Wer einen Schnupfen einfängt, ist noch lange kein Patient. Und gehört schon gar nicht auf den Operationstisch. Das ist die Botschaft des Spitals Muri, die das Jahresergebnis 2017 präsentierte. Dieses ist nämlich wesentlich schlechter als im Vorjahr, konkret: Der Gewinn ist mit 511'000 Franken fast 7 Prozent unter dem Budget und sogar 4,7 Mio. tiefer als im Rekordvorjahr 2016, entspricht aber den Erwartungen und der mittelfristigen Planung des Spitals. Das Budget 2018 geht sogar von einem Defizit von zwei Millionen Franken aus. Das hat selbstverständlich seine Gründe, wie die Spitalleitung mit CEO Daniel Strub, CFO Rainer Leuthard und Sabina Rüttimann, Präsidentin der Stifterversammlung, ausführte.

Ein schwacher Trost ist, dass die meisten Spitäler bei den Fallzahlen Einbrüche verzeichnen. Das Spital Muri zählte im letzten Jahr weniger stationäre Aufenthalte, bedingt durch die Verschiebung in den ambulanten Bereich. Es wurden 47'519 Menschen behandelt, davon 7706 stationär und 39'813 ambulant. Zudem erblickten 601 Babys das Licht der Welt. Massiv zu Buche schlägt der Spitalumbau. Erfreut kann Leuthard aber vermelden, dass vom Spitalausbau per Ende Jahr bereits 51 Mio. Franken bezahlt sind. Der heutige Saldo von 12 Mio. Franken ist tiefer als angenommen.

Trotz der roten Zahl im Budget 2018 stehe das Spital Muri finanziell gesund da: «Das Eigenkapital konnten wir von 51 Mio. Franken 2014 auf aktuell 66 Mio. Franken steigern. Wir könnten uns damit sogar ein paar schlechte Jahre leisten.» Das will man natürlich nicht, obwohl für 2018 zum ersten Mal ein Defizit budgetiert ist. Aber Investitionen in die Zukunft und nicht zuletzt aktuell noch wenig klare künftige Rahmenbedingungen, auch vonseiten der Politik, lassen ein negatives Ergebnis erwarten.

Am Ball bleiben

Investitionen sind wichtig und nötig, um am Ball zu bleiben. Das stellt CEO Daniel Strub fest, der nun ein Jahr das Spital führt. Veränderungen seien nötig. «Unser Spital wurde ursprünglich für einen erheblichen Teil stationärer Aufenthalte geplant und gebaut. Ambulant vor stationär gewinnt heute aber weiter an Gewicht», stellt er fest. «Das sind, neben sich schnell ändernden Rahmenbedingungen, Faktoren, mit denen wir umgehen müssen.» Er zeigt sich zuversichtlich, dass dies gelingen wird. «Wir sind heute schon fit für die Zukunft und gut aufgestellt, um die Herausforderungen zu meistern.»

In die Führung gewachsen

Zufrieden zeigt sich der frühere Chirurg mit seinem ersten Amtsjahr. «Ich musste zuerst die Zusammenhänge verstehen und ich durfte viel lernen.» Selbstverständlich seien eine gewisse Unruhe und Unsicherheit aufgekommen, als er vom Operationssaal in die operative Führung des Spitals wechselte. «Ich kannte ja 80 Prozent der Leute mit Namen und musste ihnen zuerst die Sicherheit geben, dass ich trotz Wechsel in die Führung der Gleiche geblieben bin.» Seinen Führungsstil sieht er geprägt von offener Kommunikation und Transparenz. «Ich will greifbar sein.»

Zudem glaubt er nicht, dass alles über seinen Tisch muss. «Kadermitarbeiter haben ihre Pflichten, aber auch Entscheidungsfreiheiten.» Im letzten Jahr verbessert wurde unter anderem die Möglichkeit für die Patientinnen und Patienten, ihre Meinung zu äussern. Der Besuch der Hausärzte sollte zudem den Kontakt zu Zuweisenden verstärken.

«Eine gute medizinische Grundversorgung bleibt unser oberstes Ziel», unterstrich Sabina Rüttimann. Dazu brauche es ein kompetentes, motiviertes Team. «Unsere Leute sind mit viel Herzblut an der Arbeit.»