In Fischbach-Göslikon soll ein Teilstück der Reuss renaturiert werden (siehe Box unten). Bereits Ende Oktober, an der Infoveranstaltung von Pro Natura Aargau, zeichnete sich aber Widerstand ab: Nicht nur, dass Vertreter der IG Sandbank verkündeten, eine Petition gegen das Projekt einzureichen, auch Markus Staubli, Vizeammann von Künten, gab zu bedenken, dass es wohl kaum mehr möglich sei, eine Fussgängerbrücke zu realisieren, sollte das Auenprojekt verwirklicht werden.

Mit dieser Idee steht er nicht allein da, auch in Fischbach-Göslikon würde man gern eine Verbindung über die Reuss haben, damit Wanderer zwischen Bremgarten und Mellingen eine Möglichkeit bekommen, die Reussseite zu wechseln. Momentan ist dies nur mittels Fähre möglich, und das auch nur zu sehr beschränkten Zeiten. Zudem, merkte Staubli damals an, sei es nicht sicher, ob sich die Oberstufe einst in Niederwil konzentrieren wird. Dann wäre eine Brücke für die Gemeinde eminent wichtig.

Projekt soll sistiert werden

Vom Kanton hatte der Gemeinderat Fischbach-Göslikon bis dahin keine offizielle Antwort auf ihre Anfrage zur Fussgängerbrücke, die sie im Rahmen des Anhörungsverfahrens einreichte. Nun ist klar: Die Verantwortlichen möchten das Bewilligungsverfahren für das Pro-Natura-Projekt unterbrechen, bis betreffend des gewünschten Reussübergangs ein rechtskräftiger Standort-Vorentscheid vorliegt.

«Auslöser ist nicht die Anzahl Einwendungen», sagt Thomas Egloff, beim Kanton Aargau zuständig für die Aufwertung von Dekretsgebieten, «aber wenn sogar zwei Gemeinderäte sich wehren, dann ist ein solches Projekt nicht bewilligungsreif.» Rein planungs- und baurechtlich betrachtet sei das Projekt bewilligungsfähig, aber ein Entscheid im jetzigen Zeitpunkt würde nur Beschwerden an das Verwaltungsgericht provozieren, so Egloff.

«Kein Zusammenhang»

Nun ist der Regionalplanungsverband (Repla) Mutschellen-Reusstal-Kelleramt gefordert: Er soll eine Variantenstudie in Auftrag geben, die mögliche Standorte für eine Brücke zwischen Bremgarten und Mellingen prüft. Auf deren Grundlage könnte die Repla dann ein Vorentscheidsgesuch einreichen.

«Ziel ist es, dass bis spätestens Ende 2017 ein Entscheid des Departements Bau, Verkehr und Umwelt vorliegt. Wenn klar ist, dass an der Stelle, an der Pro Natura die Renaturierung plant, kein Brückenbau möglich ist, kann das Bewilligungsverfahren für das Projekt fortgesetzt werden», erklärt
Egloff.

Kein Verständnis für das Vorgehen des Kantons hat Christoph Flory von Pro Natura Aargau. «Mir ist nicht klar, aus welchem Grund das Projekt sistiert wird. Mit dem Plan einer Fussgängerbrücke hat unser Vorhaben doch gar nichts zu tun.» Als möglicher Standort für eine Brücke ist die Übersetzstelle des Militärs im Gespräch. Flory macht aber klar: «Diese Übersetzstelle ist im Sachplan Militär aufgenommen. Das Militär müsste also selber einen Antrag stellen, und der Bundesrat müsste darüber entscheiden, ob sie aus dem Sachplan entfernt wird – das wird wohl nicht geschehen.»

Würde man die Brücke weiter unten bauen, müsste sie laut Vorschrift 200 Meter Abstand haben, erklärt Flory weiter: «Damit wäre ein Fussgängersteg im Bereich der Renaturierung sowieso nicht möglich.»

Auch Thomas Egloff räumt ein, dass eine neue Brücke zwischen Bremgarten und Mellingen generell ein schwieriges Unterfangen sei: «Das ganze Gebiet, bis hinunter nach Gebenstorf/Windisch, unterliegt dem Reussufer-Schutzdekret, es bräuchte in jedem Fall eine Ausnahmebewilligung.»

Pro Natura will Gespräch suchen

Pro Natura hätte die Möglichkeit, vom Kanton einen Entscheid zu verlangen und dann eine Verwaltungsgerichtsbeschwerde einzureichen. Zweckdienlich wäre das kaum, denn auch dieses Verfahren würde viel Zeit in Anspruch nehmen. Aufseiten der Naturschutzorganisation möchte man zuerst das Gespräch mit dem Kanton suchen, bevor man über das weitere Vorgehen beschliesst.

Hans Kneubühler von der IG Sandbank freut sich über den Entscheid des Kantons: «Wir sind nicht gegen den Naturschutz, aber die Interessen von Pro Natura müssen gegen die der Landwirtschaft und der Bevölkerung abgewogen werden.» Die Naturschutzorganisation habe die Bevölkerung zu wenig einbezogen: «Es wurde zwar eine Begleitgruppe eingesetzt, aber es war nie ganz klar, wer und warum da Einsitz hatte.»

Neuer Reussarm: Das Projekt der Pro Natura

Beim Auenprojekt der Pro Natura Aargau geht es darum, im Gebiet Grien die Blocksteine und Betonelemente zu entfernen und einen gut 200 Meter langen und bis zu 20 Meter breiten Seitenarm auszuheben. Von der Renaturierung würden gewisse Fische, der Biber, Laubfrösche und Eisvögel profitieren. Rund 8000 m3 des kiesigen und sandigen Aushubs aus dem Seitenarm werden in die Reuss gekippt, damit eine Insel entsteht. Aber nicht nur die Natur, auch die Bevölkerung wurde berücksichtigt. Die Sandbank, die zum Verweilen einlädt, bleibt erhalten. Die Zugänglichkeit zum beliebten Badeplatz wird verbessert, indem das Ufer abgeflacht wird. Zusätzlich entsteht ein neuer Picknick-Platz mit Feuerstelle. Der neue Reussarm wird links davon ausgehoben (aus Richtung Fischbach-Göslikon gesehen). Bei Hochwasser würde künftig das Auengebiet überschwemmt und nicht mehr die angrenzenden Felder. (kob)