Interpellation
«Das Freiamt wird übergangen» – Murianer Grossrat Strebel fordert bessere öV-Verbindungen

Der Murianer Grossrat Herbert Strebel (CVP) fordert vom Kanton mehr Einsatz für bessere öV-Verbindungen.

Toni Widmer
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Herbert Strebel will mehr Züge, die im Aargau, besonders aber im Freiamt nicht einfach durchfahren, sondern halten und damit bessere Verbindungen ermöglichen.

Herbert Strebel will mehr Züge, die im Aargau, besonders aber im Freiamt nicht einfach durchfahren, sondern halten und damit bessere Verbindungen ermöglichen.

Toni Widmer

Es ist ein immerwiederkehrendes Thema: Wenn es um gute und direkte Bahnverbindungen geht, lassen die SBB das Freiamt meist links liegen. Die Bevölkerung «darf» zwar mit der Zunahme des Güterverkehrs leben, den die Eröffnung des Gotthard-Basistunnels mit sich gebracht hat, selber aber nicht vom Jahrhundertbauwerk profitieren. Die Schnellzüge in Richtung Süden fahren entweder gar nicht durch das Freiamt oder wenn doch, dann halten sie hier nicht.

Politiker aus der Region haben diesen Zustand schon mehrfach angeprangert. Insbesondere Herbert Strebel, CVP-Grossrat aus Muri und Mitglied der öV-Gruppe der Freiämter Regionalplanungsverbände, hat zum Thema bereits einige Vorstösse eingereicht. In seiner jüngsten Interpellation vom 26. September geht es nicht um Schnellzugshalte, sondern um die S42. Laut SBB soll sie künftig auf ihrem direkten Weg vom Freiamt nach Zürich am Bahnhof Mellingen-Heitersberg nicht mehr halten.

Halt im Aargau

In einer zweiten Interpellation greift Herbert Strebel ein Thema auf, das den ganzen Aargau betrifft. Die SOB soll ab 2020 im Auftrag der SBB zwei Bahnlinien von Bern nach Chur betreiben. Die Linie führt durch den Aargau, ein Halt ist hier aber nicht vorgesehen. Das darf nicht sein, sagt Strebel und will, dass die Regierung bei den SBB entsprechend Druck für mehr Schnellzugshalte macht.

«Das treibt Leute auf die Strasse»

Für die Repla-Gruppe öV und Herbert Strebel ein Unding: «Es gibt viele Pendler aus dem Freiamt, die auf dem Weg in den Raum Baden die S42 benützen und in Mellingen-Heitersberg umsteigen. Sie müssten künftig zweimal umsteigen und eine längere Fahrzeit in Kauf nehmen», sagt Strebel. Die Linie S42 könnte so längerfristig gefährdet werden: «Wir befürchten, dass viele Leute auf das Auto ausweichen, wenn die Linie nicht mehr attraktiv ist. Also sinken die Belegungszahlen, und am Ende wird die S42 eingestellt.» Aus der Region Rohrdorferberg gäbe es ebenfalls heftigen Widerstand gegen die geplante Aufhebung dieses Haltes. Bisher sei dieser aber erfolglos geblieben.

Der Kanton hingegen wehre sich nicht und lasse die SBB gewähren. Man sei deshalb geneigt zu vermuten, dass den zuständigen Stellen im Kanton das Freiamt ziemlich egal sei, hält Herbert Strebel fest.

Ob sein Eindruck täuscht oder ob dem wirklich so ist, will der Grossrat jetzt von der Regierung verbindlich wissen: «Vor wenigen Jahren wurde eine direkte Verbindung (ohne Umsteigen) vom Freiamt bis nach Zürich und umgekehrt eingeführt. Die Belegungszahlen zeigen, dass diese direkte Verbindung gefragt ist und einem Bedürfnis entspricht», schreibt er und hält weiter fest: «Diese Verbindung wird auch von vielen Pendlern dazu benutzt, im Bahnhof Mellingen-Heitersberg auf den Bus umzusteigen, um in die Agglomeration Baden zu gelangen. Als Pendler und Benutzer dieser Linie konnte ich dies täglich beobachten.»

Das Freiamt wird übergangen

«Wenn Pendler künftig in Othmarsingen und dann in Mellingen-Heitersberg erneut umsteigen müssen, werden einige von ihnen wohl gleich auf das Auto umsteigen. Einmal mehr werden wir im Freiamt den Eindruck nicht los, dass unsere Anliegen für schnelle und direkte Verbindungen einfach übergangen werden», schreibt Strebel.

Konkret fragt er in seiner Interpellation: «Warum werden die Anliegen aus dem Freiamt für schnelle und direkte öV-Verbindungen kaum berücksichtigt? Wie steht der Regierungsrat zur Vermutung, dass mit dem Wegfall des Haltes in Mellingen-Heitersberg die Belegungszahlen drastisch sinken und damit die ganze S42 gefährdet ist, weil der Auslastungsgrad nicht mehr erreicht werden kann?» Er habe den Eindruck, schreibt Strebel weiter, dass hier eine schnellere und direktere Verbindung Bern–Zürich auf Kosten des Freiamts priorisiert werde. Das Freiamt gehöre zu den Wachstumsregionen. Da müsste doch auch der Regierungsrat ein Interesse an guten und schnellen öV-Verbindungen haben, sagt Herbert Strebel.