Wohlen
Das altehrwürdige «Rössli» wird vier Wochen lang umgebaut

Der Besitzer Hanspeter Wohler lässt den Wohler Gasthof Rössli im grösseren Stil renovieren. Renoviert werden etwa die Gaststube und den Speisesaal. Eingebaut wird eine neue Musikanlage.

Jörg Baumann
Merken
Drucken
Teilen
Anita und Hanspeter Wohler mit ihrem zweieinhalb Jahre alten Sohn Raphael in der Gaststube. KOB

Anita und Hanspeter Wohler mit ihrem zweieinhalb Jahre alten Sohn Raphael in der Gaststube. KOB

Vom 7. Juli bis zum 4. August bleibt der Gasthof Rössli in Wohlen geschlossen: «Wir bauen um», verkündet der Eigentümer Hanspeter Wohler, Spross einer Familie, die seit 1738 ohne Unterbruch auf dem Restaurant Rössli ist. «Am 7. August eröffnen wir das Restaurant wieder. Der Umbau wird das Geschenk zu meinem 46. Geburtstag.»

Der Gasthof, ursprünglich ein Bauernhof und seit 1752 Taverne und Tagungsort des Gemeinderates und Amtsgerichtes, atmet den Geist von alt Wohlen aus einer Zeit, in der es den Kanton Aargau noch gar nicht gab. Der Kanton wurde erst 1803 gegründet. Der Gasthof steht unter Ortsbildschutz.

«Das ist für uns eine Verpflichtung, die wir ernst nehmen», sagt Hanspeter Wohler, unter der Woche Apparate- und Maschinenmechaniker in einer Firma in Dottikon und in der Freizeit begeisterter Landwirt, Hühnerhalter mit 100 Hühnern, Obstbauer und Moster im eigenen Landwirtschaftsbetrieb mit einem 76 Aren grossen Baumgarten, der seit Generationen zum «Rössli» gehört. «Ich bin wie mein Vater selbstverständlich Mitglied des Obstbaumvereins Wohlen», erklärt er. «Einer der Jüngsten im Verein.»

«Rössli» hiess nicht immer so

Nicht alle wissen, dass das «Rössli» lange «Linde» hiess und aus Gründen umgetauft wurde, die man erst noch eruieren müsste. Immerhin ist den geschichtsbewussten Wohlern bekannt, dass die Familie Wohler im 18. Jahrhundert zweimal den Untervogt stellte, der in Wohlen vor 1803 die wichtigste Instanz war und alle Fäden in der Hand hielt. Die Untervögte Leonhard Antoni Wohler, im Amt von 1751 bis 1785, und sein Sohn Antoni Wohler von 1785 bis 1798 wachten über die Ausführung der weiter oben erlassenen Gebote und Vorschriften und zogen für die in Wohlen wirkenden eidgenössischen Landvögte von Zürich, Bern und Glarus die Steuern der ganzen Dorfgemeinschaft und die Bussen von straffällig gewordenen Untertanen ein und vollzogen die Konkursverfahren, Versteigerungen, Inventuren und Erbteilungen.

Aus dieser glorreichen Familiengeschichte schöpft der junge Eigentümer Hanspeter Wohler die Kraft und die Begeisterung, sich wie seine Vorfahren für das «Rössli» zu engagieren. Nach seinem 1999 verstorbenen Vater Hanspeter Wohler senior, der das Restaurant 1967 nach Plänen des Wohler Architekten Jakob Gretler im unteren Teil ausgreifend umgestalten liess, packt sein Sohn die Chance, dem altehrwürdigen Gasthof quasi zu einer Frischzellenkur zu verhelfen.

Darüber freuen sich auch die langjährigen Pächter Madeleine und Herbert Brun. In den nächsten Wochen werden die Handwerker, praktisch alle aus der Umgebung, nicht nur neue Böden verlegen, Schallschutzdecken installieren, die Gaststube und den Speisesaal renovieren und die Eingangspartie neu und grosszügiger gestalten, sondern auch ein neues Buffet mit einer Bartheke einbauen.

«Dabei werden wir die Telefonkabine beim Eingang entfernen, die noch mein Vater einbauen liess. Sie hat sich im
Natelzeitalter endgültig überlebt. Dafür erhalten wir mehr Platz für das Buffet», teilt Wohler mit. Zum Teil wird auch das Mobiliar ersetzt und eine neue Musikanlage
eingebaut.

Spezialisten engagiert

Für die Planung der Umbauarbeiten engagierte der Hauseigentümer erstklassige Fachleute: die Firma Gschwend AG, Gastrobau in Thun. «Da müssen Spezialisten ran», so Wohler. «Meine Frau Anita unterstützt mich grossartig. Sie arbeitet auf einem Notariatsbüro und kennt sich im Vertragswesen aus. Ich dagegen bin der Handwerker.» Ob einer ihrer Söhne jemals den Gasthof übernehmen und die Familientradition fortsetzen werden, ist für Wohler noch Zukunftsmusik. Der ältere Sohn ist erst 16 Jahre alt, der jüngere zweieinhalb.