Bremgarten
«Danke fürs Stillsein»: Jungpolitiker schenken sich nichts

Am Politmorgen der Bezirksschule ist von Politikbegeisterung bei den Jugendlichen keine Spur. Zumindest nicht von Anfang an.

Natasha Hähni
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Jérémie Reusser (Juso), Claudio Miotti (Junge Grüne), Dominik Peter (JGLP), Mathias Küng (Politikchef Aargau az), Raphael Zimmerli (JCVP), Philippe Tschopp (JBDP) und Markus Liebi (JSVP, von links) eröffnen das Politpodium. Walter Christen

Jérémie Reusser (Juso), Claudio Miotti (Junge Grüne), Dominik Peter (JGLP), Mathias Küng (Politikchef Aargau az), Raphael Zimmerli (JCVP), Philippe Tschopp (JBDP) und Markus Liebi (JSVP, von links) eröffnen das Politpodium. Walter Christen

Walter Christen

Die Bremgarter Bezirksschüler scheint die Politik trotz Staatskunde-Unterricht noch nicht zu interessieren. Diesen Eindruck machte zumindest der gestrige Politmorgen im Zeughaus. Am Podium diskutierten Jérémie Reusser (Juso), Claudio Miotti (Junge Grüne), Dominik Peter (JGLP), Raphael Zimmerli (JCVP), Philippe Tschopp (JBDP) und Markus Liebi (JSVP) unter der Leitung von Mathias Küng, dem Politikchef Aargau der Aargauer Zeitung, über die Atomausstiegsinitiative. Am Schluss der engagierten Debatte hatten die rund 130 Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Die Resonanz? Null. Auch nach mehrmaligem humorvollen Auffordern von Küng blieben die Hände unten.

Dabei gings während der Debatte rund. Die sechs Jungpolitiker schenkten sich nichts. Während die drei Bürgerlichen ihre Sorgen bezüglich der langfristigen Energiesicherheit zum Ausdruck brachten, bezeichneten die linken Jungpolitiker die Stromlücke als ein Scheinargument und lenkten die Aufmerksamkeit ihrer Zuhörer auf das Alter und die damit verbundenen Sicherheitsmängel der Schweizer AKWs.

Für die weitgehend unbeteiligten Schüler war der Schlagabtausch am Podium ein regelrechtes Schauspiel. Die 15- bis 16-Jährigen waren zwar nicht komplett desinteressiert, doch anstelle des politischen Inhalts waren die sarkastischen Bemerkungen des jungen Grünen Miotti oder der eine oder andere Patzer in einem hastigen Monolog die Highlights der Schüler. Nach rund einer Stunde verabschiedete sich Reto Hugenberg, Lehrer und Organisator, von einem Grossteil des Publikums: «Danke fürs Stillsein.» Als nur noch rund 25 Schüler im Saal waren, wurde die Stimmung auf einmal lebendig. Die Politikinteressierten unter den Schülern hatten sich herauskristallisiert. Sie stellten eine Frage nach der anderen, bis um 11.30 Uhr allen der Magen knurrte. Gerade rechtzeitig also überreichte Hugenberg den Rednern und dem Diskussionsleiter Küng einen Bremgarter «Bsetzistei».