Hägglingen

Das Dorf ist eine Fabrik – und umgekehrt: Bei den Tellspielen Hägglingen dreht sich alles um WC-Brillen

Adrian Meyer (Regie), Jörg Meier (Autor) und Pius Schöpfer (Produktionsleitung, von links) haben beim Hägglinger Freilichttheater 2022 namens «Roduner & Co.» die Federführung.

Adrian Meyer (Regie), Jörg Meier (Autor) und Pius Schöpfer (Produktionsleitung, von links) haben beim Hägglinger Freilichttheater 2022 namens «Roduner & Co.» die Federführung.

Für das Jahr 2022 plant der Verein Tellspiele Hägglingen ein Theater vor der Fabrik Bako AG. Autor ist erneut der AZ-Kolumnist Jörg Meier. Im Stück selbst dreht sich alles um die Herstellung von handgefertigten WC-Brillen. Dabei soll auch das Dorfleben nicht zu kurz kommen.

Sind die grössenwahnsinnig? Das mag man sich fragen, wenn man hört, dass der Verein Tellspiele Hägglingen bereits jetzt über ein Theater im Frühsommer 2022 informiert. Dabei ist es ganz einfach: «Im Gegensatz zu vielen anderen können Theatervereine sich untereinander absprechen», sagt Produktionsleiter Pius Schöpfer grinsend. «Da allein in unserer Region mehrere grosse Theaterproduktionen wegen Corona auf nächstes Jahr verschoben wurden, haben wir beschlossen, unser nächstes Theater nicht 2021, sondern 2022 durchzuführen.»

Dafür plant der Verein, der sich früher tatsächlich einzig dem Thema Wilhelm Tell widmete, 2016 aber mit einem spektakulären, auf die Geschichte Hägglingens zugeschnittenen Stück glänzte, nun einen neuen Höhepunkt im Dorfleben. Nach dem Spektakel «Emmetfeld» wollen sie aber nicht mehr im Wald, sondern unten im Dorf spielen. Mit weniger Schauspielern und weniger Spektakel, aber nicht weniger Überraschungen.

WC-Throne aus einheimischem Holz

Das Stück mit dem Arbeitstitel «Roduner & Co.» stammt von AZ-Kolumnist Jörg Meier. 2007 wurde es unter dem Namen «Cordon bleu» in Menziken uraufgeführt, wo es Pius Schöpfer gesehen hat. Bei der Ideensuche für ein neues Hägglinger Stück kam ihm das tiefgründige und doch sehr witzige Theater in den Sinn. «Ich fand die Idee gut, es für Hägglingen abzuändern», erklärt Jörg Meier. «Dann merkte ich aber, dass das gar nicht möglich ist. Also schrieb ich es komplett neu. Jetzt ist es das gleiche Stück, einfach ganz anders», fasst er mit seinem bekannten Grinsen zusammen.

Unter dem Vordach der realen Bako AG an der Mellingerstrasse wird kurzfristig die erfundene Firma Roduner & Co. einziehen. Letztere war einst führend in der Herstellung von handgefertigten WC-Brillen aus einheimischem Holz. Sogar das Empire State Building und der Buckingham Palace leisteten sich die Roduner-Throne. Inzwischen – das Stück spielt in den 70er-Jahren – haben billige Plastikbrillen den Markt überschwemmt. «Doch so einfach geben Patron Roduner und seine loyale Belegschaft nicht auf», erklärt der Autor. Weil ausserdem gerade mehrere Räume wegen eines Unfalls unbenutzbar sind, musste die Kantine, das Herz der Firma, nach draussen gezügelt werden. Genau hier spielt sich das Stück ab.

Rund 20 Vereinsmitglieder werden mitspielen

Neben dem altbewährten Autor ist auch der Regisseur eine Erfolgsgarantie: Erneut konnte der Verein Adrian Meyer gewinnen. Im 300000 Franken teuren Stück werden diesmal nur rund 20 Vereinsmitglieder mitspielen. Natürlich schreibt Meier ihnen das Stück wie gewohnt auf den Leib. Weil sich Patron Roduner zudem einen Chor sowie ein Orchester leistet, hat auch Musik einen wichtigen Stellenwert. «Es wird aber kein Musical», stellt Schöpfer klar.

«Roduner & Co.» basiert nicht auf wahren Begebenheiten. Aber es könnte fast. «Auch in Hägglingen gab’s Patrone wie Roduner», sagt Meier über das erste Stück, das er jemals zwei Jahre vor der Premiere schon fertig hatte. «Im Stück wird der Mikrokosmos Fabrik zu einem Sinnbild des Dorflebens. Mit allem, was dazugehört», verspricht er und grinst erneut.

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