Früher fuhr jede Woche ein Lastwagen der Hunkeler Recycling Services AG vor dem Casino in Bremgarten vor und leerte den dortigen Weissblech-Container. Jetzt kommt er nur noch dann, wenn er wirklich muss. Dann wenn der Container zumindest zu 80 Prozent gefüllt ist. Möglich macht es der Sensor, der im Container montiert und dadurch der Füllstand jederzeit live via Computer abrufbar ist.

Seit zwei Monaten wird das digitale Abfallmanagement im Reussstädtchen ausprobiert. Die kurze Zeit hat ausgereicht, um bereits jetzt ein positives Fazit ziehen zu können, wie Matthias Koch, Geschäftsführer bei Hunkeler, festhält. Dank der eingesetzten Technologie muss der Container ein bis zwei Mal weniger im Monat geleert werden.

Stadt, Unternehmer und Umwelt profitieren

Eine Win-win-win-Situation: Der Stadt werden weniger Abtransporte verrechnet, das Recyclingunternehmen kann seine Fahrten optimieren, und die Umwelt profitiert durch die eingesparten Fahrten vom geringeren Ausstoss von CO2. «Es ist ökonomisch, wie ökologisch eine gute Sache», sagt Koch. Das Unternehmen aus Sins bietet das System in Zusammenarbeit mit Zenner Connect an und hat derzeit die exklusiven Rechte für die Schweiz. Wobei die Firma ihren Markt vor allem in der Deutschschweiz sieht. Derzeit stehen sie mit zwei Aargauer Gemeinden in Kontakt, die sich überlegen, auf die Technik zu setzen. In erster Linie aber nicht um Fahrten einzusparen, sondern um zu verhindern, dass die Container überlaufen.

Nebst Weissblech biete sich das System auch für die Glas-Container an, sagt Koch. «Grundsätzlich wäre es möglich, jeden Abfalleimer und Robidog mit Sensoren auszurüsten. Der dadurch erzielte Nutzen würde allerdings die Kosten für die Anschaffung der Sensoren kaum rechtfertigen.»

Vorhaben mit Parkfeldern vorerst auf Eis gelegt

Die Stadt Bremgarten gehört bei der Digitalisierung zu den führenden Gemeinden und nahm bereits 2016 mit einer Schulanlage an einem SmartCity-Pilotprojekt teil, bei dem es darum ging, die Energiedaten der Gebäude in Echtzeit abrufen zu können. Nach Abschluss hat der Stadtrat das Projekt weitergeführt und auf andere Liegenschaften ausgeweitet. Seit diesem Sommer ist auch die Badi Isenlauf angeschlossen und die Verwaltung kann somit jederzeit über den Computer einsehen, wie warm das Wasser ist oder wie viel Energie die Photovoltaik-Anlage produziert. Gemäss derzeitigem Plan sollen bis und mit 2023 alle Liegenschaften, die der Gemeinde gehören, ans System angeschlossen sein, wie Martin Ralph, Bereichsleiter Liegenschaftsunterhalt Bremgarten, auf Anfrage mitteilt.

«Das System kann vielfältig genutzt und ausgebaut werden», sagt Martin, «und nicht nur für das Energiemanagement genutzt werden.» So stand etwa zur Debatte, ob zukünftig auch die blauen Parkfelder ins System integriert werden. Das hätte bedeutet, dass jeder vorhandene Parkplatz mit einem Sensor ausgerüstet worden wäre und der hätte dann festgestellt, ob ein Auto auf dem Parkfeld steht. «Nach 90 Minuten hätte die Regionalpolizei automatisch eine Meldung erhalten», sagt Martin. Aus Kostengründen wurde das Projekt aber vorerst auf Eis gelegt.