Wohlen

Dank «Papa Moll»: Gibt es den dritten Schweizer Filmpreis für Cutter Inan?

Kaya Inan mit seinem ersten Schweizer Filmpreis 2016 für «Above and Below» und seinem zweiten 2017 für «Cahier africain». Folgt bald der dritte?

Kaya Inan mit seinem ersten Schweizer Filmpreis 2016 für «Above and Below» und seinem zweiten 2017 für «Cahier africain». Folgt bald der dritte?

Nach zwei Filmpreisen in Folge ist Cutter Kaya Inan erneut nominiert – diesmal für den Kinderfilm «Papa Moll». Die Nomination ist für den 34-Jährigen, der in Wohlen aufgewachsen ist, trotz zweier Filmpreise in den letzten Jahren keine Selbstverständlichkeit.

Er kann es kaum fassen: «Man könnte denken, nach zwei Schweizer Filmpreisen hätte ich die dritte Nomination schon erwartet. Aber so ist es ganz und gar nicht», gibt der in Wohlen aufgewachsene Kaya Inan, der heute in der Nähe von Stuttgart wohnt, am Telefon Auskunft. «Ich bin noch immer total überrascht und freue mich unglaublich über diese Ehre.»

Bereits zum dritten Mal in Folge wurde Inan in der Kategorie «Beste Montage», also bester Filmschnitt, für die höchste Schweizer Filmauszeichnung nominiert. Diesmal für den bekannten Kinderfilm «Papa Moll». «Die Nomination ist für mich auch deshalb aussergewöhnlich, weil ‹Papa Moll› kein Kritikerliebling ist, sondern ein Publikumsfilm.»

"Papa Moll" – Der Film (Trailer in Schweizerdeutsch, Kinostart: 21.12.2017)

"Papa Moll" – Der Film (Trailer in Schweizerdeutsch, Kinostart: 21.12.2017)

Erster Kinderfilm, erste Komödie

Mit «Papa Moll» hat sich der Cutter in ein für ihn komplett neues Metier vorgewagt, denn Filmschnitt ist nicht gleich Filmschnitt, erklärt der 34-Jährige. Die drei Filme, für die er bisher nominiert war, und auch seine Arbeit daran könnten kaum unterschiedlicher sein: «‹Above and Below› 2016 wie auch ‹Cahier africain› 2017 waren beide Dokumentarfilme.

Above and Below -Trailer

Above and Below -Trailer

Regisseur: Nicolas Steiner, Schnitt: Kaya Inan

Mit ‹Papa Moll› habe ich zum ersten Mal an einem Kinderfilm und auch zum ersten Mal an einer Komödie gearbeitet. Das war eine komplett neue Erfahrung für mich und eine echte Herausforderung.»

Bester Abschluss: Der Wohler Cutter Kaya Inan gewann für seine Arbeit am Film «Cahier africain» bereits zum zweiten Mal den Schweizer Filmpreis

Bester Abschluss 2017: Der Wohler Cutter Kaya Inan gewann für seine Arbeit am Film «Cahier africain» bereits zum zweiten Mal den Schweizer Filmpreis.

Slapstick-Humor, die Pointen, Effekte und der gesamte Aufbau seien anders als bei seinen bisherigen Filmprojekten, denn es ist ein ganz anderes Publikum: «Am Anfang waren es lange Zeit nur Erwachsene, die am Film gearbeitet haben. Dann haben wir Testscreenings mit Kindern durchgeführt. Das war sehr spannend, denn Kinder sind einfach ehrlich. Für sie kann ein Witz nicht ein bisschen lustig sein. Entweder ist er lustig oder nicht. Entweder ist eine Szene spannend oder nicht. Entweder zieht sie der Film rein oder ist langweilig. Das habe ich noch nie erlebt.» Ausserdem freut er sich darüber, dass er endlich auch seinen neun Neffen und Nichten einen seiner Filme zeigen kann.

«Will mich nicht einschränken»

Kaya Inan, dessen Filmkarriere 2003 mit einer Rolle in der Militärkomödie «Achtung, fertig, Charlie!» begann, hatte als kleiner Junge den Traum, Sesamringbrotverkäufer zu werden. Heute ist er mehr als froh, dass er diesen Traum gegen seinen Beruf als Cutter eingetauscht hat. «Ich bin glücklich und dankbar dafür, dass ich einen Job habe, der mir so viel Freude bereitet.»

Könnte er sich vorstellen, nur noch Kinderfilme zu schneiden? Seine Antwort ist eindeutig: «Nein. Es ist wie bei einem Turner, beschränkt der sich auf eine einzelne Disziplin, verlernt er die anderen. Das möchte ich nicht, sondern möchte weiterhin frei sein in meiner Projektwahl.» Und Projekte hat er tatsächlich bereits wieder verschiedene in der Pipeline.

Riesige Ehre und Motivation

Der Spielfilm «In den Gängen» von Thomas Stuber, der am 23. Februar im Rahmen der Berlinale seine Premiere feiern wird, ist ebenfalls von Inan geschnitten. Bei «Zone Rouge», dem zweiten Film, bei dem Kayas Bruder Cihan Inan Regie führt, war er wie schon beim ersten im Team. Darüber hinaus wird er bald seine Arbeit an «Zwingli – der Spielfilm zum Reformationsjahr» aufnehmen. Die Arbeit geht ihm also in nächster Zeit nicht aus.

Daher sagt Kaya Inan auch: «Eine Nomination für den Schweizer Filmpreis ist jedes Mal eine riesige Ehre und eine Motivation für mich, denn ich weiss, dass die Akademie, die die Nominierten auswählt, wirklich vom Fach ist.

Dennoch darf man nicht alles von solchen Preisen abhängig machen.» Er arbeitet unbeirrt weiter, freut sich aber auf jeden Fall auf den 23. März, auf die Verleihung des 21. Schweizer Filmpreises.

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