Muri
Computer statt Papier: Neue Einbürgerungstests auf dem Prüfstand

In Muri werden Einbürgerungswillige bald einer neuen Form von Tests unterzogen. Die Gemeinde übt eine Pilot-Funktion im Kanton aus. Aus zeitlichen Gründen wurden die neuen Abklärungsinstrumente bisher aber noch nicht angewendet.

Eddy Schambron
Drucken
Anstatt auf Papier sollen künftig Einbürgerungswillige Fragen zur Integration am Computer beantworten. ub

Anstatt auf Papier sollen künftig Einbürgerungswillige Fragen zur Integration am Computer beantworten. ub

Zwar ist Muri offiziell in der Pilot-phase für die Totalrevision des Gesetzes über das Kantons- und Gemeindebürgerrecht im Kanton Aargau dabei, aber Gemeindeammann Josef Etterlin relativiert: «Wir konnten bisher noch nicht mit den neuen Tests dieser Pilotphase beginnen, weil wir mit den Einbürgerungswilligen bereits die notwendigen Integrationsgespräche geführt hatten.» Aber der Murianer Gemeindeammann begrüsst die Revisionsbestrebungen des Kantons grundsätzlich: «Eine gewisse Vereinheitlichung bei den Einbürgerungsverfahren ist sicher sinnvoll.»

Schwierige Fragen

Der Schwierigkeitsgrad des Sprachtests ist für Schweizer Mundart Sprechende kaum zu beurteilen. Wohl aber derjenige über die staatsbürgerlichen Kenntnisse. Unter den gestellten Fragen sind selbst für Schweizer Bürger gewisse Hürden eingebaut, wie diese Beispiele zeigen:

Wie viele politische Gemeinden gab es in der Schweiz im Jahre 2010? (Antwort: etwa 2700);

Jemand bekommt wegen seiner Hautfarbe oder seines Geschlechts eine Arbeitsstelle nicht. Welches Grundrecht wird damit verletzt? (Das Recht auf rechtsgleiche Behandlung)

Wie ist das Vermögen in der Schweiz verteilt? (Ein Prozent der Reichsten besitzt rund 60 Prozent des gesamten Vermögens)

Was ist ein wichtiges Merkmal von Nicht-Regierungsorganisationen (NGO)? Sie (engagieren sich für ein gesellschaftliches Anliegen , z.B. Natur- und Umweltschutz)

1515 verloren die Eidgenossen die Schlacht bei Marignano. Welche Folgen hatte diese Niederlage? (Die Eidgenossen verzichteten auf eine weitere Gebietserweiterung.)

Was wurde im Wiener Kongresses von 1815 international verbindlich festgelegt? (Die immerwährende Neutralität der Schweiz)

Aus welchem Jahr stammt die aktuell gültige Verfassung der Schweiz? (1999)

Seit wann dürfen auch Schweizer Bürgerinnen auf Bundesebene wählen und abstimmen?(seit 1971)

Wie hiess ein berühmter Schweizer Architekt des 20. Jahrhunderts? (Le Corbusier)

Einzelne Fragen stützen sich auf ein Bild, etwa die Frage nach einem berühmten Berg (Matterhorn) oder wer auf der Zwei-Franken-Münze dargestellt ist. (ES)

Neue Erhebungsinstrumente

Das Gesetz über das Kantons- und Gemeindebürgerrecht, seit 1994 in Kraft, wird total revidiert und an das Bundesrecht angepasst. Die Erhebungen und die Integrationsprüfung sollen wie bisher hauptsächlich durch die Gemeinden erfolgen. Mit kantonalen Vorgaben soll das Verfahren aber im Hinblick auf eine Gleichbehandlung der Einbürgerungsgesuche möglichst vereinheitlicht werden. Dazu gehören auch einheitliche Tests für die sprachlichen und staatsbürgerlichen Kenntnisse.

Diese stehen den Gemeinden in einer Pilotphase zur freiwilligen Anwendung zur Verfügung. So können diese Erhebungsinstrumente im Hinblick auf eine obligatorische Anwendung ab dem möglichen Inkraftsetzungstermin des neuen Gesetzes, geplant auf den 1. Januar 2014, optimiert werden.

Freiwillige Teilnahme

Ob sich Freiämter Gemeinden aktiv an dieser Pilotphase beteiligten, kann Yvonne Keller, Projektleiterin der Bürgerrechtsgesetzgebung bei der Abteilung Register und Personenstand des Departementes Volkswirtschaft und Inneres, nicht sagen. «Die Gemeinden, die daran teilnehmen, müssen sich nicht anmelden. Dementsprechend führen wir auch keine Liste.»

Rückmeldungen auf die neuen Instrumente habe es allerdings schon gegeben, und darauf abgestützt seien bereits Änderungen und Verbesserungen erfolgt, erklärt Keller. So muss beispielsweise gewährleistet werden, dass die am Computer zu bewältigenden Tests nicht mit Auswendiglernen zu lösen sind, sondern einen echten Eindruck über Wissen und Sprachkompetenz der antwortenden Person hinterlassen.

Die beiden Tests Sprachkenntnisse (Prüfung des Hörverständnisses) und staatsbürgerliche Kenntnisse können von allen interessierten Personen im Internet unter www.einbuergerungstest-aargau.ch eingesehen und geübt werden. Weitere Informationen: www.ag.ch

Aktuelle Nachrichten