Muri

Dankeschön an Fräulein Müller

Autor Christoph Zurfluh (links) und Caroline Muff, Präsidentin der Josef Müller-Stiftung (rechts), im Gespräch mit den Zeitzeugen Felix Schacher und Marco Hauser an der Vernissage zum Buch «Das Fräulein Müller». Eddy Schambron

Autor Christoph Zurfluh (links) und Caroline Muff, Präsidentin der Josef Müller-Stiftung (rechts), im Gespräch mit den Zeitzeugen Felix Schacher und Marco Hauser an der Vernissage zum Buch «Das Fräulein Müller». Eddy Schambron

Die Josef Müller-Stiftung bringt mit einem Buch von Christoph Zurfluh Licht ins Leben der Murianerin.

Es war viel Geld, das Fräulein Mathilde Müller mit der Josef Müller-Stiftung für Muri zur Verfügung stellte: 100 000 Franken, wie der frühere Murianer Gemeindeammann Marco Hauser an der Vernissage zum neuen Buch «Das Fräulein Müller» von Christoph Zurfluh feststellte. Und es gab Hoffnung und Andeutungen, dass der Betrag noch höher werden könnte. Er und Kinderarzt Paul Trost machten bei Fräulein Müller regelmässig ihre Aufwartung, tranken ein Glas Portwein, redeten und pflegten die Beziehung mit der alten Dame. Das sollte sich für die Gemeinde Muri lohnen, obwohl Hauser betonte, dass dies nicht der einzige Grund für die Besuche gewesen war und sie beide keine Ahnung hatten, wie gross das Vermögen von Fräulein Müller war. Tatsache ist, dass sie der Josef Müller-Stiftung annähernd 30 Millionen Franken überliess.

Die Josef Müller-Stiftung unterstützt viel Gutes in Muri (und in Luzern) und hat mit der Herausgabe des Buches «Das Fräulein Müller» ein Werk ermöglicht, das Licht in das Leben der Stifterin bringt. Mathilde Müller hatte kein einfaches Leben, obwohl sie in finanziell guten Verhältnissen in der Villa Sonneck in Luzern aufwuchs, wie der Autor Christoph Zurfluh herausschält. Ihr Vater, Josef Müller, in Muri als armer Bauernbub geboren, hat mit einer Tellerwäscherkarriere und einer wohl finanziell geschickten Heirat den Grundstein für den Wohlstand gelegt. Aber die Mutter setzte enge Grenzen und liess keinen Raum für die persönliche Entwicklung. Felix Schacher, ein weiterer Zeitzeuge an der Vernissage, kannte Fräulein Müller schon als kleiner Bub und hatte eine familiäre Beziehung zu ihr. «Sie war ein starker, eigenwilliger Charakter.» Zwar durchaus kommunikativ, habe sie aber kaum Nähe zugelassen oder über sich und ihre Befindlichkeit gesprochen. Muri kam übrigens mit viel Glück über die Stiftung zum grossen Geldsegen, wie Schacher erzählte. Müller hätte gerne das Luzerner Bürgerrecht erhalten. Aber niemand hatte es ihr angetragen. Und selber danach fragen, das verbot ihr ihr Stand als reiche Frau. Aus dieser Enttäuschung reifte der Entschluss, die Stiftung, nach ihrem über alles geliebten Vater benannt, am Ort der Wurzeln, in Muri, anzusiedeln.

Selbstmordversuche

Mathilde Müller, die gerne ein Mann gewesen wäre, bezeichnete die Zeit im passiven Luftschutz und damit in Uniform im Zweiten Weltkrieg als «die schönste Zeit meines Lebens.» Später kämpfte sie mit Depressionen, unternahm einen ersten Selbstmordversuch, der nicht gelang, blieb unglücklich. Christoph Zurfluh, Historiker, Journalist, Autor sowie Mitbegründer des Corporate-Publishing-Netzwerks «Die Magaziner» in Muri zeichnet das Leben von Fräulein Müller in einer leicht verständlichen, gefühlvollen Sprache nach. Das Buch ist von der erste Seite bis zum Schluss detailreich und spannend. Es ruft zusätzlich eine Zeit in Erinnerung, die noch gar nicht so lange vergangen ist. Ausgesprochen gelungen ist auch die visuelle Umsetzung durch Nicole Laubacher von der Werbeagentur Küttel Laubacher in Wohlen: blumiger Auftakt der Kapitel, perfekt inszenierte Fotos, angenehme Schrift und sauberer Druck von der Murianer Schumacher Druckerei AG. 25 Franken kostet das 112-seitige Gesamtkunstwerk, das man als tiefer Dank an Fräulein Müller verstehen kann.

Musikalisch umrahmt wurde die Vernissage im Dachsaal der Pflegi Muri von Claudia Strebel, Albin Brun und Patricia Draeger. Caroline Muff-Somma, Präsidentin der Josef Müller-Stiftung, befragte zusammen mit Zurfluh die beiden Zeitzeugen Marco Hauser und Felix Schacher. Bibliothekarin Conny Sander machte unter anderem deutlich, dass es auch die jetzt 20-jährige Murianer Bibliothek in dieser Form ohne Fräulein Müller, selber in der Welt der Bücher daheim, nicht gäbe.

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