Wohlen
Das Freiamt ist das «Sun-Valley» der Schweiz

Beim Ausstieg aus der Atomenergie spielt das Freiamt eine Vorreiterrolle aus: Im Ferro-Industriepark auf Villmerger und Wohler Boden entsteht die grösste Solarstromanlage der Schweiz auf dem Dach einer Fabrikhalle.

Jörg Baumann
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Sechs Politiker und ein Solarfachmann: Markus Keller,Thomas Leitch, Sandra Lehman, Adrian Meyer, Monika Küng, Ruedi Donat und Heinrich Studer (von links) an der Energieveranstaltung in Wohlen. BA

Sechs Politiker und ein Solarfachmann: Markus Keller,Thomas Leitch, Sandra Lehman, Adrian Meyer, Monika Küng, Ruedi Donat und Heinrich Studer (von links) an der Energieveranstaltung in Wohlen. BA

«In den nächsten Tagen installieren wir die Trafostation», teilte Projektleiter Heinrich Studer von der Energiegenossenschaft ADEV in Liestal an einer überparteilichen Grossratswahlveranstaltung im Chap- pelehof mit. Weitere Ausbauetappen der Solaranlage seien in Planung.

Das Freiamt hat die Nase vorn

Das Freiamt sei mit seinen zahl-reichen Sonnenenergieanlagen das «Sun-Valley der Schweiz», sagte Grossratskandidat Adrian Meyer (Grüne) aus Hägglingen. In einem engen Perimeter von 15 Kilometern produzierten die Solaranlagen in Kallern, Villmergen, Wohlen und Hägglingen pro Einwohner mehr Sonnenstrom als in Deutschland. Meyer, der Gründer und Präsident der Solargenossenschaft Hägglingen, wies darauf hin, dass man mit einem Prozent der auf die Erde einstrahlenden Sonnenergie drei Atomkraft-werke ersetzen könne.

Allein mit neuen, effizienten Haushaltgeräten könne man sehr viel Strom sparen. Der Schlüssel für eine Zukunft ohne Atomkraftwerke liegt für den Wohler SP-Grossrat Thomas Leitch in der Einführung einer wirksamen Lenkungsabgabe und in der Forschungstätigkeit im Bereich der alternativen Energien. Der Aargau habe als Hightech-Kanton mit hervorragenden Forschungsinstituten und innovativen Firmen die Nase vorn. Er habe verwundert zur Kenntnis genommen, dass trotz der guten Aussichten auf den Atomausstieg die alten AKW-Anhänger aus den Schützengräben stiegen und sich lautstark mit grossen Zeitungsinseraten zum Wort meldeten, sagte Leitch.

Die Schweizer müssten ihren derzeitigen Energiekonsum radikal herunterschrauben, forderte die Wohler Grossrätin Monika Küng (Grüne). Unser Land müsse die «2000-Watt-Gesellschaft» anstreben, «eine Utopie mit vielen Facetten».

Für die Wohler Umweltwissenschafterin und Grossratskandidatin Sandra Lehmann (Grünliberale) drängen sich ebenfalls Veränderungen im Konsumverhalten auf. Die Mobilität müsse auf umweltfreundliche Fahrzeuge und, wo möglich, den öffentlichen Verkehr umgestellt werden.

Goldlabel für Energiestadt Wohlen?

Die Gemeinde Wohlen lebe den Umweltschutz vor und trage die Auszeichnung als Energiestadt zu Recht, bemerkte der Wohler CVP-Grossrat und Gemeinderat Ruedi Donat. «Nun wollen wir das Goldlabel erreichen. Dafür müssen wir uns aber anstrengen», blickte er voraus. Als nächste Massnahmen kündigte Donat verursachergerechte Abfallentsorgungs-
gebühren und den Versuch an, nächstes Jahr wenigstens in einem Quartier Tempo 30 einzuführen.

Markus Keller, CVP-Grossratskandidat und Gemeinderat aus Villmergen, teilte mit, dass die Unterschriftensammlung für die kommunale Energieinitiative erfolgreich angelaufen sei. Von den 380 erforderlichen Unterschriften habe man nach rund einem Monat bereits 300 beisammen. Mit der Initiative wollen Keller und seine Mitstreiter erreichen, dass der Ökostrom in Villmergen zum Grundangebot wird. Wenn ein Konsument darauf verzichten und weiter Atomstrom beziehen will, müsste er das nach dem Initiativtext extra bei den Gemeindewerken verlangen.