Wohlen

Das Amt als Einwohnerrat war kein kurzfristiges Engagement

Toni Widmer

Alt-Einwohnerrat: Theo Geissmann.

Toni Widmer

Theo Geissmann war acht Jahre Präsident der Geschäftsprüfungskommission und leitete das Dorfparlament zwei Jahre als Präsident. Mit der az Freiamt blickt er auf seine Amtszeit zurück.

Früher lief es in der Wohler Politik noch etwas anders: «Eines Tages ist Ruedi Knoblauch bei uns in der Garage vorgefahren und hat zu mir gesagt: ‹Geissme, Du muesch Iwohnerrot werde.› Da habe ich halt kandidiert und bin gewählt worden», schmunzelt Theo Geissmann.

Die Parteien, glaubt der 78-jährige Garagist, hätten sich damals weit intensiver um die Nachwuchsrekrutierung gekümmert als heute: «Man hat bei uns in der FDP vor allem auch darauf geachtet, dass Gwerbler und Handwerker aus verschiedenen Berufsgruppen im Parlament vertreten waren.» Heute vermisse er die breite Zusammensetzung: «Handwerker hat es im Rat heute praktisch keine mehr, das ist schade. Früher sind sie aber auch nicht von allein gekommen, man musste bei fähigen Leuten oft etwas Überzeugungsarbeit leisten. Aber für die Qualität des Einwohnerrates hat sich dieser Aufwand gelohnt. Wir konnten auf diese Weise viele engagierte Mitglieder gewinnen.» Wert gelegt worden sei auch auf ein längerfristiges Engagement: «Man hat vorausgesetzt, dass die Leute mindestens zwei, besser jedoch drei Amtsperioden im Einwohnerrat mitgearbeitet haben. Damit haben wir eine Kontinuität erreicht, die meiner Ansicht nach heute nicht mehr immer gewährleistet ist.»

Parlament schnelllebig geworden

Das Parlament, findet Theo Geissmann, sei schnelllebiger geworden. «Die grossen Sachgeschäfte werden nach wie vor über Jahre hinweg entwickelt. Da ist es meiner Meinung nach nicht optimal, wenn mitten in einem solchen Prozess der halbe Rat ausgewechselt wird und das, was früher beschlossen worden ist, von der neuen Besetzung wieder infrage gestellt wird.»

Geändert habe sich über die Jahre auch die Diskussionskultur im Rat. «Wir haben früher auch hart um Entscheide gerungen, uns gegenseitig aber immer respektiert und auf persönliche Angriff verzichtet. Mit dem Einzug von Euisi Lüüt sei der politische Stil anders geworden. Das sei, hält Geissmann fest, aber nicht an der Gruppe gelegen. Die meisten «Lüüt» hätten sehr anständig politisiert. Einzelne Exponenten hätten jedoch damit begonnen, auf dem Mann zu spielen, und das habe die Diskussionskultur im Rat verändert.

GPK- und Ratspräsident

Theo Geissmann hat acht Jahre die Geschäftsprüfungskommission (GPK) des Parlaments geleitet und 1986/87 den Einwohnerrat präsidiert. Seine Wahl hat damals für einige Diskussionen gesorgt: Seit Bestehen des Einwohnerrates hatten die FDP und die CVP/CSP das Rats-Präsidium jeweils unter sich ausgemacht. Jetzt sollte erstmals der innere Ring, also die kleinen Parteien, zum Zuge kommen. Mit der Wahl von Dieter Gerber (SP) zum Vizepräsidenten war zwei Jahre vorher entsprechend vorgespurt worden. Dann wurde Gerber jedoch als Nachfolger von Alfred Fischer in den Gemeinderat gewählt und Sepp Muff neuer Vize des Einwohnerrates. Zum Präsidenten machen wollte ihn die Mehrheit aber doch nicht. Rückblickend sagt Theo Geissmann: «Mir hat Josef Muff damals wirklich leid getan.»

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