Ganz Europa feiert am 22. und 23. September seine Kulturdenkmäler – und Wohlen feiert mit. Der Festplatz trägt hier einen berühmt-berüchtigten Namen: Sternenplatz. Er bildet, mit den umliegenden, historischen Gebäuden den verbliebenen Rest von dem, was einst das Herz von Wohlen war. 1979 hatte dieses Herz mit dem Abbruch des alten Gemeindehauses einen fast tödlichen Infarkt erlitten. Jahrelang kränkelte der Flecken zwischen Steingasse und Bremgarterstrasse an grober Vernachlässigung. Doch dann setzte auch in Wohlen langsam ein Wechsel der Sichtweise ein, der in Resteuropa schon Mitte der 1970er-Jahre begonnen hatte: «In den Aufbaujahren und im Wirtschaftswunder nach dem Zweiten Weltkrieg hatte man gar kein Gespür für Historisches», erklärt Fabian Furter, Historiker und Präsident des Vereins Schlössli Wohlen. «Was alt war, wurde einfach abgerissen und oft durch nicht gerade hochstehende Architektur ersetzt. Erst mit der Charta von Venedig gewann die Denkmalpflege an Gewicht.»

Dieses Umdenken konnte zwar das alte Gemeindehaus nicht mehr retten, führte aber dazu, dass die ersten Diskussionen darüber stattfanden, was mit der Brache zwischen Sternen, Schlössli, Geissmannhaus und ibw-Schüür passieren könnte. Der Lebensfunke begann aber erst wieder zaghaft zu glimmen, als der Verein Kultur im Sternensaal, Mitte der 80er-Jahre, den abgehalfterten ersten Tanzsaal von Wohlen in ein schmuckes Kleintheater verwandelte. 1997 kauften die Ortsbürger den Sternen und renovierten das geschichtsträchtige Gasthaus, in dem der Freiämter «General» Heinrich Fischer 1830 Zwischenhalt einlegte auf seinem legendären «Freiämtersturm».

Kulturelles Vorzeigeobjekt

So richtig Schwung kam in die Sache, als der Einwohnerrat vor zwei Jahren der Neugestaltung des ibw-Plätzli und dem Verkauf der ibw-Schüür und des Geissmannhauses zustimmte. Im selben Jahr begann auch die Renovation des Schlössli, des ältesten Hauses in Wohlen. Eine breite Trägerschaft, massgeblich unterstützt durch Ortsbürger- und Einwohnergemeinde, ermöglichte es, dieses historische Gebäude in seiner gegebenen Form neu zu interpretieren. So steht das Schlössli als Kulturdenkmal und Haus der Begegnung seit Ende Februar allen Interessierten zur Verfügung. «Es war von Anfang an unser Gedanke, nach Abschluss der Renovation einen Tag der offenen Tür und im Sommer dann ein eigentliches Einweihungsfest zu veranstalten», erzählt Furter. «Dann wurde uns aber bewusst, dass dieses Denkmal, zusammen mit allen anderen rund um den Sternenplatz, ein gutes Vorzeigeobjekt wäre für die Tage des Kulturdenkmals.»

Der Vorschlag des Vereins Schlössli, die Fertigstellung des Sternenplatzes mit einem kleinen Kulturfest zu feiern, stiess bei der Gemeinde auf offene Ohren. Wohlen darf sich mit diesem neuen Dorfplatz durchaus sehen lassen. Es wurde eine attraktive Begegnungszone im Zentrum von Wohlen geschaffen, wie es sich Ortsbürger- und Einwohnergemeinde im gemeinsamen Plan auch vorgenommen hatten. Nun finanzieren sie auch, zusammen mit der Dreifuss-Stiftung, das Fest vom 22. September. Organisiert wird es vom Verein Schlössli, den ibw, dem Sternensaal und der Regionalen Musikschule Wohlen. «Es soll in erster Linie ein Fest für die Bürger von Wohlen sein», so Furter, «denn sie haben diesen Ort ja erst möglich gemacht. Sie sollen den Plausch haben und sich vergnügen. Wenn wir dazu noch einige Leute für die Baukultur rundherum sensibilisieren können, dann freut es mich umso mehr.» Und schon jetzt gilt: hingehen und ansehen.

Hier sehen Sie das ganze Festivalprogramm:

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