Das Jubiläumsjahr «100 Jahre Dada in Zürich» ist angelaufen. Einer der besten Kenner der Dada-Bewegung, der in Zürich lebende Wohler Literaturhistoriker, Publizist und Lehrer Raimund Meyer, kommt am 1. April in sein Heimatdorf zurück. Er nimmt als Gast am ersten der beiden Dada-Abende im Sternensaal in Wohlen teil.

Raimund Meyer hatte sein Dada-Schlüsselerlebnis vor 35 Jahren. «Ich studierte damals an der Universität Zürich Germanistik und Geschichte und schrieb meine Lizentiatsarbeit über die Dada-Bewegung, die 1916 bis 1919 die Zwingli-Stadt bewegte.» Dabei unterstützt habe ihn der bekannte Literaturprofessor und Publizist Peter von Matt, der als erster und einziger in Zürich Vorlesungen zur lange vernachlässigten Dada-Bewegung hielt. Mit seiner Arbeit hat Raimund Meyer bei von Matt einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. «Wo ist denn der Meyer», frage sich dieser noch heute bei Dada-Events und -Treffen.

Grundlagenarbeit geleistet

Raimund Meyer (Jahrgang 1954) wuchs zusammen mit Schwester Doris und den Brüdern Adrian und Markus am Dammweg in Wohlen auf. Sein Vater Walter, 1916 geboren und damit ein Jahrgänger der hundertjährigen Dada-Bewegung, leitete als Chefredaktor jahrzehntelang den Wohler Anzeiger. Mit seiner Lizentiatsarbeit über Dada in Zürich konnte Raimund Meyer aus dem Vollen schöpfen. «Denn die Geschichte der Dada-Bewegung war damals kaum aufgearbeitet. Dichtung und Wahrheit kursierten nebeneinander.» Zusammen mit Hans Bolliger, Dada-Kenner der ersten Stunde, der unter anderen die Dadaisten Hans Arp, Max Ernst und Richard Huelsenbeck noch persönlich kannte, und Guido Magnaguagno schrieb Meyer in den frühen Achtzigerjahren das Buch «Dada in Zürich».

Dem Standardwerk folgte für die Dada-Ausstellung «Dada global» im Kunsthaus Zürich 1994 das zweite Buch. Mit dem vom Fernsehen bekannten Journalisten Juri Steiner arbeitete Meyer von 2004 bis 2006 im Cabaret Voltaire, in der Kernzelle der Dada-Bewegung an der Spiegelgasse 1 in Zürich, wo die Dada-Künstlerinnen und -künstler vor hundert Jahren auftraten.

Geschichte des Dadaismus im Cabaret Voltaire

Geschichte des Dadaismus im Cabaret Voltaire

Das Cabaret Voltaire hätte damals zur Apotheke und zum Wohnhaus umgebaut werden sollen. «Eine animierte Zwischennutzung durch ein Künstlerkollektiv führte die Wende herbei», erinnert sich Meyer. Heute ist das Cabaret Voltaire fester Bestandteil des kulturellen Lebens Zürichs. Der klassische Dada-Spruch «Dada ruht nie – Dada vermehrt sich» gilt auch für Meyers Tätigkeit.

Immer wieder hat er an Dada-Produktionen mitgewirkt, sei es als Herausgeber, Autor oder Informationsquelle. So verfasste er den Eintrag über Dada im Historischen Lexikon der Schweiz. Als das Schweizer Fernsehen 2016 zum Jubiläumsjahr den Dokumentarfilm «Das Prinzip Dada» produzierte, holte Filmemacherin Marina Rumjanzewa den Dada-Kenner aus Wohlen als Berater.

Dada-Dokumente digitalisiert

Aus aktuellem Anlass erhielt Meyer den Auftrag, zusammen mit Restauratorin Jean Rosston und Kuratorin Cathérine Hug die weit über 7600 Dada-Dokumente und -Werke im Kunsthaus Zürich neu zu sichten und zu digitalisieren. Die Papierqualität der Originale ist schlecht. Sie sind ausgesprochen fragil.

Umso wichtiger ist es, den Dada-Schatz im Kunsthaus der Nachwelt zu erhalten. Dada – ein Schatz? «Ja», betont Meyer, «die Art und Weise, mit der Dadaisten in Zürich auf den Ersten Weltkrieg reagierten, war äusserst innovativ. Dada wurde zum Ur-Ei der Moderne – seine Strategien wirken nach. Genau wie sein Lachen.»

Infos zum Dada-Jubiläum in Zürich auf www.dada100zuerich2016.ch. Im Sternensaal Wohlen stehen am 1. April die meist unbekannten Dada-Frauen im Mittelpunkt. Gast ist Raimund Meyer. Am 2. April wird das Dada-Stück «Auguste Bolte» nach Kurt Schwitters aufgeführt. Mehr Infos unter www.sternensaal-wohlen.ch.