Eine quirlige Frau, ein rhetorisches Feuerwerk und die Ermunterung, aus den Nachteilen Vorteile zu schaffen: Barbara Artmann, Geschäftsführerin und Inhaberin der Künzli Swiss Schuh AG in Windisch, zeigte in Muri auf, wie sie ihre Firma auf Vordermann gebracht hat. Und wie sie sie dort zu halten gedenkt. Am 9. Wirtschaftsanlass von «Wirtschaft Raum Muri» beteiligten sich gegen 100 Personen.

Den Nachteil der hohen Produktionskosten in der Schweiz macht Künzli wett mit einer hervorragenden Qualität, die den Preis gegenüber China-Ware rechtfertigt. Die Konkurrenzfähigkeit steigert das Unternehmen, indem es alle zwei Monate mit neuen, saisonal abgestimmten Schuhen auftritt – kein grosser Player kann das bieten. «Wir sind klein und beweglich.» Ursprünglich mit Sportschuhen in früheren Zeiten bekannt geworden, will Künzli heute Trendsetter bei edlen Sneakers und Marktführer bei therapeutischen Stabilschuhen sein. «Wenn man sich durchsetzen will, geht das nur über Leistung und Innovation», unterstreicht Artmann. Zwingend sind zudem Kreativität und der Mut zur Nische. Selbst einem sieben Jahre dauernden Rechtsstreit um die ursprünglich fünf Streifen als Markenzeichen kann die Inhaberin heute Positives abgewinnen: «Dieser Streit hat unsere Marke sehr bekannt gemacht.» Mit fünf modischen Klötzli statt fünf Streifen als neues Markenzeichen ging das Unternehmen ab 2012 schliesslich in eine vielversprechende Zukunft.

Geld für grosse Werbekampagnen hat Künzli nicht. Deshalb freut es Artmann beispielsweise diebisch, wenn das Model auf einer Ariel-Werbung Künzli-Schuhe trägt. Sie sucht die Kooperation mit Verbänden, Institutionen, Vereinen. Eindruck macht Neukunden, wenn die Schuhe mit einem Paar Rohner-Socken und einem netten Begleitschreiben ins Haus geschickt werden. «Ein bisschen Mühe ist halt schon nötig, um am Markt bestehen zu können.» Im Bereich Verkauf ist Vernetzung für sie das Zauberwort, neben der selbstverständlichen Präsenz in den sozialen Medien. «Die Website ist der Dreh- und Angelpunkt, der eigene Webshop das Zentrum.» Und schliesslich unterstreicht sie, was Künzli letztendlich mit erfolgreich macht: das Team. «Alle grossen Entscheide fällen wir im Team, denn es muss sie ja mittragen.» Die vorherrschende Unternehmenskultur hätten alle Mitarbeitenden gemeinsam entwickelt. «Wir haben alle Ecken und Kanten, wir helfen einander über die Sparten hinweg. Und wir tragen Sorge zueinander.» Vor der Zukunft ist der selbstbewussten Artmann deshalb nicht bang, «weil wir uns von andern unterscheiden, und weil wir überlegen sind».

Potenzial 50plus

Überlegen fühlen sich ältere Mitarbeitende nicht, wenn sie auf Stellensuche sind. Im Gegenteil. Am Wirtschaftsanlass in Muri blickte Projektleiter Urs Schmid auf die kantonale Kampagne «Potenzial 50plus» zurück. Zwar weisen über 50-Jährige eine eher unterdurchschnittliche Arbeitslosenquote auf, aber sie haben es bei Arbeitslosigkeit wesentlich schwerer, wieder eine Stelle zu finden. «Es ging uns darum, mit der Kampagne die Arbeitgeber zu sensibilisieren, ihre Vorurteile gegenüber älteren Mitarbeitenden abzulegen.» An der Kampagne haben alle Sozialpartner mitgemacht. Ziel war unter anderem, eine Reduktion der Bezugstage bei Arbeitslosigkeit um 10 Prozent zu erreichen. Das ist gelungen. 2013 waren über 50-Jährige durchschnittlich 377 Tage auf Stellensuche, letztes Jahr noch 342 Tage. Die Aargauer Kampagne wurde mit dem Eulen-Award der Stiftung Generationplus ausgezeichnet und animierte damit andere Kantone, in ähnlicher Richtung aktiv zu werden. Schmid appellierte an die Unternehmer, auch älteren Bewerbern eine Chance zu geben. «Sie sind oft bereit, eine vertretbare Lohneinbusse einzugehen, wenn sie dafür wieder einen Job haben.»

Am 9. Wirtschaftsanlass konnte der Murianer Gemeinderat Heinz Nater gegen 100 Gäste begrüssen. Er fasste zusammen, dass es heute für Unternehmerinnen und Unternehmer unumgänglich sei, ihre Geschäftsmodelle immer wieder an sich zum Teil sehr schnell verändernde Rahmenbedingungen anzupassen. «Man wird nicht darum herumkommen, alte Zöpfe abzuschneiden.»