Landwirt Othmar Strebel ist glücklich: «Vielleicht kann man die diesjährige Obsternte als Jahrhunderternte bezeichnen.» Er hat, neben Kirschen und Zwetschgen, niederstämmige Apfelbäume, rund 1600 Bäume, die alle ungewöhnlich viele Früchte tragen. «Der trockene, heisse Sommer führt zu einem hohen Ertrag und zu einer hervorragenden Qualität.» Kommt hinzu, dass die Ernte rund zwei bis drei Wochen früher erfolgt als normal. Es ist ein starker Ausgleich zum Vorjahr, das miserable Erträge zeitigte. «Dieses Jahr gehe ich bei den Kirschen von 150 Prozent einer normalen Ernte aus, letztes Jahr waren es nur gerade 30 bis 40 Prozent», hat Strebel ausgerechnet. Er verkauft alles in seinem Hofladen.

Schon im Frühjahr mussten die Obstbauern eingreifen, Bäume gezielt ausdünnen, was jetzt dem Ertrag und der Qualität zugutekommt. Die trockene Witterung hielt den Krankheitsdruck tief. Allerdings mussten Schädlinge abgewehrt werden, wie Strebel sagt: «Vor allem der Apfelwickler hat es gerne warm, dieses Jahr gab es eine Generation mehr.» Mit gezielten Massnahmen konnten aber solche Schäden gering gehalten werden. Was jetzt in praller Pracht an den Bäumen hängt, sind schönste Früchte mit einem Zuckergehalt, wie man ihn sich erträumt. Das bestätigt auch Stefan Frey in Muri. «Heuer haben wir nichts zu jammern.» Zwar haben seine Hochstammobstbäume wegen des Wassermangels kleinere Früchte gemacht, «aber beim Mostobst spielt die Grösse der Früchte keine Rolle. Die Menge ist gut, das gibt eine schöne Ernte.»

Beregnung war nötig

Nicht die Hitze machte den Hochstämmern zu schaffen, sondern die Trockenheit. Strebel hatte es insofern gut, als er das Steinobst mit einem Tropfen-Bewässerungssystem mit Wasser versorgen konnte. Auch für die niederstämmigen Apfelbäume fand er dank dem Verständnis der Wasserversorgungs-Genossenschaft eine Lösung. «Ich konnte rund 1000 Kubik Wasser zum nächtlichen Beregnen meiner Apfelbäume ab Hydrant beziehen», freut er sich. Das sei nur möglich gewesen, weil die Wasserversorgungs-Genossenschaft vorausschauend mit dem Pumpwerk an der Reuss dafür gesorgt habe, dass Muri auch bei grosser Trockenheit genügend Wasser zur Verfügung hat. «Weitblick zahlt sich aus», lobt er.

Neun Sorten

In der Anlage von Strebel reifen neun Sorten Äpfel – von Golden Delicious bis Elstar, von Jonagold bis Rubinette – heran. So kann er sowohl die Liebhaber süsser als auch jene säuerlicher Äpfel bedienen. Auch hat er mit Lagersorten das ganze Jahr Äpfel im Verkauf. «Ich glaube auch nicht, dass sich der heisse Sommer negativ auf die Lagerfähigkeit der Äpfel auswirken wird.

Weltweit gibt es rund 20'000 Apfelsorten. Allerdings wird nur ein Bruchteil davon im grösseren Stil angebaut, wie der Schweizerische Obstverband festhält. Das hat viel mit dem Geschmack, der Sorte und der Beliebtheit am Markt zu tun. Frühsorten sind nicht nur als erste reif, sie können auch nicht sehr lange gelagert werden. Ab Juli bis Mitte August werden sie gepflückt und sie sind bis etwa Ende Herbst im Kühllager haltbar. Herbstsorten können länger aufbewahrt werden und sind im Kühllager bis etwa im Februar oder März haltbar. Zu ihnen gehören beliebte Sorten wie Elstar, Cox Orange oder Rubinette. Die dritte Kategorie sind die Lagersorten. Sie können im Kühllager sehr lange aufbewahrt werden, ohne zu verderben. Zu dieser Kategorie zählen die meistverkauften Apfelsorten der Schweiz, wie Gala, Golden Delicious oder Braeburn.