«Ist dies (die Zunahme der Abwassermenge, Anm. d. Red.) auf die massive Bevölkerungszunahme und damit auf den gestiegenen Wasserverbrauch im Gebiet des Abwasserverbands Wohlen- Villmergen-Waltenschwil zurückzuführen?», wollte die az von Betriebsleiter Stefan Irniger wissen. «Die Belastung der Anlage ist seit 2013 mit 31  100 Einwohnergleichwerten um 33,5 Prozent auf 41  500 im Jahr 2016 gestiegen. Das starke Bevölkerungswachstum sowie die Ansiedlung neuer Industriebetriebe in unserem Einzugsgebiet fallen für die entstandene Mehrbelastung der Abwasserreinigungsanlage zwar ins Gewicht. Aber der Hauptgrund für die gestiegene Abwassermenge waren die Niederschläge», betonte der ARA-Betriebsleiter.

Obschon 2016 die Monate Januar, Mai, Juni und Juli regenreich waren, fiel in den restlichen Monaten relativ wenig Niederschlag. Dennoch war die Jahresniederschlagsmenge von 1057 Millimetern (Vorjahr: 727 Millimeter) seit 14 Jahren erstaunlicherweise nie mehr so hoch.

ARA nicht am Anschlag

Die Kläranlage ist trotz der grossen Schmutzwasserfracht nicht am Anschlag, wie Betriebsleiter Irniger erwähnte: «Massgebend für uns ist die Abwassermenge der ES AG in Dottikon, mit der unser Verband einen Vertrag hat. Im Moment hat unsere ARA die Ausbaugrösse noch nicht erreicht.»

Zurzeit sind dem Abwasserverband etwa 25  000 Einwohnerinnen und Einwohner von Wohlen, Villmergen, Waltenschwil, Uezwil, Büttikon, Kallern (Niesenberg), Sarmenstorf und Bettwil angeschlossen sowie die Industrien und die Firma Dottikon ES AG in Dottikon, die Pharmazwischenprodukte und Wirkstoffe herstellt. Die Kläranlage ist für 73  000 Einwohnergleichwerte ausgebaut. Die Industrie bringt drei Fünftel der Schmutzfracht.

Die Anlage funktioniert sehr zuverlässig und läuft stabil. Die Reinigungsleistungen bezüglich des Kohlenstoffabbaus (91,4 Prozent) und des chemischen Sauerstoffbedarfs (92 Prozent) konnten problemlos eingehalten werden, wie ARA-Betriebsleiter Stefan Irniger mit Genugtuung feststellte. Einzig die Einhaltung der Stickstoffgrenzwerte in den Wintermonaten bereitet Schwierigkeiten. Den Grund dafür hat man erkannt. Es ist das nicht optimale Kohlenstoff-Stickstoff-Verhältnis. Und noch etwas konnte bis anhin nicht befriedigend gelöst werden: die sehr starke Algenbildung in den Flockungs- und Nachklärbecken der ARA im Blettler. Das bedeutet, die Becken müssen nach wie vor alle 8 bis 10 Monate mit Hochdruck gereinigt werden. Pro Nachklärbecken fallen 60 Arbeitsstunden an, denn in jedem Becken befinden sich jeweils 2 bis 3 Kubikmeter Algen.

Neue Turbo-Biologiegebläse

Wie aus dem Jahresbericht des Abwasserverbandes Wohlen-Villmergen-Waltenschwil hervorgeht, hat das ARA-Personal 2016 an zahlreichen Maschinen und Apparaturen diverse Unterhalts- und Wartungsarbeiten ausgeführt. Nebst der Wartung von Anlageteilen wurden aber auch Neuinvestitionen getätigt. So entschied man sich, die Gebläse, welche die vier Belebtbecken des biologischen Teils der ARA mit Sauerstoff versorgen, durch zwei neue Turbo-Gebläse zu ersetzen (Kostenpunkt: 360'000 Franken).

Die Revision wäre ziemlich kostenintensiv geworden, da sich die nächste Servicestelle für diese Gebläse in Hamburg befindet. Die nun eingebaute neue Gerätegeneration verbraucht 15 Prozent weniger Strom und bläst eine riesige Menge Luft – bis 16  000 Kubikmeter in der Stunde – in die Belüftungsbecken. Dort befinden sich die zur Abwasserreinigung benötigten Mikroorganismen. Diese Kleinstlebewesen benötigen nebst Abwasser als Nahrung eine grosse Menge Sauerstoff.

Was bei einer Kläranlage auch wichtig ist, sind die Finanzen. So verzeichnete die Betriebsrechnung per Ende 2016 einen Minderaufwand von rund 237  800 Franken (minus 9,9 Prozent) gegenüber dem Budget von 2,4 Millionen.