf für die Neugestaltung der stark befahrenen Luzernerstrasse in Muri stiess auf grosses Interesse. Eddy Schambron

Eddy Schambron

Weil das Frohsinn-Säli weichen wird, kann die Linienführung der Luzernerstrasse im Bereich zwischen Restaurant Frohsinn und Gasthof Engel entschärft werden. Das heute enge «Murianer S» dort verschwindet, wie das Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) an einer Informationsveranstaltung ausführte. Die ganze Strasse erhält zudem ab Kreisel Coop Muripark bis zum Engel auf beiden Seiten Gehwege und in der Mitte einen sogenannten Mehrzweckstreifen, der auch das Einbiegen von Seitenstrassen auf die Luzernerstrasse erleichtern soll.

Luzernerstrasse wird auch leiser

Oberstes Ziel beim Ausbau der Luzernerstrasse sei die Erhöhung der Verkehrssicherheit für alle Verkehrsteilnehmenden, betonte Marius Büttiker vom Baudepartement. An zweiter Stelle nannte er die Optimierung der Schulwegsicherung. Schliesslich stehen die Förderung des öffentlichen Verkehrs und die Aufwertung des Strassenraums auf der Liste der Ansprüche. «Im Idealfall ist ein Strassenraum so gestaltet, dass es gar kein 50er-Schild mehr braucht, damit die Autofahrer mit 50 Stundenkilometern unterwegs sind.» Mit der Sanierung der Strasse gehen die Instandhaltung der Infrastruktur und gleichzeitig die Erneuerung der gemeindeeigenen Werkleitungen einher. Nicht unerheblich ist die Absicht, die Luzernerstrasse leiser zu machen. «Wir werden den modernsten, lärmoptimiertesten Belag einbauen», versprach Büttiker. Der Aargau sei in dieser Sache der fortschrittlichste Kanton und wage es, zur Lärmoptimierung neuste, auch noch nicht durch Erfahrungen bewährte Beläge auszuprobieren.

Der Ausbau der Luzernerstrasse ist sozusagen schon «ewig» ein Thema in Muri. «Die ersten Überlegungen gehen in die 60er-Jahre zurück», erinnerte sich Muris Vizepräsidentin Milly Stöckli. Schon jede mögliche Sanierung war angedacht – von der Umfahrung Muris bis zum Grosskreisel im Dorf. Der Entwurf, der jetzt von Marius Büttiker, Leiter Sektion Strassen 2, sowie Projektleiter Andreas Stockinger von der Abteilung Tiefbau des BVU präsentiert wurde, ist «die Summe der Kompromisse», wie sich Büttiker ausdrückte. Zwei Lösungsansätze waren vom Kanton verfolgt worden – die Optimierung der Strasse auf dem heutigen Trassee oder die grossräumige Umfahrung. Letzterer scheitert an den Realitäten: «Sehr teuer, sehr hoher Landverschleiss.» Mit der Möglichkeit, das Frohsinn-Säli abzubrechen, war der Weg frei für die Planung auf dem bekannten Trassee.

Sechs Fussgängerquerungen

Auf der Luzernerstrasse verkehren pro Tag 14 000 Fahrzeuge, davon rund 700 Lastwagen. Neu wird auf einem Kilometer Länge zwischen Kreisel Muripark und Engel die Strasse neben den Gehwegen rechts und links einen durchgehenden Mehrzweckstreifen von zwei Metern Breite aufweisen. Dieser erleichtert beispielsweise das Überholen von Velofahrern oder das Abbiegen in eine Seitenstrasse, wie Stockinger ausführte. Umgekehrt macht er die Einfahrt aus einer Seitenstrasse in die Luzernerstrasse einfacher. «Der Mehrzweckstreifen beruhigt den Verkehr und gibt Sicherheit.» Noch nicht wirklich festgelegt sind die Orte der Bushaltestellen. Sechs Fussgängerquerungen sind mit Mittelinseln versehen. Schliesslich soll der ganzen Strassenraumgestaltung Gewicht gegeben werden. Zu den Kosten mochte Büttiker noch nichts sagen, aber sie dürften sich im zweistelligen Millionenbetrag bewegen, wobei die Gemeinde knapp die Hälfte zu bezahlen hat. Gebaut wird in zwei Etappen.

Im besten Fall kommt der Kredit für den Gemeindebeitrag an der nächsten Wintergemeindeversammlung von Muri vor den Souverän. Bis im Frühjahr 2020 könnten das Projekt ausgearbeitet werden, allfällige Einwendungsverhandlungen stattfinden und der Projektbeschluss durch den Regierungsrat erfolgen. Ein Jahr brauchen Landerwerbsverfahren und Submission. Vor 2021 ist also nicht mit dem Baubeginn zu rechnen – wie schon bemerkt: im besten Fall. «Der Terminplan ist sportlich», räumte Büttiker ein. Jetzt wird zuerst auch aufgrund der Anregungen an der Informationsveranstaltung das Bauprojekt konkretisiert und optimiert.

In der Diskussion wurde vor allem bemängelt, dass auch mit der Neugestaltung die Einfahrt aus der Bachstrasse Richtung Norden problematisch bleiben werde. Der Nutzen des Mehrzweckstreifens wurde vereinzelt angezweifelt. Manche Gesprächsteilnehmer verloren sich in Details wie Standort von Fussgängerstreifen oder Bushaltestelle, Turbokreisel Coop Muripark oder das Verhalten von Velofahrern. Milly Stöckli machte klar: «Wir sanieren die Luzernerstrasse für alle Verkehrsteilnehmenden und können nicht Partikularinteressen verfolgen.»