Wohlen/Hilfikon

«Chapeau bas vor diesen Feuerreitern» – in Wohlen steigt das 60. Moto-Cross

Am 18./19. April steigt das 60. Moto-Cross in der Geschichte des Motor-Sport-Clubs. In den Glanzzeiten des Moto-Cross Wohlen säumten bis zu 40000 Zuschauer die Rennstrecke. In der Chronik sind grossartige Bilder zu sehen.

Den grössten Publikumsandrang erlebte das Wohler Moto-Cross, das seit der ersten Veranstaltung im Jahre 1956 auf einem Gelände oberhalb des Schlosses Hilfikon ausgetragen wird, im Jahre 1973.

Die Chronik des Motor-Sport-Clubs berichtet über die Rekordzahl von 36 759 zahlenden Zuschauern.

Ungewöhnliche Perspektive: Motocross Wohlen mit der Helmkamera:

Quelle: Youtube/Backyard Racing

Motocross Wohlen Helmkamera

Franz Schmid, der einige Tage später im «Badener Tagblatt» über den Anlass einen Bericht veröffentlichte, hatte vom damaligen OK-Präsidenten Louis Hübscher noch detailliertere Zahlen erfahren: 3500 Freibillette hätten die Organisatoren im Vorfeld verschenkt und 1000 Offizielle (Funktionäre, Behördenvertreter und andere Prominenz) seien vor Ort gewesen.

36 000 Bratwürste verkauft

Die gesamthaft über 40 000 Gäste auf dem Renngelände hätten – unter anderem – 36 000 Bratwürste verdrückt und 34 000 Flaschen Bier getrunken, wusste Franz Schmid weiter zu erzählen.

Neben dem Einsatz der Fahrer würdigte Schmid die Sprachkenntnisse der beiden Platzspeaker Alvaro Casadio, und Peter Breitschmid und zitierte sie mit ihrem bis heute legendären Spruch: «Chapeau bas vor diesen lederigen Feuerreitern».

Der ehemalige Wohler Lehrer und freie Journalist fragte sich in seinem Aufsatz auch, warum an diesem Sonntag so viele Leute ans Moto-Cross gepilgert waren und kam zu einer etwas eigenwilligen Interpretation: «Nur eine Minderheit besteht aus Kennern und angefressenen Fans. Der grossen Wohler Moto-Cross-Mehrheit gefällt einmal im Jahr ein solch riesiger Jahrmarkt mit Bratwurstgerüchen.»

Franz Schmids Meinung steht entgegen, dass die Namen der Moto-Cross-Cracks jener Jahre nicht nur der Freiämter Schuljugend geläufig, sondern auch an allen Stammtischen immer wieder Thema waren. Vor allem die einheimischen Spitzenfahrer genossen den Status von Halbgöttern.

Eindrücke vom Motocross Wohlen 2014:

Quelle: Youtube

Motocross Wohlen 2014

Einheimische mit Spitzenrängen

Es gab einige davon: die Brüder Lorenz und Samuel Haller aus Zetzwil zum Beispiel. Sie konnten vor den sonntäglichen Rennen in der Festhütte bis in alle Herrgottsfrühe bechern und feiern und fuhren wenige Stunden später die europäische Seitenwagenelite dennoch in Grund und Boden. Oder die Gespanne Ender/Vogelsang und Müller/Wenger. Fridolin Ender war später der langjährige Motor der Moto-Cross-Veranstaltung in Muri, Hugo Müller und Jörg Wenger amtierten nach ihrer aktiven Karriere vorerst als Rennleiter, Müller war danach während Jahren OK-Präsident und Wenger übernahm das Präsidium des Motor-Sport-Clubs (MSC) Wohlen.

In Wohlen gross geworden sind auch die Stetter Brüder Andy und Chris Hüsser, die 1988 und 1989 Seitenwagenweltmeister wurden. Andy hatte schon vorher als Beifahrer, unter anderem mit Robert Grogg, an zahlreichen Rennen Spitzenränge herausgefahren.

Sein Bruder war vorerst Solo unterwegs und Teil jenes Trios, das 1983 für einen der grössten Wohler Erfolge sorgte: Im Schweizer-Meisterschafts-Lauf der Kategorie 500 ccm belegten die MSC-Mitglieder Fritz Graf, Chris Hüsser und Heinz Fuchs geschlossen die drei ersten Plätze.

Wechselvolle Geschichte

27 Weltmeisterschafts- und 17 Europameisterschaftsveranstaltungen sowie 5 Motocross der Nationen hat der MSC Wohlen in den vergangenen 60 Jahren durchgeführt. Die Wohler Veranstaltung war während Jahrzehnten aus dem internationalen Rennkalender nicht mehr wegzudenken.

Unzählige Moto-Cross-Legenden wie der Belgier Joël Robert, der Schwede Sten Ludi, der Engländer Jeff Smith, der Finne Heikki Mikkola oder der Amerikaner Donny Schmit haben sich ins Goldene Buch des MSC Wohlen eingetragen.

In den 80er-Jahren war der grosse Moto-Cross-Boom vorbei. Mehrere grosse Schweizer Veranstaltungen begannen zu serbeln und auch in Wohlen lichteten sich die Zuschauerreihen.

Ans Aufgeben dachte auch in jenen Jahren niemand, als noch knapp 6000 bis 7000 Unentwegte die Rennen verfolgten. Bis heute haben sich immer wieder Motorsportfans gefunden, die einen grossen Teil ihrer Freizeit in den traditionellen Wohler Anlass investieren und seit einigen Jahren geht es wieder aufwärts. 2002 übernahm Ueli Hilfiker das OK-Präsidium. Unter seiner Leitung findet am 18./19. April die Jubiläumsveranstaltung statt. Angesagt sind neben der Europameisterschaft der Seitenwagen sowie allen Klassen des Verbandes SAM auch Rennen in den beiden Inter-Klassen der FMS.

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