Wohlen
Chinesisches Neujahr: Offene Türen und Fenster, damit das Glück Platz findet

Weili Zhou erklärt, wieso Familie und Fisch am grössten Fest des Jahres so wichtig sind. Die Farbe Rot steht für Glück und ist allgegenwärtig bei der Feier.

Dominique Bitschnau
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Weili Zhou dekoriert an Neujahr alles mit Rot und dem Schriftzug Glück.DBI

Weili Zhou dekoriert an Neujahr alles mit Rot und dem Schriftzug Glück.DBI

Der 31. Januar ist für Weili Zhou wie Weihnachten. Die Chinesin macht dann ihr Medizingeschäft in Wohlen zu, kocht traditionelle Gerichte und feiert, was das Zeug hält. Heute fängt im chinesischen Kalender das neue Jahr und somit das Frühlingsfest an.

«Es ist das grösste Fest in China im ganzen Jahr», erklärt die 40-Jährige. Um Mitternacht sei es ein Muss, chinesische Teigtaschen, Jiaozi genannt, zu essen, und Fisch dürfe auch auf keinen Fall fehlen. «Fisch symbolisiert Wohlstand und Überfluss», sagt Zhou. «Damit der uns erhalten bleibt, essen wir nie den ganzen Fisch auf.»

Das Essen und Trinken sei aber nicht das wichtigste am Neujahrstag. «Wichtig ist, dass die Familie zusammen ist», erklärt sie. In dem Moment wird sie etwas wehmütig: «Leider kann ich dieses Jahr meine Verwandten in China nicht besuchen.» Geplant sei eine Reise für 2015.

Lärm und Feuer gegen Monster

Heuer feiert sie bei sich zu Hause in Bremgarten im Kreis ihrer Familie und Freunde. «Das ist natürlich nicht das Gleiche wie in China.» Da werde das Neujahr mit Feuerwerk und Drachentänzen begangen. «Um zwölf Uhr ist es immer so laut, dass man einander kaum verstehen kann», erzählt Weili Zhou lachend.

Chinesen mögen sonst als ruhig und zurückhaltend gelten, an Neujahr beweisen sie jedoch das Gegenteil. Die Bremgarterin bestätigt: «Schnaps und Alkohol gehören am Frühlingsfest auch dazu. Da darf man sich auch einmal betrinken.»

Der Lärm hat aber auch noch einen anderen Grund: Der Legende nach gab es vor tausend Jahren ein menschenfressendes Monster, das jährlich ins Land kam, um seinen Hunger zu stillen. «Darum entschieden sich die Leute, an diesem Tag nicht zu schlafen», erklärt Zhou. Um das Tier zu vertreiben, machen die Chinesen viel Lärm und dekorieren alles rot, sagt die Medizinerin, denn: «Das Tier hat Angst vor roter Farbe.»

Tradition steht an erster Stelle

Rot steht in China aber auch für Glück. An Neujahr machen Chinesen tausend Dinge, die Glück bringen. Sie lassen zum Beispiel Fenster und Türen offen, um das Glück hereinzulassen, oder putzen ihre Wohnung, damit das Glück sofort Platz findet. «Weil es Tradition ist, glauben wir auch daran», erläutert die Chinesin. Die Bräuche an Neujahr müssen für sie nicht unbedingt Sinn machen. Sie werden gepflegt, weil es Tradition ist und schon immer so gemacht wurde. Jedes Jahr freut sie sich aufs Neue.

Praxis über Neujahr geschlossen

Glück ist für Weili Zhou aber nicht Zufall. «Glück bedeutet, dass gute Dinge, die man getan hat, auch wieder zu einem zurück kommen.»

War 2013 für sie ein glückliches Jahr? «Ja, ich habe einen liebevollen Mann und ich bin stolz auf meine Praxis.»

In Wohlen betreibt die 40-Jährige seit drei Jahren die Praxis Tai He TCM und löst gesundheitliche Probleme durch Akupunktur. «Es macht mich glücklich, dass ich Probleme behandeln kann, bei der die normale Medizin ansteht», sagt Weili Zhou stolz. Für das Neujahrsfest schliesst sie ihre Praxis aber erst einmal zwei Tage lang. In China dauert das Frühlingsfest bis zu fünfzehn Tage. Weili Zhou begnügt sich in der Schweiz mit vier. Ihr Haus hat sie schon dekoriert – selbstverständlich ganz in Rot.