Volkshochschule Oberes Freiamt
Computerkurse für Senioren: «Ich hätte nie für möglich gehalten, dass es so einfach ist»

Die Volkshochschule Oberes Freiamt führt erste Kurse online durch, das Angebot ist kantonsweit (noch) einzigartig.

Nathalie Wolgensinger
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Zu Hause weiterbilden: Marcelle Engeli schätzt das Angebot.

Zu Hause weiterbilden: Marcelle Engeli schätzt das Angebot.

Britta Gut

Sich zum ersten Mal an einen Computerkurs wagen und das gleich noch online? Da winken viele dankend ab. Diese Erfahrung machte Mani Pfulg, der für die Volkshochschule das Programm «IT4me» durchführt. Seit August stellte er das Online-Angebot zur Verfügung. «Anfänglich waren viele zurückhaltend und sagten ab», erzählt der pensionierte AZ-Journalist. Er habe mit einem Newsletter auf das Angebot aufmerksam gemacht und so gehofft, die Frauen und Männer zu motivieren.

«Ich will den Anschluss nicht verlieren»

Das Angebot von IT4me trifft den Nerv der Senioren, die Kurse helfen ihnen, sich in der IT-Welt zurechtzufinden und es ist entsprechend beliebt. Bis vor den Sommerferien trafen sich jeweils montags die Senioren im Bünzer Räbhüsli, um Fragen rund um die Bedienung von Handy, Tablet und Computer zu stellen oder um Kurse zu besuchen. Doch Corona zwang die Volkshochschule zum Umdenken.

Eine regelmässige Teilnehmerin der Onlinekurse ist Pia Strebel aus Muri. «Ich hätte nie für möglich gehalten, dass es so einfach ist», erzählt sie begeistert. Gemeinsam mit einem Dutzend Senioren nimmt sie via Zoom an Mani Pfulgs Kursen teil. Die Ehefrau eines Tierarztes ist den Umgang mit Computern gewohnt. «Ich will den Anschluss nicht verlieren, darum besuche ich regelmässig Weiterbildungen», sagt sie.

So hat die 66-Jährige gelernt, wie man die Handybilder bearbeitet und so speichert, dass man sie einfach findet. «Nun muss ich mir bald mal die Zeit nehmen, um das umzusetzen», fügt sie lachend an. Sie sei froh, dass sie dem Unterricht von zu Hause folgen könne, das erleichtere ihr vieles. Einziger Negativpunkt sei, dass der Unterricht am Bildschirm ermüdend sei.

Online-Angebot macht auch im Rest des Kantons Schule

Dies stellt auch Kursleiter Mani Pfulg fest. Ihm fehlt die Nähe zu den Kursteilnehmern. «Der Dialog muss anders geführt werden. Wenn jemand in einem falschen Menu ist, braucht es länger, bis wir das Problem gefunden haben», nennt er ein Beispiel. Der 67-Jährige ist stolz, dass die Murianer Volkshochschule als eine der ersten im Kanton online Kurse durchführt.

Zu den begeisterten Kursteilnehmerinnen gehört auch Marcelle Engeli aus Aristau. Die pensionierte Berufsmusikerin stand der Onlineschulung erst kritisch gegenüber. «Mir ist die Umstellung aber erstaunlich gut gelungen», stellt sie rückblickend fest. Sie habe den Link zum Meeting per E-Mail erhalten und sich mit einem Klick eingewählt.

Seither besucht sie begeistert die Kurse online und hat unter anderem gelernt, wie man online Fotobücher erstellt und wie man das Büro papierlos führt. Und dank der neuen Fähigkeiten kann sie nun mit ihren Kindern auch online kommunizieren. «Man sollte es einfach mal ausprobieren, es geht überraschend einfach», lautet das Fazit der 69-Jährigen.

Das Angebot wird nun auch auf Sprachkurse erweitert

Ausgehend von diesen positiven Erfahrungen werden nun erste Sprachkurse online abgehalten. «Einfach umsetzen kann man den Onlineunterricht auf den höchsten Stufen, weil dort die Sprachkompetenz ausreicht, damit die Teilnehmer in Gruppen zusammenarbeiten», erzählt Peter Hauser, Präsident der Volkshochschule Oberes Freiamt, welche die grösste im Kanton ist.

«Wir möchten das Angebot nun in die Breite ausrollen», blickt er in die Zukunft. Dies gelinge aber nur, wenn die Dozenten offen seien für diese Form des Unterrichts. Wie lange man das Angebot auf diese Art und Weise aufrechterhalten müsse, sei unklar.

Hauser ist sich bewusst: «Unser umfangreiches Angebot wird geschätzt, nicht zuletzt auch wegen des gesellschaftlichen Aspekts.»

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