Viele Spaziergänger, die sich im Boswiler Feldenmoos, auch bekannt als «die drei Weiher in Unterniesenberg», erholen wollen, erschrecken zurzeit ob des Szenarios, das sich ihnen dort bietet: Auf dem nördlichsten der drei Weiher schwimmt ein grosser Saugbagger, durch das kleine Gewässer führt eine Leitung und am südlichen Ufer liegen dicke schwarze Säcke am Boden, aus denen Wasser tröpfelt. Was ist da los? Wird hier einer der idyllischsten Flecken, die das Freiamt zu bieten hat, verschandelt?

Notwendiger Pflegeeingriff

Im Gegenteil: Die Spezialisten der Rümlanger Spezialfirma Aquamarine Technologies nehmen an diesem Weiher einen nötigen Pflegeeingriff vor und gehen dabei äusserst sensibel ans Werk. Die kleinen Gewässer im Feldenmoos sind in den vergangenen Jahren immer stärker verlandet. «Schuld» daran sind das Laub und die Äste, welche von den Bäumen ins Wasser fallen und dort verrotten. Ausserdem bringen auch die Zuflüsse Geschiebe mit, das weiter zur Verlandung beiträgt. Überliesse man das Feldenmoos ganz der Natur, würden die idyllischen Weiher mit der Zeit verschwinden und die Gegend zum reinen Hochmoor werden.

Jetzt hat der Fischereiverein Boswil, der nicht nur die Gewässer gepachtet hat und befischt, sondern auch seit Jahrzehnten die Umgebung pflegt und in Ordnung hält, die Initiative ergriffen. Zum 40-Jahr-Jubiläum des Vereins wird das Feldenmoos ausgebaggert. Rund 1300 Kubikmeter Schlamm werden die Aquamarine-Spezialisten in den nächsten Wochen entfernen. Die Boswiler Ortsbürger haben dafür an ihrer Gemeindeversammlung im Juni einen Kredit von 240 000 Franken bewilligt.

Ökosystem wird geschont

Mit dem speziellen Verfahren, das bei dieser Aktion angewendet wird, kann das Ökosystem so gut wie möglich geschont werden: «Klar saugen wir mit dem Schlamm Krebse und andere Kleinlebewesen ab. Das lässt sich leider auch mit unserer Methode nicht verhindern. Doch sind die Auswirkungen auf die Flora und Fauna im und um die Gewässer deutlich geringer, als sie es bei einer herkömmlichen Entschlammung wären», erklären die Gewässerpflegespezialisten Stefan Mattersberger und Gerd Veerbeek, die zurzeit im Feldenmoos an der Arbeit sind.

Bei einer herkömmlichen Methode müssten die Weiher abgefischt und weitgehend entleert werden, damit die unerwünschte Sedimentschicht mit einem herkömmlichen Bagger abgetragen werden könnte. Beim Aquamarine-Verfahren wird ein schwimmender Saugbagger eingesetzt, mit dem die Sedimentschicht etappenweise abgetragen werden kann. «Wir lockern den Untergrund mit dem Schneidekopf, der vorne am Saugrohr angebracht ist, und saugen gleichzeitig den Schlamm ab. Durch das grosse Rohr, das wir über den Weiher verlegt haben, wird dieser ans Ufer transportiert und dort entwässert», erklärt Veerbeek.

Die Entwässerung, erläutert er weiter, sei ökologisch und logistisch sinnvoll: «Umweltfachleute haben ausgerechnet, dass mit unserer Methode das Volumen des Schlamms, der abgeführt werden muss, rund acht Mal kleiner ist als bei den herkömmlichen Verfahren. Damit wird einerseits das Ökosystem der Weiher bestmöglich geschont, aber auch deren Umgebung, weil deutlich weniger Transporte nötig sind.»

Entwässert wird der Schlamm in wasserdurchlässigen Geotexbehältern, die wie riesige flache Schläuche aussehen. Stefan Mattersberger reinigt die Poren dieser Behälter während des Absaugvorgangs laufend mit einem Besen: «So verhindern wir, dass die Poren verstopfen und ermöglichen ein rasches Entwässern. Und damit können wir auch den Bodendruck in Grenzen halten, den die Geotexbehälter erzeugen.» Obwohl diese mächtig wirken, sei ihr Druck auf den Waldboden deutlich geringer als jener, der von Forstmaschinen oder Traktoren erzeugt wird, erklärt er.

Prozess wird laufend überwacht

Ganz so einfach wie hier beschrieben ist die Technik natürlich nicht. In einem Container sieht man beispielsweise eine Anlage mit vielen Rohren und Messsonden. Veerbeek und Mattersberger saugen denn auch nicht einfach Schlamm ab. Was aus dem Weiher kommt, wird laufend kontrolliert und analysiert: Mit entsprechenden Anpassungen im Prozess wird verhindert, dass das Ökosystem kippt.

Weiter wird auch nicht die gesamte Sedimentschicht aus dem Weiher gesaugt: «Wir lassen mehrere Inseln stehen, damit sich die Kleinlebewesen von dort aus im Weiher wieder ausbreiten können. Untersuchungen haben gezeigt, dass das funktioniert und das Ökosystem in einem so behandelten Gewässer bald wieder vollständig intakt ist», erklärt Gerd Veerbeek.

Gearbeitet wird im Feldenmoos sicher bis Ende Monat, allenfalls sogar noch ein paar Tage im November. Der entwässerte Schlamm bleibt dann vorerst noch etwas liegen, damit er weiter austrocknen kann. «Wenn die Rückstände erst im Winter bei gefrorenem Boden abtransportiert werden, können wir zudem die Ökologie in der Umgebung der Weiher schonen», erklären die beiden Gewässerpflegespezialisten.