Wohlen
Circus Monti zeigt im Jubiläumsprogramm das Leben der Artisten

Zum 30. Geburtstag des Wohler Zirkus stehen nicht die Nummern, sondern die Artisten im Zentrum. Die Artisten und ihr Leben sollen dem Publikum näher gebracht werden.

Andrea Weibel
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Robert James Webber mit seinem Besen
8 Bilder
Preisträger Aimé Morales mit Kapelle Sorelle
Peristräger Aimé Morales bei einer Gruppennummer
Circus Monti vor der neuen Saison
Das Duo Kapelle Sorelle
Ausdrucksstark, obwohl auf starke Farben verzichtet wurde
Das Duo Kapelle Sorelle hat Probleme mit ihrer Ziehharmonika
Besenjongleur Robert James Webber

Robert James Webber mit seinem Besen

Annika Bütschi

Die Manege ist dunkel, halb links sitzt ein Pianomann am Klavier, vorne liegen rosa Schuhe. Ein Strassenfeger schlägt dem Pianomann auf die Schulter, klimpert ein paar Töne auf dessen Tasten, ein Trompeter setzt sich auf den Manegenrand.

Die Schühchen räumt der Mann mit dem Besen weg. Das einsame Piano erklingt, der Trompeter steigt ein, ein paar melancholische Striche mit dem Besen. Doch dann kommt Leben in den Strassenfeger. Er schwingt seinen Besen in die Luft, wirbelt, dreht und schleudert ihn um sich, balanciert ihn auf Kinn und Fuss, tanzt mit ihm.

Er spielt mit Besen, Hut und Publikum. Die Stimmung wechselt von Melancholie zu Lebensfreude. Dann klopft er dem Pianomann nochmals auf die Schulter und geht.

Seit 30 Jahren auf Tour

Der Wohler Lehrer Guido Muntwyler (1932- 1999) trat 1977 erstmals mit seinen Kindern als «5 Montis» im Circus Olympia auf. Danach reiste die Familie mit Vater Guido und Mutter Hildegard erst während der Sommerferien mit dem «Olympia» mit, dann hängten sie drei ganze Saisons an. Johannes bildete sich zum Jongleur, Andreas zum Seiltänzer aus, Niklaus dressierte Ziegen.

1982/83 wohnten Muntwylers wieder in Wohlen, nur Johannes blieb als Jongleur beim Circus. Lange hielten sie das aber nicht aus. Nach wenigen Monaten Vorbereitungszeit startete der Circus Monti am 12. März 1985 zu seiner erste Tournee (Artikel unten). Auch Haustiere und Pferde gehörten zum Programm, seit einigen Jahren aber nicht mehr. 2004 wurde Johannes Zirkusdirektor. 1998 und 2000 wurde der Monti mit dem Prix Walo ausgezeichnet, 2013 folgte der Schweizer Innovationspreis für innovatives Schaffen, Originalität und Qualität der Vereinigung Künstler - Theater - Veranstalter (ktv). Bei beiden Preisen war Monti der erste Zirkus überhaupt,der ihn erhielt. (aw)

Johannes Muntwyler, Direktor des Circus Monti, ist sichtbar zufrieden. «Diese Nummer versinnbildlicht das ganze Programm 2014. Das Spiel mit den Stimmungen ist zentral», sagt er. Noch besser erklären könnte es das Regie-Duo Andreas Muntwyler und Ulla Tikka. Doch so weit kommt der Bruder des Direktors gar nicht.

Vor Rührung hat er Tränen in den Augen und entschuldigt sich. «Normalerweise sehe ich einzelne gute Elemente in den Nummern. Aber diese hier hat mich überwältigt», versucht er zu erklären.

Seine Reaktion zeigt die Hingabe und Leidenschaft, die im Programm zum 30. Geburtstag des Wohler Circus Monti stecken. «Wir haben unglaublich gute Artisten und Musiker, das Niveau ist extrem hoch dieses Jahr», überbrückt Ulla Tikka.

Das Leben der Artisten

«Im Programm wollen wir das Leben der Artisten zeigen. Warum wird ein Artist zum Artisten?», so Andreas Muntwyler. Ihre Inspiration haben sich die beiden mit dem Wohler Lukas Stäger, der die passende Musik geschrieben und das Konzept mit erarbeitet hat, aus einem Buch geholt.

Der Titel «Scènes de la vie de bohème» ist Programm: «Wir wollen nicht einfach Nummern zeigen, sondern dem Publikum die Menschen, die Artisten näherbringen.» Entsprechend hat auch Kostümbildnerin Barbara Mens mit dem Nähen gewartet, bis die Artisten im Januar im Winterquartier eingetroffen sind: «Ich wollte sie nicht mit meinen Ideen eindecken, sondern wollte, dass sie sich selber bleiben können.»

Die Ideen für die 30. Monti-Saison hat das Konzept-Team schon vor knapp zwei Jahren zusammenzutragen begonnen. «Wir hatten keinen Druck. So konnten wir sehr gute Artisten auswählen, mit denen wir unbedingt zusammenarbeiten wollten», beschreibt Andreas Muntwyler. Einer dieser Artisten ist Besenjongleur Robert James Webber aus den USA.

Zürich als Highlight

Für Direktor Johannes Muntwyler beginnt die 30. Monti-Saison wie jede andere. «Wir wollen den Zuschauern ein unvergessliches Programm bieten, aber das wollen wir schliesslich jedes Jahr.» Besonders freut er sich auf den ersten Auftritt in Zürich im August.

«Dann dürfen wir auf dem neuen Sechseläutenplatz gastieren.» Als sein Vater, Zirkusgründer Guido Muntwyler, vor gut 25 Jahren bei der Stadt Zürich anfragte, ob der Monti dort spielen dürfe, hiess es noch: «Er soll sich zuerst in der Provinz bewähren», zitiert Muntwyler. Das hat der Circus Monti nun definitiv geschafft.