Unterlunkhofen
«Damals sind wir mit den Gummistiefeln ins Feuer»: Er verlässt die Feuerwehr nach 32 Jahren

In Roland Kellers Familie scheint die Feuerwehrkarriere Tradition zu sein. Der engagierte Unterlunkhofer blickt auf viele Erlebnisse und Veränderungen zurück.

Melanie Burgener
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Seine letzten Einsätze sind gezählt: Ende Jahr legt Roland Keller seine Feuerwehruniform nach 32 Jahren ab.

Seine letzten Einsätze sind gezählt: Ende Jahr legt Roland Keller seine Feuerwehruniform nach 32 Jahren ab.

Melanie Burgener

Es ist Dienstagabend, kurz vor halb acht. Draussen ist es finster und der Nebel hängt dicht über dem Reusstal. Während es sich die meisten anderen Unterlunkhoferinnen und Unterlunkhofer im Warmen gemütlich machen, zieht Roland Keller seine Uniform an und verlässt die Wohnung. Am Freitag findet seine letzte Pflichtfahrt mit dem grossen Tanklöschfahrzeug statt. Dann– Ende dieses Jahres – schliesst der 51-Jährige dieses Kapitel in seinem Leben: Roland Keller tritt nach 32 Jahren aus der Feuerwehr aus.

Dass seine Familie in Unterlunkhofen Feuerwehrdienst leistet, scheint Kellers Erzählungen nach Tradition zu sein. «1988 ist mein Vater aus- und ich 1989 eingetreten», zählt er auf. «Mein Grossvater war früher Kommandant, mein Onkel auch. Jetzt ist es mein Cousin.» Letzterer sei seit 31 Jahren dabei, sie beenden ihre Karrieren gemeinsam.

Die Feuerwehrtradition bleibt in der Familie

Dass die Familientradition deswegen endet, darüber müssen sie sich keine Sorgen machen. Denn, dass Kellers letzte Pflichtfahrt erst jetzt stattfand und nicht bereits vor einem Jahr, hat einen speziellen Grund. Am Steuer sass nämlich nicht er selbst, sondern seine Tochter Sabrina. «Sie wollte unbedingt eine ihrer ersten Pflichtfahrten mit mir machen. Wegen ihr habe ich noch ein Jahr angehängt», erzählt er stolz.

Von den vielen Erlebnissen der vergangenen 32 Jahren bleibt Roland Keller vor allem die Kollegschaft in Erinnerung. «Ich war 28 Jahre lang im Atemschutz. Das ist die Elitetruppe der Feuerwehr. Dort muss die Kameradschaft stimmen», sagt er. «Es ist nicht angenehm, wenn man ins Feuer muss. Da will man nicht mit jemandem rein, auf den man sich nicht verlassen kann.»

Zum Abschied der drei Austretenden organisierte die Feuerwehr eine Fahrt mit dem Oldtimer-Feuerwehrauto nach Rotkreuz.

Zum Abschied der drei Austretenden organisierte die Feuerwehr eine Fahrt mit dem Oldtimer-Feuerwehrauto nach Rotkreuz.

zvg

Das sei heute immer noch so. Doch vieles andere habe sich in den vergangenen Jahren verändert. «Früher sind wir nach den Übungen noch gemeinsam ins Restaurant. Heute gehen die meisten direkt nach Hause», bedauert Keller. Seit vergangenem Jahr üben die Unterlunkhofer gemeinsam mit Oberlunkhofen. Seither gäbe es auch während der Übungen kein Bier mehr. «Ich habe immer gesagt, wenn es keine Pausen und kein Alkohol mehr gibt, ist das mein Austritt», sagt er und lacht laut. «Die Vorschriften sind da heute viel strenger als früher.» Das treffe auch auf die Uniformen zu. Wenn Keller an seine ersten Einsätze zurückdenkt, muss er schmunzeln. «Damals sind wir im Übergwändli und den Gummistiefeln ins Feuer.»

Bis zu 140 Stunden pro Jahr verbrachte er im Magazin

Neben dem Atemschutz war Keller auch als Maschinist tätig und vor etwa sieben Jahren hat er das Amt des Materialwartes übernommen. Neben Einsätzen und Übungen kamen 80 bis 140 Stunden dazu, die er pro Jahr in seiner Freizeit im Magazin der Feuerwehr verbrachte. Er putzte und reparierte die Fahrzeuge und war fürs Aufräumen zuständig. «Ich wollte immer möglichst viel selbst machen. So war ich frei und musste mich nicht an Termine halten», sagt Keller.

Sein Beruf als Metzger habe ihm einen grossen Vorteil verschaffen. «Ich beginne morgens zwischen drei und fünf Uhr und habe früh Feierabend. So konnte ich tagsüber im Magazin arbeiten und musste das nicht am Abend oder an Samstagen machen.» So blieb ausserdem Zeit für die vielen anderen Einträge in Kellers Terminkalender. Denn der zweifache Vater setzt sich nicht nur in der Feuerwehr für sein Heimatdorf ein.

Sein Engagement bleibt Unterlunkhofen erhalten

Roland Keller ist in Unterlunkhofen aufgewachsen und wohnt heute noch in der Gemeinde im Kelleramt. «Als ich meine Frau kennen gelernt habe, suchten wir eine bezahlbare Wohnung. Wir wollten in der Umgebung bleiben – höchstens bis nach Bremgarten, aber auf keinen Fall über die Reuss», erzählt er lachend.

Wenn er nicht für die Feuerwehr im Einsatz ist, engagiert sich Roland Keller im örtlichen Theaterverein, wo er jeweils die Tombola organisiert. Auch beim Papiersammeln habe er einige Male mitgeholfen und am Aussenden des Schützenvereines helfe er jeweils die Schweine zu verwursten, damit die Schützen einen schönen Preis erhalten. Langweilig wird ihm also auch ohne Feuerwehr nicht. Und falls doch, «dann gehe ich etwas mehr zu Berg oder fahre Velo. Oder ich ruhe mich einfach mal aus», sagt er. Auf das freue er sich.

Bevor Roland Keller die Feuerwehr endgültig verlässt, stellt er noch eine letzte Bedingung: «Im nächsten Jahr gibt es ein neues Tanklöschfahrzeug. Mein Cousin und ich wollen mindestens einmal damit fahren», sagt er und strahlt übers ganze Gesicht.

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