Zufikon

Das gab Muskelkater: Fitnesscenter war fünf Tage lang Drehort für neue SRF-Serie

Die Schauspielerinnen Rachel Braunschweig (l.) und Sophie Hutter sowie Kameramann Pietro Zuercher bei den Dreharbeiten zur SRF-Serie Neumatt in Zufikon

Die Schauspielerinnen Rachel Braunschweig (l.) und Sophie Hutter sowie Kameramann Pietro Zuercher bei den Dreharbeiten zur SRF-Serie Neumatt in Zufikon

SRF drehte fünf Tage in Zufikon im Fitnesscenter Combi-Fit für die neue Serie «Neumatt». Der AZ-Redaktor war als Statist hautnah dabei.

«Maske weg, Ton ab – Set. Und Action!», tönt es im Raum. Jetzt gilt es ernst. Ich starte langsam meine Übungen am Fitnessgerät für die Hüftadduktoren. Noch sind 70 Kilogramm Gewichte aufgelegt. Mein Blick ist nach draussen gerichtet. Zwei Scheinwerfer schicken ihr spezielles Licht durchs Fenster, blenden mich je nach Kopfhaltung. Im Augenwinkel sehe ich Bewegung und schnappe ein paar Worte auf. Eine junge Frau sagt zu einer anderen: «Hettsch halt vorhär sölle überlegge, ob d’wotsch Muetter werde.» Wenige Sekunden später heisst es: «Cut!»

Und ich kann meine Fitnessübung beenden. Sofort ziehe ich wieder meine Maske an, wie es mir vorher erklärt wurde. Ich bin als Statist mitten drin bei den Dreharbeiten zur neuen SRF-Drama-Serie «Neumatt». Die Crew um Regisseur Pierre Monnard («Platzspitzbaby») drehte bis Dienstag fünf Tage lang im Fitnesscenter Combi-Fit im Industriegebiet von Zufikon.

Fitnesscenter als Location, weil es keiner Kette angehört

Weshalb fiel die Wahl ausgerechnet auf Zufikon als Kulisse? Jessica Hefti von der Produktionsfirma Zodiac Pictures sagt: «Wir drehen im Umkreis von etwa 30 Kilometern um Zürich. Das Fitnesscenter in Zufikon passte, weil es nicht zu einer Kette gehört.»

Gedreht wurde im Geräteraum, in der Garderobe und vor dem Eingang. «Das Center spielt eine zentrale Rolle in der Serie und kommt in praktisch allen acht Folgen vor», sagt Jessica Hefti.

Die Serie «Neumatt», die im Herbst 2021 ausgestrahlt wird, erzählt die Geschichte des aufstrebenden Consultant Michi Wyss. Dieser muss nach dem Selbstmord seines Vaters entscheiden, ob er seiner Familie bei der Rettung des elterlichen Bauernhofs helfen will oder sein bisheriges Leben in der Stadt fortführen möchte. Zentral geht es in «Neumatt» um die Geschichte einer Familie im Spannungsfeld zwischen Stadt und Land. Sie kämpft um den Erhalt ihres Hofes und muss sich mit den Herausforderungen der modernen Landwirtschaft auseinandersetzen.

Brummen eines LKW-Motors sorgt für Verzögerung

Ich hingegen setze mich mit den Anstrengungen bei der Hüftadduktorenmaschine auseinander. Immer und immer wieder. Mittlerweile habe ich das Gewicht bereits auf 30 Kilo reduziert. «Kein Problem, das sieht man im Bild sowieso nicht», meint Regie-Assistent Roger Schweizer.

Regisseur Monnard bespricht derweil mit den Schauspielerinnen Sophie Hutter und Anouk Petri in meinem Rücken die Szene. «Kannst du hier ein bisschen mehr Emotion in die Stimme und den Ausdruck legen, Anouk?», äussert er seinen Wunsch. Nuancen werden nochmals besprochen. Nach ein paar Augenblicken gehts im Combi-Fit wieder von vorne los. «Achtung, wir drehen!» Alle sind konzentriert auf ihrem Posten: Schauspieler, Kameraleute, Tonmeister, Statisten.

Doch Action ist nicht möglich. Auf dem Vorplatz draussen beginnt ausgerechnet jetzt der Motor eines Lastwagens zu brummen, der manövriert. Ans Drehen ist so nicht zu denken. Mit solchen kurzen Intermezzi muss man bei Dreharbeiten immer rechnen. Nach zwei Minuten ist der Spuk zum Glück aber vorbei und es heisst «Action!»

Das Fitnesscenter Combi-Fit in Zufikon war Schauplatz der Neumatt-Dreharbeiten (im Bild Sophie Hutter).

Das Fitnesscenter Combi-Fit in Zufikon war Schauplatz der Neumatt-Dreharbeiten (im Bild Sophie Hutter).

Nach dem neunten Take ist der Regisseur mit der Szene zufrieden und meine Innenschenkel fast am Ende ihrer Kräfte. Doch halt! Noch ist die Szene nicht abgedreht, wie es im Fachjargon heisst. Nun folgt das gleiche Spielchen nochmals aus einer anderen Kameraeinstellung.

Ich reduziere aus Eigennutz die Gewichte an meinem Gerät weiter auf läppische 10 Kilo und beginne wieder zu trainieren. Nach einer Handvoll weiteren Takes ist die Szene endgültig im Kasten. Von der ersten Kameraprobe bis zu jenem Moment sind rund eineinhalb Stunden verstrichen. Der Aufwand für eine Szene, die im Fernsehen 20-30 Sekunden dauert, ist enorm.

Umziehen in ein neues Outfit für einen anderen Tag

Zurück in der Garderobe wechsle ich in Absprache mit der Kostümbildnerin mein Fitnessoutfit von blau in grellgrün. Denn die nächste Szene spielt an einem anderen Tag in einer anderen «Neumatt»-Folge. Ob man mich für den Bruchteil einer Sekunde in den Folgen erkennt, sehe ich in etwa einem Jahr im TV. Sicher ist: An den Muskelkater der Dreharbeiten in Zufikon werde ich mich noch eine Weile erinnern.

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