Bremgarten
Container auf dem Parkplatz oder Wohnungen mieten? Zwei Strategien für Asylunterkunft

Die Stadt Bremgarten muss Platz für 22 Asylsuchende schaffen, sobald das Bundes-Asylzentrum geschlossen wird. Deshalb holt sie Offerten für Container ein, aber auch das Mieten von Räumen steht noch zur Diskussion.

Dominic Kobelt
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Parkplatz Badi Bremgarten

Parkplatz Badi Bremgarten

Dominic Kobelt

Wenn die Bundesasylunterkunft in Bremgarten am 5. August schliesst, muss die Stadt 22 Asylsuchende aufnehmen, um das Kontingent wieder zu erfüllen – 14 leben bereits im Reussstädtchen. Zur Diskussion stehen das Mieten von einer oder mehreren geeigneten Liegenschaften sowie das Aufstellen von Containern. Für Letzteres muss die Gemeindeversammlung einen Kredit bewilligen, und ein Baugesuch muss öffentlich aufliegen. In der heutigen Ausgabe der Aargauer Zeitung schreibt die Stadt nun den Neubau einer Flüchtlings- und Asylunterkunft öffentlich aus.

Sie sucht eine Totalunternehmerin, die das Bauvorhaben realisiert und ein Konzept vorschlägt, das «architektonisch, baulich, organisatorisch, wirtschaftlich und ökologisch überzeugt». Auch wenn das nach einem grösseren Bauvorhaben klingt, geht es in der Anzeige um besagten Container, wie Stadtammann Raymond Tellenbach bestätigt: «Damit wir ihn anschaffen könnten, wollen wir an der Gemeindeversammlung den entsprechenden Kredit abholen. Ob wir ihn dann benötigen, steht noch nicht fest.» Die Gemeinde verfolge nach wie vor eine zweigleisige Strategie, priorisiere jedoch, den benötigten Platz zu mieten.

«Falls das nicht klappt, möchten wir nicht noch bis zur Wintergmeind warten, um den Kredit abzuholen», sagt Tellenbach. Zudem könne man so an der Gemeindeversammlung einen genaueren Kostenüberblick präsentieren. Keinesfalls möchte die Stadt Ersatzabgaben entrichten müssen.

Der Widerstand verebbte rasch

Die Militärunterkunft in Bremgarten war die erste, die zu einem Bundes-Asylzentrum umgenutzt wurde. Die Aufregung war gross, als 2012 bekannt wurde, dass in Bremgarten ein Platz für 150 Asylbewerber eingerichtet wird. «Ein grosses Asylzent-rum in Bremgarten weckt Ängste», liessen die Ortsparteien der CVP, FDP, BDP und SVP in einem gemeinsamen Schreiben vernehmen. Und als den Asylsuchenden ein Rayonverbot für die Badi Bremgarten erteilt wurde, protestierten rund 70 Autonome gegen die «diskriminierenden Regeln» für Asylbewerber. Bremgarten schaffte es damit gar in die internationalen Schlagzeilen, so berichtete beispielsweise BBC über das Reussstädtchen. Die ersten Asylsuchenden bezogen ihr vorübergehendes Daheim am 5. August 2013 – danach legte sich die anfängliche Aufregung rasch.
Der ursprüngliche Vertrag lief über drei Jahre. Der Bund hat aber daraufhin ein Gesuch für eine einjährige Verlängerung eingereicht, was der Stadtrat Bremgarten bewilligte. Gegen das Baugesuch, das zur Verlängerung nötig war, gingen keine Einsprachen ein. Zu einer weiteren Verlängerung kam es nicht, weil das Militär die Unterkunft wieder für die Truppen nutzen möchte. Das hat für das Reussstädtchen den Vorteil, dass bald wieder mehr Soldaten für Umsatz in den Beizen sorgen.

Container ist langfristig günstiger

Welche Option käme günstiger? «Das hängt davon ab, wie lange wir Flüchtlinge aufnehmen. Kurzfristig ist die Container-Lösung teurer, langfristig aber günstiger.» Das Kreditbegehren, das an der Gemeindeversammlung gestellt wird, soll sich im Bereich von einer Million bewegen. «Wir werden es so formulieren, dass wir das Geld auch benutzen könnten, wenn wir eine Liegenschaft mieten würden und noch etwas umgebaut werden müsste.» Bereits so geschehen ist das mit den alten Spitex-Räumen, hier kann die Stadt künftig sechs bis acht Personen unterbringen. Andere Möglichkeiten, die zur Diskussion standen, hätten sich in der Zwischenzeit als nicht realisierbar erwiesen. «Zum Beispiel hatten wir das Café Fohlenweide im Auge, auch das alte Gebäude der St. Josef-Stiftung wäre eine Möglichkeit gewesen, leider werden beide Liegenschaften anderweitig gebraucht», erklärt Tellenbach.

Die Container würden vermutlich auf dem Badi-Parkplatz in der Ringstrasse aufgestellt. Eine weitere Option wäre der Parkplatz neben dem Werkhof, das sei jedoch aufgrund der Bauarbeiten und aus denkmalpflegerischer Sicht nicht ideal.

Die Ausschreibung dauert bis am 5. Mai. Am 8. Juni beschliesst die Sommergmeind über den Kredit, dann kann die Stadt ein Baugesuch öffentlich auflegen. Wenn keine Einsprachen erfolgen, hat der Stadtrat die Option, den Container aufzustellen und einzurichten, was in relativ kurzer Zeit möglich wäre. Er würde Platz für rund 30 Menschen bieten, man hätte also noch etwas Reserve, falls das Kontingent in den kommenden Jahren erhöht würde. Würde es so weit sinken, dass er nicht mehr gebraucht würde, könnte ihn die Stadt umnutzen oder wieder verkaufen.

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