Coronakunst
In Sins versinken Strichmännchen im Boden: Künstler Pirmin Breus Antwort auf Corona

Der Künstler Pirmin Breu aus Wohlen hat Skulpturen mit dem Titel «lockDOWN» in Sins aufgestellt. Sie sollen zeigen, wie Menschen im Lockdown in ihrer Einsamkeit versinken können.

Ilir Pinto
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Der Freiämter Künstler Pirmin Breu hat vor dem Gemeindehaus in Sins Skulpturen mit dem Titel «lockDOWN» installiert.

Der Freiämter Künstler Pirmin Breu hat vor dem Gemeindehaus in Sins Skulpturen mit dem Titel «lockDOWN» installiert.

Britta Gut

Wer in den letzten Tagen in Sins beim Gemeinde- und Pfarrhaus vorbeigegangen ist, dürfte sich gewundert haben: Sieben augenfällige Strichmännchen versinken dort gerade in der Wiese. Es sind keine Zeichentrickfiguren, die sich in die reale Welt verirrt haben, sondern Skulpturen aus Aluminium.

Kreiert wurden sie vom Freiämter Künstler Pirmin Breu, 48, aus Wohlen. Die Männchen sind sein Markenzeichen seit Anfang der 90er-Jahre und oft in seiner Kunst vertreten. Die Alumännchen, die seit etwa einer Woche in Sins anzutreffen sind, sind überlebensgross.

Die Männchen ringen darum, rauszukommen

Breu hatte sie erstmals im vergangenen Sommer vom Juli bis Oktober an der Kunstausstellung «Openart» in Roveredo (GR) ausgestellt, auch dort schon im Freien. Jedoch waren es dazumal 14 Skulpturen. Er nennt die Gruppe «lockDOWN». Ein Schild, das er bei den Figuren aufgestellt hat, verrät: «Der Mensch versinkt langsam in Einsamkeit.»

Künstler Pirmin Breu hat vor dem Gemeindehaus in Sins Skulpturen installiert und ein Schild mit einer Botschaft aufgestellt.

Künstler Pirmin Breu hat vor dem Gemeindehaus in Sins Skulpturen installiert und ein Schild mit einer Botschaft aufgestellt.

Britta Gut

Breu erklärt: «Wegen des Lockdowns vereinsamen viele Menschen in ihrer Isolation. Das Alleinsein zieht einen runter, darum habe ich den Wortteil ‹down› hervorgehoben. Die Leute leiden, weil sie kaum andere Menschen treffen dürfen. Vor allem ältere Menschen in Altersheimen.» Er ergänzt:

«Einige ringen und schaffen es wieder ein bisschen nach oben, andere versinken fast gänzlich.»

Darum sehe man bei einigen der Figuren nur noch ihre Arme, während der Kopf schon fast unter die Erde gesunken zu sein scheint. Das solle zeigen, dass es möglich ist, die Kraft zu finden, um wieder emporzusteigen.

Einige der Männchen von Pirmin Breus Kunstinstallation «lockDOWN» sind fast vollständig im Boden versunken.

Einige der Männchen von Pirmin Breus Kunstinstallation «lockDOWN» sind fast vollständig im Boden versunken.

Britta Gut

Der Künstler will mit seiner Kunst die Leute stärken

Auf die Frage hin, wieso genau Strichmännchen, antwortet Breu: «Obwohl sie simpel sind, widerspiegeln sie durch ihre Formen Charakter und Persönlichkeit. Zudem sind sie sehr universell.» Er erläutert:

«Sie stellen alle dar, ob alt und jung, Handwerker oder Pensionär. Meine Message geht an jeden. Und sie soll nicht Angst machen, sondern stärken.»

Breu erklärt, wie es dazu kam, dass die Männchen ihren Weg nach Sins fanden: «Jazmin Hegglin vom Pastoralraum Oberes Freiamt hatte sie bei mir auf Facebook gesehen, wo ich einen Aufruf gemacht hatte, um einen passenden Platz für die Installation zu finden. Sie war so begeistert von der Idee, dass sie dies möglich machte.» Die Installation werde nun auf unbestimmte Zeit in Sins zu sehen sein.

Zur Person

Pirmin Breu, 48, Künstler

Pirmin Breu, 48, Künstler

Der Freiämter Künstler Pirmin Breu stammt ursprünglich aus Muri, hat sein Atelier aber seit einigen Jahren in Wohlen. Sein Markenzeichen sind bunte Strichmännchen.