Freiamt
Das Freiamt soll durch die Neat das Tor zum Süden werden

Freiämter hoffen nach Grossratsentscheid auf eine schnelle Bahnverbindung ab dem Jahr 2016. In einem Vorstoss forderten Matthias Jauslin und Herbert Strebel eine schnelle Anbindung des Freiamts an die Neat-Linie ab 2016.

Fabian Hägler
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Bisher gibt es nur Regionalzüge im Freiamt, der Güterverkehr (gespiegelt in den Zugfenstern) hat Priorität auf der Südbahnlinie. es/archiv

Bisher gibt es nur Regionalzüge im Freiamt, der Güterverkehr (gespiegelt in den Zugfenstern) hat Priorität auf der Südbahnlinie. es/archiv

Vor einer Woche hat der Grosse Rat einen Vorstoss von Matthias Jauslin (FDP, Wohlen) und Herbert Strebel (CVP, Muri) überwiesen, der eine schnelle Anbindung des Freiamts an die Neat-Linie ab 2016 fordert. Dass die Forderung nicht nur von Freiämtern getragen wird, zeigt das Abstimmungsresultat: 76 Grossratsmitglieder unterstützten das Anliegen.

Doch wie realistisch ist die Umsetzung – schliesslich nahm Regierungsrat Peter Beyeler das Anliegen eher widerwillig entgegen und erklärte, die nötigen Passagierfrequenzen für eine schnelle Verbindung würden in Wohlen nicht erreicht.

Rekordzuwachs im Freiamt

Strebel und Jauslin lassen dieses Argument nicht gelten. «Mit einem nationalen Passagier-Rekordzuwachs von 20 Prozent auf der Linie Aarau-Lenzburg-Wohlen-Rotkreuz ist das Bedürfnis einer Aufwertung der aargauischen Nord-Süd-Achse mehr als nachgewiesen», halten sie fest. Auch Fachleute des öffentlichen Verkehrs haben Verständnis für die Forderung. «Wahrscheinlich würde ich dieses Begehren auch stellen, wenn ich im Freiamt wohnen würde», sagte Dieter Rehmann, Leiter Regionalverkehr SBB Nordwestschweiz, im Januar 2011 in Bern.

Anna Barbara Remund, Leiterin Regionalverkehr SBB, doppelte nach: «Eine Anbindung des Aargaus muss über einen Regio-Express erfolgen.» Und Jürg Bitterli, Projektleiter öffentlicher Verkehr beim Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU), sagte im April 2011 in Bremgarten: «Einen Anschluss nach Arth-Goldau würde ich an Ihrer Stelle wohl auch fordern.» Genau dies wollen die beiden Freiämter Grossräte: Einen Regio-Express, der Passagiere rasch zum Neat-Knoten bringt, von wo aus Bellinzona ab 2016 in gerade mal 49 Minuten erreichbar ist.

Arth-Goldau und nicht Zug als Ziel

Das BVU hingegen strebt laut Jauslin und Strebel eine Verbindung nach Zug an. Dies ist aus ihrer Sicht falsch, da von Arth-Goldau aus «halbstündlich hochwertige Züge in alle Richtungen verkehren», von Zug aus hingegen nicht.

Die beiden halten fest, der grösste Teil der Passagiere auf der Südbahnlinie reise von Zentrum zu Zentrum, also zum Beispiel von Aarau nach Rotkreuz. Deshalb würde ein Regio-Express die bestehenden, zu den Hauptverkehrszeiten völlig überlasteten S-Bahn-Züge nicht konkurrenzieren. Zudem betonen Jauslin und Strebel, auch die Zentren Wohlen und Muri sollten im Rahmen der Gleichbehandlung ans Regio-Express-Netz angeschlossen werden, «so wie das der Kanton auch für Orte wie Aarburg oder Wettingen getan hat».

«Das Freiamt hat die beste Linie»

Reto Widmer, ehemaliger Wohler Einwohnerrat und Mitglied der öV-Strategiekommission der Freiämter Regionalplanungsverbände, ist verhalten optimistisch, was die schnelle Verbindung für die Region angeht. «Die Südbahn durch das Freiamt ist die schnellste und am besten ausgebaute Zufahrt zum Gotthard», hält er fest. Er könnte sich einen Zug vorstellen, der zweistündlich tagsüber verkehrt, oder vier Züge im Stundentakt zu den Hauptverkehrszeiten am Morgen und am Abend. Er ergänzt: «Wenn dieser Zug fährt, ergeben sich für den ganzen Aargau neue Verkehrsströme und Perspektiven.»