Siedlung

Dank SRF-Dokumentation wird Merenschwand zur Pioniergemeinde in Sachen ökologischem Wohnen

Tanja Schindler wohnt in diesem Ökominihaus in Altdorf. So ähnlich sollen auch die vier Häuschen in Merenschwand aussehen, die 2020 erbaut werden sollen.

Tanja Schindler wohnt in diesem Ökominihaus in Altdorf. So ähnlich sollen auch die vier Häuschen in Merenschwand aussehen, die 2020 erbaut werden sollen.

Die schweizweit erste Ökominihaus-Siedlung soll schon 2020 in Merenschwand auf einer Brache neben der Kirche entstehen – befristet auf zehn Jahre.

Manchmal ist Fernsehschauen gar nicht so schlecht. Denn nur, weil der Gemeindeammann eine SRF-Dokumentation gesehen hat, wird Merenschwand, das Dorf der ehemaligen Energieministerin Doris Leuthard, nun zu einer Pioniergemeinde in Sachen ökologischem Wohnen.

In der Sendung, die sich Ammann Hannes Küng zufällig anschaute, ging es um Ökominihäuser, eine moderne Wohnform, die auf verschiedene Arten zur Ökologie, aber auch zur Ökonomie beiträgt. «Ich war sofort interessiert», erinnert sich Küng, von Beruf Architekt.

Für die Ökominihäuser wurden Areale innerhalb der Bauzone gesucht, die befristet – als Zwischennutzung – für mindestens zehn Jahre durch diese Kleinwohnform genutzt werden können. Küng wandte sich ­sofort an seine Gemeinderatskollegen.

«Wir haben mehrere unbebaute Areale im Siedlungsgebiet, die Eigentum der Ortsbürger oder der Einwohnergemeinde sind. Zehn Jahre sind ein kurzer Zeitraum, so verbauen wir uns nichts, sondern erhalten im Gegenteil in dieser Zeit Steuerzahler hinzu. Der Gemeinderat war sich schnell ­einig», freut sich Küng.

Nie mehr als 40 m2 Wohnfläche pro Person

Tanja Schindler, Projektleiterin Ökominihaus, die in Altdorf selber in einem solchen Häuschen lebt, ist begeistert. «Den meisten ist gar nicht bewusst, dass in der Schweiz fast 70 Prozent der Leute in Ein- oder Zweipersonenhaushalten leben. Dafür gibt es viel zu wenig kleine Wohnungen. Die Bauwirtschaft hat diesen Trend vor Jahren nicht wahrgenommen, und jetzt haben wir ein Problem», erklärt sie.

«Zudem ist die Wohnflächenreduktion der mit Abstand ökologischste Schritt, den wir gehen können, noch vor dem Verzicht auf Flugreisen.» Ihr ist aber ebenso wichtig: «Obwohl man auf kleinem Raum lebt, fühlt man sich nicht eingeengt.» Gerne zeigt sie das in ihrem eigenen Häuschen – und bald auch auf Führungen in Merenschwand.

Vor sieben Jahren hat die Baubiologin angefangen, Ökominihäuser zu planen und zu bewerben. Bisher konnte sie nur zwei bauen, ihr eigenes und ein weiteres. Dabei wäre diese Wohnform so gefragt. Was ist also das Problem? «Unser Konzept sieht vor, dass die Ökominihäuser, die pro Person nie mehr als 40 m2 Wohnfläche bieten, in der Schweiz gebaut, als Ganzes geliefert und auf Schrauben aufs Areal gestellt werden.

Das schont den Boden, zudem können die Häuser, falls die Zeit wie in Merenschwand begrenzt ist, einfach wieder abtransportiert werden. Spannend daran für die Hausbesitzer: Das Areal wird lediglich gemietet. Allerdings gewähren Banken nur Hypotheken für Grundbesitz, nicht für Häuser alleine. Darum müssen die Käufer mindestens 230'000 Franken für den Kauf selber aufbringen. Das ist oft schwierig.»

Einfachste nachhaltige Technik und Schwedenofen

Das kleine Stück Land neben dem Kirchenbezirk in Merenschwand sei ideal für eine solche Zwischennutzung. «Die Brache steht mindestens seit den 70ern leer», macht Hannes Küng bewusst. Er ist stolz, dass Merenschwand eine Pioniergemeinde im ökologischen Wohnen werden soll. Allerdings gab es Bedingungen: «Es gibt verschiedene Miniwohnformen. Aber Merenschwand ist doch eher konservativ, da hätten Häuser auf Rädern vermutliche einigen nicht gepasst. Aber so können wir es uns sehr gut vorstellen.»

Die vier geplanten Häuschen – einmal 28 m2, zweimal 35 m2, einmal 45 m2 (für zwei Personen) – werden voll oder teilautark vom Stromnetz sein. Auf dem Dach werden Fotovoltaikanlagen angebracht, die Häuser nach Süden ausgerichtet und dort auch mit einer grossen Glasfront bestückt – «so muss man im Winter an schönen Tagen überhaupt nicht heizen», so Schindler.

Einfache, nachhaltige Technik

Im Innern werden die Häuschen aus einem einzigen Raum bestehen, der Schlafbereich wird durch ein Möbel abgetrennt. «Wer möchte, kann sich eine Komposttoilette einbauen lassen. Sie ist die beste Art, um Wasser zu sparen», ist Schindler begeistert. Jedes Haus erhält einen Schwedenofen zum Heizen. «Ansonsten werden die Häuser mit einfachster nachhaltiger Technik ausgestattet, sie sind also das Gegenteil moderner digitaler Häuser. Auch das spart Strom, Geld und Zeit.»

Drei Käufer sind bereits gefunden. «Sobald wir den vierten Vertrag abgeschlossen haben, können wir die Baueingabe machen», so Schindler. Und wenn alles klappt, könnten schon im September 2020 die ersten Führungen durch die fertige, bewohnte Pioniersiedlung in Merenschwand gemacht werden.

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