Es sind 130 Fotos, die im Ochsen-Saal in Muri aus dem Archiv des Fotografen Josef Stenz zu sehen sind. Aber die Arbeit dahinter ist gewaltig. Vor zehn Jahren haben sich Bernhard Matter und Bernhard Kägi dem Archiv des früheren Murianer Fotografen angenommen, etwa eine halbe Million Bilder als Negative, zum Teil noch Glasplatten.

«Jetzt haben wir davon etwa 16 000 digitalisiert», erzählte Matter an der Vernissage zur Fotoausstellung Archiv Stenz, die zum 100. Geburtstag einen Einblick in das Schaffen von Josef Stenz gibt. Rund 90 Prozent der Aufnahmen im Archiv sind Porträts, damals gemacht etwa für Ausweise, und Hochzeitsfotos. Aber Stenz hat ebenso viel anderes fotografiert: Dorffeste, Gebäude, Unfälle, das Leben eben. Die Ausstellung entführt die Betrachterinnen und Betrachter in die Zeit von 1954 bis 1956.

Für Robert Häfner, Präsident der Stiftung Murikultur, ist das Archiv ein Glücksfall. Urs Strebel-Grolimund hat es mit dem Kauf der Stenz-Liegenschaft am Kreisel übernommen und später Murikultur geschenkt. Ein weiterer Teil der Sammlung stammt von Lis Stenz, die für die Ausstellung auch Ölgemälde ihres verstorbenen Mannes als Leihgabe zur Verfügung stellt. Schliesslich dankte Häfner Bernhard Matter und Bernhard Kägi für die Rettung der Bilder sowie Iris Frey für die Unterstützung dabei. Finanziert wird die Aufarbeitung des Archivs von der Stiftung Dr. Franz Käppeli.

Spannende Auswahl

Josef Stenz hat die Menschen geliebt, wie seine Frau Lis betonte. Er war auch ein humorvoller, geselliger Mann. Das sieht man seinen Bildern an. Die Ausstellung ist deshalb nicht nur eine Dokumentation über Muri vor 60, 70 Jahren, sondern gibt Eindrücke vom damaligen Alltag wieder: der im Vergleich zu heute gemächliche Verkehr, die elegante Mode, der Schulweg der Kinder. «Wir haben versucht, die Bilder so zusammenzustellen, dass sie einen Sinn machen», sagte Matter. Das ist gelungen. Zu sehen ist eine spannende Auswahl über zwei Jahre, ergänzt durch Aufnahmen von Stenz’ Vater. Sie hat im Ochsen-Saal, trotz schwächlicher Beleuchtung, einen passenden Rahmen gefunden.

Neben den Aufnahmen aus dem Dorf ist eine komplette Hochzeitsreportage, wie sie damals üblich waren, zu sehen. Es ist diejenige von Josef und Sonja Stocker-Sartorio. Der Ehemann, der heute in Genf lebt, hat sogar das Originalalbum zur Verfügung gestellt. Schliesslich sind Gerätschaften – Fotoapparate, Beleuchtungskörper, Archivschachteln und weiteres – aus dem Fotoatelier Stenz zu sehen.

Für 10 Franken gibt es zudem eine Broschüre mit Bildern von Stenz. Speziell an der Ausstellung ist weiter, dass alle Bilder gekauft werden können, «auch in mehrfacher Ausführung», wie Matter erklärte. Dank der Digitalisierung sind Abzüge beziehungsweise Ausdrucke heute leicht zu realisieren.