Aargauischer Holzerwettkampf

Chrampfer und Künstler mit ihren kreischenden Motorsägen

Andi Budliger beim Ausasten einer Baumkrone, der Vorarbeiter vom Forstbetrieb Region Muri hat den AargauischenHolzerwettkampf schon zweimal gewonnen und ist auch dieses Jahr einer der Favoriten. Toni Widmer

Andi Budliger beim Ausasten einer Baumkrone, der Vorarbeiter vom Forstbetrieb Region Muri hat den AargauischenHolzerwettkampf schon zweimal gewonnen und ist auch dieses Jahr einer der Favoriten. Toni Widmer

170 Forstleute messen sich im August in Muri am Aargauischen Holzerwettkampf. Es ist der grösste in der Schweiz.

Das Arbeitsgerät ist für die 170 Förster und Forstwarte, die am 26. und 27. August am Aargauischen kantonalen Holzerwettkampf in Muri antreten, dasselbe, wie jenes der 8 Künstler, die an diesem Wochenende gleichenorts im Einsatz sind – eine Motorsäge. Die einen versuchen, damit ihren alltäglichen Job so schnell und so gut wie möglich zu machen, die anderen formen einen rohen Holzklotz zu einer kunstvollen Skulptur.

Marco Schriber wechselt die Kette an seiner Motorsäge – eine von fünf Disziplinen im Holzwettkampf.

Marco Schriber wechselt die Kette an seiner Motorsäge – eine von fünf Disziplinen im Holzwettkampf.

Es sind allerdings verschiedene Modelle, die Wettbewerbsteilnehmer und Künstler kreischen lassen: «Meine Wettkampfsäge dreht etwas höher als jene, mit denen wir im Forstbetrieb arbeiten. Und sie hat auch eine leicht modifizierte Kette», erklärt Andi Budliger. Er ist Vorarbeiter im Forstbetrieb Region Muri und hat den Aargauischen Holzerwettkampf schon zweimal gewonnen. Am Heimwettkampf, der vom Freiämter Forstverein organisiert wird, ist er einer der Favoriten.

Kettenwechsel in Sekunden

Zusammen mit seinen Arbeitskollegen im Forst, Marco Schriber und Armin Huber, nimmt er auch an der Mannschaftswertung teil. An einer Demo für die Medien präsentierten Schriber und Budliger zwei der fünf Wettkampfdisziplinen: die Einsatzvorbereitung einer Motorsäge auf Zeit und das Entasten einer Baumkrone. Marco Schriber schaffte den Kettenwechsel an seiner Kettensäge vor den Medien in 17 Sekunden. Der Schweizer Rekord liege bei rund 10 Sekunden, erklärte Stefan Staubli, Förster in Auw und OK-Präsident des Holzerwettkampfs.

Eine weitere Disziplin: Andi Budliger entastet eine Baumkrone.

Eine weitere Disziplin: Andi Budliger entastet eine Baumkrone.

Andi Budliger erklärte das Ausasten einer Baumkrone. «Ich muss die Äste möglichst schnell abschneiden, aber auch möglichst sauber. Wenn ich in den Baum säge, gibt es Abzug.» Am Wettbewerb werden keine echten Bäume entastet, sondern mit Holzstäben präparierte Stämme. So wird die Chancengleichheit gewährleistet. «Wir müssen für den Wettbewerb 80 Stämme mit je 90 Holzstäben präparieren, also rund 7000 Löcher bohren», sagt Beat Bossert. Der Forst-Muri-Betriebsleiter ist ebenfalls in die Vorbereitungen für den Grossanlass involviert.

Die weiteren Disziplinen sind ein kombinierter Schnitt an zwei schräg liegenden Stämmen, ein Präzisionsschnitt an einem auf der Erde liegenden Stamm und sowie eine Fallkerbe, mit der einem stehenden Baum die präzise Fallrichtung gegeben werden muss. Bei den fünf Disziplinen handelt es sich nicht um Aufgaben, die für den Wettkampf «erfunden» worden sind, sondern um normale Arbeiten aus dem Berufsalltag des Forstpersonals.

Grösster Wettbewerb im Land

Der Aargauer Holzerwettkampf findet alle zwei Jahre statt und ist der grösste in der Schweiz. Rund 170 Forstleute haben sich für den Anlass in Muri angemeldet. Darunter sind die Nationalmannschaften aus der Schweiz und aus Liechtenstein, die sich hier auf die Europameisterschaft in Polen vorbereiten.

Der Wettkampf ist in das Murianer Dörflerfest integriert, das vom 26. bis 28. August über drei Tage stattfindet und zahlreiche Attraktionen bietet. Auch im Holzerzelt geht es am Samstagabend hoch zu und her. Angesagt sind – unter anderem – ein Timbersport-Show-Wettkampf und die Bayrische Frauenband Hiatamadln. Ebenfalls am Samstag wird auf dem Areal im Dorf ein Kreativwettbewerb der Holzer durchgeführt. Acht Teilnehmer gestalten nur mit Motorsägen aus einem Stamm eine Skulptur. Diese Figuren und Schnitzereien werden um 16 Uhr unter dem Publikum versteigert.

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