Merenschwand

Chinesische Trikes sollen von Merenschwand aus die Schweiz erobern

Roger Honauer auf dem chinesischen Elektro-Trike. In der Werkstatt in Auw wird verbessert, was nötig ist.

Roger Honauer auf dem chinesischen Elektro-Trike. In der Werkstatt in Auw wird verbessert, was nötig ist.

Mit Solarstrom und drei Rädern unterwegs: Roger Honauer aus Merenschwand importiert Trikes aus China und steckt mitten in der Typenprüfung. Was in China zum täglichen Verkehr gehört, soll von Merenschwand aus die Schweiz erobern.

Spezielle Fahrzeuge faszinierten den Architekten Roger Honauer schon immer. Ferien in Ägypten haben ihn dann auf die Dreiräder gebracht, wie sie in Indien oder in China tausendfach als billige Vehikel für Waren- oder Personentransporte eingesetzt werden. Sie sind auch als «Tuk-Tuk» bekannt, die bunt bemalten Karren mit ihren stinkenden Dieselmotoren.

Diese Motoren kommen für die Schweiz allerdings nicht infrage. Die Gefährte gibt es aber schon länger auch als Elektrofahrzeuge. Der Kontakt mit dem chinesischen Hersteller Changge Hongzhou Vehicle Industry Co., Ltd. verlief freundlich, als sich Roger Honauer erkundigte, ob er für sich so ein Fahrzeug importieren könnte. Klar, sagten die Chinesen, aber er müsse fünf Stück davon nehmen.

Über die Internetplattform Ricardo.ch verkaufte er vier Exemplare und konnte beim Werk damit fünf Fahrzeuge bestellen. Inzwischen will Honauer seine Leidenschaft zum Erwerb machen. Er hat die Swissfunfactory (www.swissfunfactory.com) gegründet, importiert Elektrofahrzeuge, Hauswindkraftwerke sowie Solaranlagen aus chinesischer Produktion. Entweder richtet man sich eine Solartankstelle zu Hause ein, oder man montiert Solarpanels gleich auf das Dach des Fahrzeugs.

Kein Leichtbau

Das Chassis der Dreiräder ist massiv, von Leichtbau keine Spur. Die Technik ist einfachst. Schrauben sind schon rostig, wenn die Fahrzeuge in der Schweiz ankommen. Aber die Fahrzeuge werden in der Schweiz montiert und gleich «umfassend überarbeitet», wie Honauer versichert. Die Elektrik wird sauber verlegt, die Originalschrauben werden durch solche aus Chromstahl ersetzt, mangelnde Lackierungen ausgebessert, Hohlräume mit Rostschutzmittel versehen.

Während die ersten Fahrzeuge noch per Einzelabnahme auf den Strassen rollen, soll bis in etwa drei Monaten die Typenprüfung geschafft sein. Die Nachfrage nach den Fahrzeugen, die 45 Stundenkilometer Spitzengeschwindigkeit machen und mit den Blei-Akkus auf der Ebene bis 100 Kilometer fahren können, ist gut: «Mir liegen 30 Bestellungen auf dem Tisch.»

Ab 1000 Franken zu haben

Der Preis für das China-Trike Oeko-Carry 1000 beträgt 4400 Franken exklusive Mehrwertsteuer, wer den Schweizer Finish will, zahlt 1200 Franken Aufpreis. Die 12 V 120 Ah-Batterie kostet 145 Franken, fünf davon sind nötig. Es können verschiedene Aufbauten gewählt werden, zum Beispiel Frontscheibe mit Blachendach für 450 Franken oder die Solaranlage auf dem Fahrzeugdach für 6900 Franken. Eine Solartankstelle für zu Hause gibt es für 2200 Franken. Es gibt mit dem Oeko-Jolly auch eine IV-taugliche Version mit 25 Stundenkilometer Spitzengeschwindigkeit.

Die Zeit für solche Fahrzeuge ist reif, davon ist Honauer überzeugt. «Sie sind geeignet für die ökologische Fortbewegung nicht nur in Indien und China, sondern ebenso bei uns, für den günstigen Kleintransport zum Beispiel auf Firmengeländen oder schlicht und einfach zur eigenen Freude.» Bedenken wegen der China-Qualität hat er nicht: «Wir verbessern, was zu weit unter unserem Standard liegt. Und die Chinesen haben ein offenes Ohr für unsere Wünsche.»

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