Dottikon
«Das ganze Dorf ist nach dem Unfall geschockt»

Anwohner verlangen nach dem tragischen Tod eines 17-Jährigen auf dem Fussgängerstreifen rasche Massnahmen für mehr Sicherheit – der Gemeindeammann relativiert die Forderungen.

Fabian Hägler
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Der Tod des 17-jährigen Vincent, der am Mittwochmorgen auf dem Fussgängerstreifen an der Dottiker Bahnhofstrasse von zwei Autos überfahren wurde, hat im Dorf grosse Betroffenheit ausgelöst. Auf einer Mauer bei der Unfallstelle brennen zahlreiche Kerzen, daneben liegen Blumen und Abschiedsbriefe, die an den getöteten Logistikerlehrling erinnern sollen. Davor steht eine Gruppe Jugendlicher, die um Vincent trauert.

«Das ganze Dorf steht nach diesem Unfall unter Schock», sagt Cornelia F. (Name der Redaktion bekannt). Mit ihrem Mann hatte die Dottikerin den Gemeinderat schon vor zwei Jahren mit einem Brief auf die gefährliche Situation an der Bahnhofstrasse hingewiesen. «Ich habe noch nie in meinem Leben so ungern recht gehabt», sagt F. und verweist auf ihr Schreiben an den Dottiker Gemeinderat. «Die heutige Situation ist so prekär, dass man auf keinen Fall abwarten kann, es sind Sofortmassnahmen zu treffen», hatten sie und ihr Mann im Dezember 2008 geschrieben. Seither sei nichts passiert, und der tödliche Unfall «hat nun auf tragische Art und Weise gezeigt, dass unsere Befürchtungen richtig waren», bedauert F.

Blinklicht oder Verkehrsdienst?

Die Anwohnerin ist sich bewusst, dass die Gemeinde keine kostspieligen baulichen Massnahmen vornehmen kann. «Aber ein Blinklicht vor dem Fussgängerstreifen, wie es zum Beispiel im Kanton Wallis üblich ist, oder ein Verkehrsdienst, der die Kinder zu den kritischen Zeiten sicher über die Strasse bringt, wären doch kurzfristig realisierbar», meint F.

Sie betont, dass keine dieser Massnahmen «Vincent wieder lebendig macht, aber wir geben die Hoffnung nicht auf, dass nun etwas getan wird, damit ein solcher Unfall nie mehr passieren kann.» F. will nicht die Gemeinde an den Pranger stellen und niemandem die Schuld für den Tod des 17-Jährigen zuschieben, aber sie betont: «Es war nur eine Frage der Zeit, bis hier etwas passiert.»

Gemeindeschreiberin Bernadette Müller, die am Mittwochmorgen selber auf der Unfallstelle war, will sich inhaltlich nicht zu den Forderungen der Anwohner äussern. «Es ist mir aber ein Anliegen, der Familie des Opfers mein tiefes Beileid auszusprechen», sagt Müller. Die gesamte Verwaltung bedaure den Unfall sehr, «man kann sich nicht vorstellen, wie schwer das für die betroffenen Eltern ist, die jeden Tag an diesem Ort vorbeigehen müssen», betont Müller. Sie habe selber einst eine Lehrtochter durch einen Unfall verloren, sagt die emotional sehr bewegte Gemeindeschreiberin. Müller will in den nächsten Tagen persönlich bei der betroffenen Familie vorbeigehen: «Ich werde ihnen sagen, dass sie jederzeit auf unsere Hilfe zählen können.»

«Jetzt ist die Zeit der Trauer»

Gemeindeammann Roland Polentarutti, der sich schon vor zwei Jahren mit den Forderungen der Familie F. auseinandergesetzt hatte, bedauert den Unfall ebenfalls sehr. «Es ist tragisch, dass ein junger Mensch sterben musste, aber es ist jetzt nicht der Moment, um über die Verkehrspro-bleme unserer Gemeinde zu reden», erklärt er. Vielmehr möchte Polentarutti der betroffenen Familie sein persönliches Mitgefühl ausdrücken: «Jetzt ist die Zeit der Trauer.»

Polentarutti betont, die Gemeinde würde sich nicht gegen einfache, kostengünstige Lösungen wehren, die mehr Sicherheit brächten. «Es handelt sich allerdings um eine Kantonsstrasse, deshalb muss immer auch ‹Aarau› einverstanden sein», gibt er zu bedenken. Und er ergänzt: «Es ist eine Tatsache, dass wir viel Verkehr in unserem Dorf haben.» Aber die
Situation an der Bahnhofstrasse sei grundsätzlich nicht gefährlicher als «an zwei, drei anderen Orten in der Gemeinde». Beim Unfall vom Mittwoch haben aus seiner Sicht auch die Dunkelheit und das schlechte Wetter mitgespielt. «Das ist kein Dottiker Problem, sondern hätte auch anderswo passieren können», sagt er.