Sarmenstorf
Das Freiämter Barbara-Chörli ist in der ganzen Schweiz wohl einzigartig

Die kleine Männer-Gesangsformation feiert ihren 60. Geburtstag am Samstag mit einem Konzert in der Pfarrkirche Sarmenstorf.

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Am 6. November 2016 trat das Barbara-Chörli in der Pfarrkirche Sarmenstorf erstmals vor grossem Publikum auf.

Am 6. November 2016 trat das Barbara-Chörli in der Pfarrkirche Sarmenstorf erstmals vor grossem Publikum auf.

Toni Widmer

Einst haben auch in unserer Region die traditionellen, meist mehrere Dutzend Mitglieder starken Männerchöre an ihren Jahreskonzerten die Dorf-Säle gefüllt. Heute hört man die traditionellen Lieder auch im Freiamt kaum mehr. Die begeisterten und engagierten Sänger sind immer älter geworden, Nachwuchs liess sich kaum finden und so haben sich die einst vielen stolzen Chöre in den letzten Jahren leider nach und nach aufgelöst.

Aber es gibt ihn noch, den reinen Männergesang. Zu hören ist er am nächsten Samstag, 30. November, ab 17.30 Uhr, im Rahmen eines Gottesdienstes in der Pfarrkirche Sarmenstorf. Zusammen mit dem Villmerger Organisten Otto Walti sorgt das legendäre Barbara-Chörli dort für die musikalische Umrahmung.

Erst das zweite öffentliche Konzert in 60 Jahren

Das Barbara-Chörli ist eine ganz spezielle Formation. Sie feiert zwar am kommenden Barbara-Tag vom 4. Dezember ihren 60. Geburtstag. Doch der Auftritt vom Samstag ist erst das zweite öffentliche Konzert in der langen Geschichte. Zum ersten Mal vor einem grossen Publikum gesungen hat das knapp ein Dutzend Mitglieder starke Chörli vor drei Jahren, am 6. November 2016, ebenfalls in der Pfarrkirche Sarmenstorf, an einem gemeinsamen Auftritt mit den Jagdhornbläsern Hallwyl.

Grosse öffentliche Konzerte waren auch nie das Ziel der kleinen Gruppe, in der seit 1959 stets Mitglieder aus verschiedenen Freiämter Männerchören zusammen gesungen haben. Das Barbara-Chörli war und ist der eigentliche «Haus-Chor» des 1922 gegründeten Artillerievereins Sarmenstorf und Umgebung, umrahmt dessen jährliche traditionelle Barbara-Feier, singt daneben gelegentlich auch an Geburtstagen, Hochzeiten und anderen Familienfesten oder begleitet alte Kameraden auf ihrem letzten Weg.

Konzert

Samstag, 30. November, ab 17.30 Uhr in der Pfarrkirche in Sarmenstorf.

Erstmals aufgetreten ist das Barbara-Chörli 1959 als Quartett an der Barbara-Feier des Freiämter Artilleristen. Der Verein würdigt an diesem Tag jeweils die heilige Barbara, die nicht nur Schutzpatronin von Mineuren und Tunnelbauern, sondern eben auch der Artillerie ist. Gegründet haben die Formation die vier Villmerger Josef Brunner, Josef Leuppi, Walter Baur und Hans Sax. Letzterer war auch während Jahrzehnten der Leiter.

1984 hat Alois Suter die musikalische Verantwortung übernommen und den Chor zum Doppelquartett erweitert. Er ist heute noch der Dirigent und hat das Konzert vom Samstag vorbereitet. Auch die Sänger sind noch weitgehend die gleichen wie damals, als er den Chor übernommen hat: «Auch wir finden kaum mehr Nachwuchs. Das Durchschnittsalter der Mitglieder liegt weit über dem Alter des Chors und deshalb weiss ich auch nicht, wie lange es ihn noch geben wird», sagt der Villmerger. Administrativer Obmann des Chors ist Ernst Fischer, der in der Formation auch seit 1965 aktiv mitsingt.

Zum Gedenken an J.F. Kennedy gesungen

Alois Suter hat zum Jubiläum das Protokoll des Artillerievereins durchforscht und ist auf ein paar interessante Einträge gestossen. So wurde beispielsweise 1963 an einer heiligen Messe dem ermordeten US-Präsidenten J.F. Kennedy gedacht und dabei vom Chörli das Lied «Die alten Strassen noch» gesungen.

1967 war Radio-Legende Karl F. Schneider Gast an der Barbara-Feier und interviewte nicht nur die Artilleristen, sondern auch die Sänger. 1971, so steht es im Protokoll, hat das Chörli am 4. Dezember nicht gesungen, weil sein Leiter verhindert war. Schelte gabs von der Vereinsleitung an der damaligen Zusammenkunft aber nicht deshalb, sondern weil sich unter den Artilleristen offenbar Disziplinlosigkeit breitgemacht hatte und nur 28 Kameraden zur Feier erschienen waren. Drei Jahre später war wieder nichts mit Gesang an der Barbara-Feier, laut Protokoll war einer der vier Sänger heiser.

Ja, und was gibt’s denn am Samstag, zum 60-Jahr-Jubiläum in der Kirche Sarmenstorf zu hören? «Unser Repertoire», sagt Alois Suter, «hat sich über die Jahre kaum verändert. Wir singen nach wie vor die altbekannten Männerchorlieder, weil das erstens den Sängern gefällt und weil sie auch vom Publikum geliebt werden.» Nicht auf dem Programm erklärt der Dirigent weiter, stünde allerdings der Männerchor-Ohrwurm «Die alten Strassen noch». Dafür würden mittlerweile einige nötige Stimmen fehlen.

Den legendären Gassenhauer «Bajazzo» hingegen, den werde das Barbara-Chörli am Samstag ganz bestimmt singen, verspricht Suter. Und schon allein deshalb dürfte es sich lohnen, am Samstagabend in die Sarmenstorfer Pfarrkirche zu gehen.