Wohlen
«Chinderhuus» wird sechs Jahre nach Vorstoss privatisiert

Gegen die Stimmen der SVP hat der Wohler Einwohnerrat beschlossen, das «Chinderhuus» zu privatisieren. Ab dem kommenden Jahr führt der Verein für Erziehung und Bildung aus Aarau die Kinderkrippe. Damit spart die Gemeinde pro Jahr rund 50'000 Franken.

Fabian Hägler
Merken
Drucken
Teilen
Freude über die Lösung: Gemeinderat Paul Huwiler und Chinder-huus-Leiterin Gertrud Laube. kob

Freude über die Lösung: Gemeinderat Paul Huwiler und Chinder-huus-Leiterin Gertrud Laube. kob

Dominic Kobelt

2007 hatte die SVP den Vorstoss eingereicht, das Wohler «Chinderhuus» so rasch als möglich einer privaten Trägerschaft zu übergeben. Die Vertreter der Volkspartei erhofften sich so markante Einsparungen für die Gemeindekasse.

Nun, fast sechs Jahre später, hat der Gemeinderat die Privatisierungs-Vorlage vorgelegt – und die SVP lehnte sie geschlossen ab.

Die Erklärung für das auf den ersten Blick überraschende Nein lieferte SVP-Präsident Roland Vogt. «Mit der Vorlage des Gemeinderats wird das ‹Chinderhuus› nicht wirklich privatisiert», kritisierte er.

Weil sich die Gemeinde weiterhin mit 140 000 Franken pro Jahr an den Betriebskosten beteilige, sei die Einsparung für Wohlen gering. SVP-Parteikollege Jean-Pierre Gallati ergänzte, auch wenn der Kanton künftig 20 Prozent des Defizits übernehme, würden weiterhin die Steuerzahler belastet.

Weil sich alle übrigen Fraktionen für die Vorlage aussprachen, wurde die Privatisierung des «Chinderhuus» schliesslich mit 21 Ja- gegen 12 Nein-Stimmen deutlich gutgeheissen.

In der Debatte wurde das Sprichwort «Was lange währt, wird endlich gut» dreimal zitiert – von Gemeinderat Paul Huwiler und den Einwohnerratsmitgliedern Barbara Gsell (EVP) und Armin Geissmann (FDP).

Huwiler wies darauf hin, dass mit der Privatisierung neu nicht nur ein Kantonsbeitrag fliessen werde. «Wir haben auch das Tarifmodell korrigiert, die Elternbeiträge werden um rund 20 Prozent höher ausfallen und mit dem Verein für Erziehung und Bildung aus Aarau einen professionellen, seriösen Träger gefunden.»

Gsell sagte: «Es ist schade, dass das ‹Chinderhuus› die Gemeinde weiterhin etwas kostet – doch das war zu erwarten.» Geissmann argumentierte, mit der Privatisierung könne Wohlen rund 80 000 Franken einsparen und es gebe keine Verluste: «Niemand wird entlassen und auch die Lehrstellen bleiben erhalten», betonte er.

Alain Thiébaud (GLP) sagte: «Eine vollständige Privatisierung ist kaum realistisch, Krippenplätze sind nur gefragt, wenn sie staatlich gefördert und deshalb relativ günstig sind.» Hans Hufschmid (CVP) meinte.

«Es ist eine Illusion, zu glauben, dass nach der Privatisierung des ‹Chinder- huus› keine Kosten für die Gemeinde Wohlen mehr anfallen würden.» SP und Grüne kritisierten, der Grundbeitrag für die Eltern sei mit 22.50 Franken pro Tag relativ hoch.

Dennoch bezeichnete Alex Stirne-mann (SP) die Privatisierungsvorlage als «gelungene Lösung.» Und Beat Wüthrich (Grüne) fand, das Warten habe sich gelohnt: «Wir haben nun ein Modell, das sich auch an anderen Orten schon bewährt hat.»