Boswil
Das Freiamt ist für die Nutzung der Geothermie nicht geeignet

Vor 47 Jahren bohrte die Schweizerische Erdölaktiengesellschaft in den oberen Bergmatten erfolglos nach Öl und Gas. Dank der 1836 Meter tiefen Bohrung ist heute klar: Das Freiamt ist für die Nutzung der Geothermie nicht geeignet.

Fabian Hägler
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Erdwärme wurde schon geprüft

Erdwärme wurde schon geprüft

Die grosse Geothermie-Karte (Aargauer Zeitung vom 3. Dezember) zeigte es klar: Das Freiamt kommt für ein Erdwärme-Kraftwerk nicht infrage. Dennoch war bei Boswil ein grüner Punkt eingezeichnet, der in der Legende mit «Tiefbohrung über 700 Meter» erklärt war. Plant der Verein Geothermische Kraftwerke Aargau (VGKA) trotzdem
eine Probebohrung im Freiamt? Vereinspräsident Mark Eberhard winkt ab: «Der Punkt steht für eine Bohrung, die in den 1960er-Jahren in Boswil vorgenommen wurde.» Tatsächlich: 1965 stand in den oberen Bergmatten rund vier Monate lang ein zwan-
zig Meter hoher Bohrturm. Damals suchte die Schweizerische Erdölaktiengesellschaft in Boswil nach Öl und Gas – allerdings erfolglos.

Temperaturmessung nebenbei

Dennoch liefert die Bohrung heute wichtige Daten für den VGKA. «Praktisch als Nebenprodukt wurden damals Temperaturmessungen gemacht», sagt Eberhard. Diese seien zwar nicht so genau wie bei heutigen Tiefbohrungen, liessen aber den Schluss zu, dass der Standort für ein Geothermie-Kraftwerk ungeeignet ist.

Bohrung bis in 1836 Meter Tiefe

Die Schweizerische Erdölaktien-gesellschaft führte in den Sechzigerjahren im Oberfreiamt seismische Untersuchungen durch. Man vermutete damals, dass in den Speicher-
gesteinen der Unteren Süsswassermolasse Erdöl oder Erdgas gefunden werden könnte. Am 29. Novem-
ber 1965 begann sich der von der
Gewerkschaft Elwerath (Erdölwerke Hannover) in den oberen Bergmatten unterhalb des Brandholz installierte Bohrer ins Erdreich zu fressen. Eine Baubewilligung brauchte die deutsche Firma damals noch nicht. In den nächsten Monaten stiessen die Arbeiter bis in eine Tiefe von 1836 Metern vor. Doch auch dort fanden sie nie mehr als ein paar Öltröpfchen und schwach ölgetränkte Glanzkohlenteile. Am 19. Februar 1966 wurde das Kapitel «Öldorf Boswil» abgeschlossen. Das Bohrloch wurde bis auf eine Tiefe von 370 Metern mit 375 Säcken Zement verschlossen.

1976 gab es neue Untersuchungen

Im Juli 1976 führte die Schweizerische Erdöl AG in Boswil, besonders auf dem Berg, erneut Untersuchungen nach Öl und Gas durch. Dieses Mal bohrte man aber nicht, sondern untersuchte den Boden lediglich mit der damals neuen Technik der sogenannten Vibro-Seismik. Das Ergebnis war dasselbe wie zehn Jahre zuvor: Man fand weder Öl noch Gas.