Kurz vor Beginn der Olympischen Winterspiele in Südkorea trainierte Nicolas Gygax in Bifuka auf der Insel Hokkaido (Japan). «Die Bedingungen könnten nicht besser sein, wir haben eine gute Trainingsanlage, viel Schnee und super Wetter», freute sich der Freiämter Aerials-Athlet, der fürs Interview eigens aus Japan anrief.

Bei der Disziplin Aerials springen die Free-Skier auf einer Sprungschanze fast senkrecht nach oben und vollführen in schwindelerregender Höhe Kunstsprünge, die aus Saltos, Drehungen und Grätschen bestehen. Die Saison war bis jetzt etwas durchzogen, mal war der Absprung nicht optimal, mal die Landung wacklig. Doch im entscheidenden Moment, als es um die Nomination von Swiss Olympic ging, hat Gygax zu seiner Form zurückgefunden und konnte sich sogar noch steigern.

Aerials Freestyle Ski: Nicolas Gygax springt

Nicolas Gygax springt

 

Familie ist live dabei

Am vergangenen Donnerstag flog der Islisberger mit seinem Team nach Pyeongchang (Südkorea), wo sie am Freitag an der Eröffnungszeremonie der Olympischen Winterspiele teilnahmen. Sein Bruder ist zu seiner Unterstützung angereist und hat ihn dort bereits erwartet. Auch die Eltern haben es sich nicht nehmen lassen, ihren Sohn anzufeuern, und sind gestern Sonntag ebenfalls nach Südkorea aufgebrochen. Mutter Lisa Gygax sagte: «Das ist schon etwas ganz einmaliges, wenn der eigene Sohn bei den Olympischen Spielen dabei ist. Für uns ist es Ehrensache, dass wir dann bei ihm sind.» Schwer vorstellbar, wie es einer Mutter oder einem Vater zumute sein muss, wenn das eigene Kind viele Meter über dem Erdboden durch die Luft wirbelt. Es war Nicolas Gygax’ grosser Traum, an den Olympischen Winterspielen dabei zu sein. Diesen hat er sich mit hartem Training selber erfüllt – und das auch noch als Geburtstagsgeschenk, denn er wird am 15. Februar 22 Jahre alt.

«Dabeisein ist für mich alles, ich bin noch jung und hoffe, dass dies nicht die letzten Winterspiele sein werden, an denen ich teilnehmen darf. Es geht mir vor allem darum, Erfahrungen zu sammeln», erklärte Gygax bescheiden am Telefon. Er erklärte, worauf er sich in den nächsten Tagen konzentriert: «Entscheidend sind die zwei Qualifikationssprünge. Diese muss man einfach stehen, dann ist alles möglich.» Nicolas Gygax würde sich freuen, unter den Top 16 zu landen, um weiter zu kommen. Dann könnte er vielleicht – obwohl er es kaum zu sagen wagt – einen Olympischen Titel gewinnen.

Alle drücken die Daumen

Gygax’ Fokus liegt momentan klar beim Sport, bei dem er seine beiden Leidenschaften für Kunstturnen und Skifahren in eleganter Akrobatik optimal verbinden kann. Nach den Olympischen Winterspielen steht im März die Schweizer Meisterschaft in Airolo an, und im April wird Gygax den Rest seiner Sport-RS in Magglingen absolvieren. Auch neben dem Sport ist Gygax engagiert: Er studiert an der Uni Zürich im Teilzeitstudium Wirtschaft.

Dort wird er ab September wieder öfter anzutreffen sein, hofft er. Noch viel mehr hofft er nun aber auf gute Sprünge und saubere Landungen. Seine Familie drückt ihm vom Schanzenrand her die Daumen, seine Freunde werden es ihnen vor dem Bildschirm gleichtun.