Finanznöte
Das Experiment «eigene Dorfzeitung» ist in Villmergen gescheitert

Die Stimmberechtigten haben der Villmerger Zeitung ihre Unterstützung verweigert. Sie wollen das 140'000 fränkige Finanzloch nicht stopfen. Für die Macher ein brutales Verdikt. Das Blatt steht damit vor dem Ende.

Toni Widmer
Merken
Drucken
Teilen
Bruno Leuppi bei seinem engagierte Votum für die Dorfzeitung.

Bruno Leuppi bei seinem engagierte Votum für die Dorfzeitung.

Patrick Züst

Das Budget 2016, das Bruno Leuppi, der Verwaltungsratspräsident der Villmerger Medien AG an die Wand projizierte, zeigte es überdeutlich: Ohne Finanzspritze der Gemeinde kann die 2013 lancierte Villmerger Zeitung wohl kaum überleben.

Veranschlagt sind für das nächste Jahr Ausgaben von 160'000 Franken für die Produktion und 140'000 Franken für das Personal. Inklusive Miete und übrigem Betriebsaufwand steigen die veranschlagten Gesamtkosten auf 350'000 Franken.

Gerechnet wird mit Inserateinnahmen von 180'000 Franken und Gönnerbeiträgen von 5000 Franken. In Aussicht stehen weiter 25'000 Franken von der Ortsbürgerstiftung, sofern dieser Betrag überhaupt ausgelöst werden kann.

Wegen formaler Mängel bei der Beschlussfassung an der Stifterversammlung ist eine Beschwerde hängig.

Das absehbare Finanzloch sollte die Einwohnergemeinde stopfen, indem sie ihren budgetierten jährlichen Beitrag von 25'000 auf 140'000 Franken aufstockt. Der entsprechende, von Bruno Leuppi mit sehr viel Engagement und Herzblut vorgebrachte Antrag wurde von der Gemeindeversammlung jedoch mit 83:57 Stimmen deutlich abgelehnt.

Grundsätzliche Kritik gegen die Zeitung, die mit viel redaktionellem Aufwand gemacht wird und auch layoutmässig farbig und ansprechend daher kommt, gab es nicht. Im Gegenteil: das Blättchen wurde auch von den Gegnern einer Beitragserhöhung überwiegend gelobt.

Eigene Zeitung ist Wunschbedarf
Doch für eine Mehrheit der Anwesenden an der Gemeindeversammlung ist eine eigene Dorfzeitung Wunschbedarf, den man sich zurzeit nicht leisten will. Die Erhöhung des von der Gemeindeversammlung 2012 beschlossenen jährlichen Beitrages um 115'000 auf 140'000 Franken sei angesichts der knappen Gemeindefinanzen nicht opportun, lautete der Tenor aus der Gegnerschaft.

Gemeindeammann Ueli Lütolf hatte klar aufgezeigt, dass die Beitragserhöhung rund einem Steuerprozent entspreche. Darüber müssten sich die Stimmberechtigten klar sein.

Mit ihrem Entscheid hat die Gemeindeversammlung Villmergen das Experiment «eigene Dorfzeitung» wohl beendet. Bitter ist das insbesondere für Bruno Leuppi, der neben viel Herzblut in das Projekt auch viel eigenes Geld gesteckt hat.