Trockenheit

Das Flache Wasser lädt (fast) noch zum Baden ein – Wasserstand der Reuss auf Rekordtief

Die Abflussmenge der Reuss ist zurzeit so niedrig wie sonst lediglich in trockenen Wintermonaten. Der Wasserstand ist niedriger als im Hitzesommer 2003.

Der Wasserstand in der Reuss war den ganzen Sommer über so tief wie selten zuvor. Weil der Regen ausgeblieben ist, nimmt er weiterhin kontinuierlich ab. Am Mittwoch, 17. Oktober, wurde in der offiziellen Messstelle in Mühlau noch eine Abflussmenge von 50 m3/s (Kubikmeter pro Sekunde) gemessen, am Dienstag, 23. Oktober, waren es lediglich noch 39 m3/s .

Das sind Tiefstwerte, wie sie auch im Herbst 2003, nach dem in diesem Jahrhundert bisher trockensten Sommer, nicht erreicht worden sind. Damals wurden am 17. Oktober in Mühlau 105 m3/s gemessen und am 23. Oktober 65 m3/s . Das ist mehr als vor zehn Jahren, als der Sommer vergleichsweise nass, der Herbst hingegen relativ trocken war: am 17. Oktober 2008 wurde in der Reuss in Mühlau eine Abflussmenge von 95,8 m3/s registriert, am 17. Oktober 2008 waren es 70 m3/s.

Üblicherweise sind die Abflussmengen der Reuss im Winter am tiefsten. Im vergangenen Jahr ist um diese Zeit sogar ein neuer Minusrekord gemessen worden: Die Abflussmenge lag am 10. Januar 2017 bei 23,3 m3/s und damit leicht unter dem bisherigen Tiefstwert aus dem Jahr 1951. Allerdings ist diese Minimalspitze damals nur für kurze Zeit registriert worden. Im Bundesamt für Umwelt, von dem die Messstation Mühlau betreut wird, ging man davon aus, dass ein flussaufwärts liegendes Kraftwerk etwas mehr Wasser als üblich zurückgehalten hatte. Im Oktober vor einem Jahr hat die Reuss übrigens fast doppelt so viel Wasser geführt wie jetzt: 84 m3/s waren es am 17. Oktober und 72 m3/s am 23. Oktober 2017.

Stromproduktion eingeschränkt

Der niedrige Wasserstand hat Auswirkungen auf das Kraftwerk der AEW. Schon im Sommer musste dort die Produktion heruntergefahren werden. Zurzeit laufe noch eine von zwei Turbinen, die Stromproduktion liege bei einem Viertel der möglichen Leistung, erklären die Kraftwerksverantwortlichen. Eine so tiefe Abflussmenge habe man dort zu dieser Jahreszeit bisher noch nie erlebt.

Kein Thema ist der tiefe Reusspegel für die Bremgarter Pontoniere. Sie haben ihre Boote wie üblich bereits Mitte September ausgewassert und die Saison beendet. Laut Präsident David Wietlisbach hat der Fluss praktisch das ganze Jahr über relativ wenig Wasser geführt: «Fahren und trainieren konnten wir immer, aber die Strömung war meist spürbar weniger stark als in anderen Jahren.»

Auch für die Fischer war es dieses Jahr an der Reuss nicht wie sonst. «Zurzeit geht es den Fischen wieder besser als im Sommer, wo die Wassertemperatur die kritische Grenze von 25 Grad mehrmals erreicht oder sogar überschritten hat», erklärt Patrick Grau, der Präsident des Sportfischervereins. Ein Fischsterben habe es zum Glück aber nicht gegeben.
Um den Fischbestand zu schonen, hat der Verein im Sommer jedoch auf verschiedene geplante Events verzichtet: «Die Fische waren schon genug gestresst, wir wollten sie nicht noch zusätzlich mit unseren Aktivitäten beunruhigen», erklärt Grau.

Fische beissen zurzeit kaum

Weiter habe man die Fischer in der heissen Sommerzeit dazu aufgerufen, möglichst wenig oder überhaupt nicht fischen zu gehen. Die Forellensaison ist jetzt bereits vorbei, diese Fische sind am Laichen. Für die Äschen ist die Saison noch offen, aber es laufe wenig, erklärt der Vereinspräsident: «Der Wasserstand ist nicht das Problem. Es gibt in der Reuss genug tiefe Stellen, in die sich die Fische zurückziehen können. Doch weil es fast keine Insekten mehr über dem Wasser hat, kommen die Fische kaum mehr an die Oberfläche, und deshalb ist die Fangquote sehr gering», sagt Patrick Grau.

Übrigens: Richtig kalt haben es die Fische auch Mitte Oktober nicht. Vor einer Woche lud die Reuss mit 17 Grad noch (fast) zum Bade, am Mittwoch war das Wasser stellenweise noch immer gegen 15 Grad warm. Der Rekordwert wurde diesen Sommer Anfang August mit einer Wassertemperatur von knapp über 26 Grad gemessen.

Autor

Toni Widmer

Toni Widmer

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