Kantonsschule Wohlen

Daniela Wildi will filmisch auf das Schicksal der Verdingkinder aufmerksam machen

Daniela Wildi nimmt im Studio in Winterthur zusammen mit ihrem Team eine Szene des Films auf und interviewt dafür eine Betroffene.

Daniela Wildi nimmt im Studio in Winterthur zusammen mit ihrem Team eine Szene des Films auf und interviewt dafür eine Betroffene.

In ihrem ersten Film, «J’étais un enfant qu’on ne voyait pas», behandelt die Zufikerin Daniela Wildi, Maturandin an der Kantonsschule Wohlen, ein dunkles Kapitel der Schweizer Geschichte.

Fürsorgerische Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen sind ein dunkles Kapitel der Schweizer Sozialgeschichte, das noch gar nicht so weit zurückliegt. Viel zu wenig wird darüber gesprochen, und die Schicksale der sogenannten Verdingkinder werden zu selten geteilt. Daniela Wildi will darauf aufmerksam machen. «Für mich ist es nicht nur ein dunkles, sondern ein noch lange nicht abgeschlossenes Kapitel», sagt sie.

Ein unabgeschlossener Teil der Schweizer Geschichte

Die 18-Jährige ist zurzeit Maturandin an der Kantonsschule Wohlen. Für sie war von Anfang an klar, dass sie etwas Kreatives als Maturaarbeit machen wollte. «Auf die Thematik wurde ich aber erst durch meinen Betreuer Martin Steiner aufmerksam», sagt sie.

«Zuerst wollte ich eine Ausstellung machen, aber eine solche gab es mit ‹Verdingkinder reden› bereits.» Da sie selbst schon vor der Kamera stand, wollte sie den Schritt hinter die Kamera wagen. Nun übernimmt sie die Regie und ist Produzentin.

Daniela Wildi zeigt ihre Arbeit.

Daniela Wildi zeigt ihre Arbeit.

Im Film hat sie keine Auftritte, nimmt aber die Rolle der Zuhörerin ein. «Mir ist es wichtig, denjenigen Menschen eine Stimme zu geben, denen aufgrund von Stigmatisierung lange Zeit nicht zugehört wurde, was zum Teil bis heute anhält», sagt die Zufikerin.

Der Film sei einfach gehalten und gehe den Fragen nach, was Betroffene in den Institutionen widerfahren ist, wie sie es erlebt haben und wie diese Erfahrungen ihr späteres Leben beeinflussten. «Während der Dreharbeiten hat es mich berührt, wie sich die Interviewpartner vor mir geöffnet und mir ihre Vergangenheit anvertraut haben», sagt Wildi. Durch Archivbilder und passende Musik, wie die Schweizer Volkslieder «Es Burebüebli» oder «Mues geng de plageti Hansli si», werden diese Szenen ergänzt.

Betroffene zu finden, ist nicht leicht

Bevor es an die Dreharbeiten ging, musste sich Wildi erst in die Materie einlesen. «Bevor ich mit dem Filmprojekt begann, kannte ich lediglich den Film ‹Verdingbueb›.» Schwieriger war aber das Finden von Betroffenen, denn natürlich dürfen Institutionen aus Datenschutzgründen keine Personalien herausgeben.

Erst durch Robert Blaser, der selbst ein Verdingkind war und heute den Verein Fremdplaziert präsidiert, liessen sich die ersten Betroffenen finden. «Ausserdem habe ich an einer Veranstaltung für Betroffene teilgenommen und konnte so einen weiteren Interviewpartner für den Dokumentarfilm gewinnen», erzählt die Maturandin. Am Ende konnte sie drei Personen auswählen, die im Film mitwirken.

«Einen Film kann man nicht alleine produzieren»

«Ohne die Hilfe meines Filmteams wäre dieser Dokumentarfilm nicht zustande gekommen», betont Wildi. «Was ich faszinierend an der Produktion eines Films finde, ist, dass es jeden braucht.» Fehle auch nur beispielsweise jemand für den Ton, könne man das Projekt nicht mehr realisieren.

Über ein Filmportal hat sie einen Aufruf gestartet, um einen Licht-, Ton- und Kameramann zu finden, und hat erstaunlich viele Antworten dafür bekommen. «Für den Film hatte ich nur ein Budget von 1500 Franken. Deshalb bin ich sehr froh, dass mein Team beinahe ehrenamtlich daran mitarbeitet», sagt die junge Filmemacherin.

Das Budget für den Film hat sie von verschiedenen Stiftungen erhalten, die sie angefragt hat. «Darunter sind die Joseph-Müller-Stiftung in Muri, eine weitere, die anonym bleiben möchte, und sogar die Gemeinde Zufikon», erzählt die Maturandin.

Der fertige Film wird den Namen «J’étais un enfant qu’on ne voyait pas» tragen und 25 Minuten dauern. Der Film ist grösstenteils auf Schweizerdeutsch gehalten, enthält aber auch einige französische Passagen.

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