Kaspar Burkart nennt den Wohler, der am 1. August seinen 81. Geburtstag feiert, niemand. Er ist «Chabi». So kennt man ihn an den Volksläufen im ganzen Land. 1358 davon hat er schon bestritten. 306-mal stand er dabei auf dem Podest, 72-mal ganz oben. 105 zweite und 126 dritte Plätze kann er vorweisen. Dazu fünf Gold-, drei Silber- und sechs Bronzemedaillen von Schweizer Meisterschaften und 21 Medaillen von Aargauer Meisterschaften.

«Meine Siege und Medaillen habe ich nicht in den Elite-Kategorien geholt, sondern vor allem bei den Senioren. Ich war nie ein ganz Grosser», sagt er. Aber das sei ihm auch nicht so wichtig. «Laufen hat mir immer eine grosse Befriedigung gegeben. Ich bin gerne in der Natur und mit anderen Leuten zusammen. Ich habe einen strengen Beruf gehabt. Im Training und an den Rennen habe ich mich entspannen und auftanken können.»

Der Vater des Pfingstlaufs

Der schönste Lauf für «Chabi» ist der Wohler Pfingstlauf. Er stand am Start, als dieser 1967 zum ersten Mal ausgetragen wurde. Und er wird am 14. Mai mitrennen, am 50-Jahr-Jubiläum – im gleichen Leibchen, das er am Anfang getragen hat. «Es ist ein bisschen eingegangen, aber es passt noch», schmunzelt der Senior.

Kaspar Burkart

«Chabi» läuft im Läuferriege-Leibchen von 1967.

Kaspar Burkart  

Kaspar Burkart gilt als Vater des Pfingstlaufs. Er hat ihn 1967 zusammen mit Hans Steimen ins Leben gerufen. Sie hatten zuvor soeben die Läuferriege Wohlen gegründet. Die ersten fünf Veranstaltungen fanden als «Waldlauf» statt. Als die Läufervereinigung Muri aus ihrem traditionellen Waldlauf den Osterlauf machte, reagierten die Wohler mit dem Pfingstlauf. Die Strecke blieb: 8,2 Kilometer durch den Wald zum Erdmannlistein und zurück. Start und Ziel sind nach vor beim Friedensbaum. Kaspar Burkart war als Schüler dabei, als dieser zum Kriegsende 1945 gepflanzt wurde. Es ist ein Nussbaum, eine Linde war damals nicht erhältlich.

Viele grosse Namen

In die Siegerliste des Pfingstlaufs haben sich in den letzten 50 Jahren viele bekannte Läuferinnen und Läufer eingetragen: «Düsen-Werni» Dössegger, Albrecht Moser, Urs Heim, Peter Gschwend, Fritz Rüegsegger, Hansjörg Brückner, um nur ein paar davon zu nennen. Einige siegten öfter: «Düsen-Werni» sechsmal, Peter Gschwend fünfmal, Hansjörg Brückner viermal. Rekordsiegerinnen bei den Frauen waren mit je drei ersten Plätzen zwei Mitglieder der Läuferriege Wohlen: Margrit Meyer und Elisabeth Albisser.

«Chabi» kannte und kennt sie alle: «Wir konnten immer wieder prominente Läuferinnen und Läufer nach Wohlen holen. Nicht mit hohen Startgeldern, solche haben wir nie bezahlt. Aber mit guten Beziehungen, mit unserer schönen Strecke und mit der immer guten Organisation.»

200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren es am ersten Lauf 1967, die Rekordzahl von 1500 Läuferinnen und Läufern startete am 25-Jahr-Jubiläum 1991. Mittlerweile hat sich die Teilnehmerzahl bei rund 1000 eingependelt. Seit 2004 starten auch die Waffenläufer, seit 2007 wird hier jeweils der Schweizer Meister erkoren. Deshalb wurde die Hauptstrecke von 8,2 auf 10 Kilometer verlängert. Der Aufwand, den die Läuferriege für die Organisation betreibt, ist riesig. Über 150 Helferinnen und Helfer stehen im Einsatz.

«Chabi» arbeitet seit 50 Jahren mit. Darum musste er gelegentlich auch auf einen Start verzichten. Dennoch ist er bisher 42-mal gerannt. Am 14. Mai bestreitet er seinen 43. Pfingstlauf. «Ich werde weiterhin regelmässig Läufe bestreiten. Aber am Pfingstlauf bin zum letzten Mal dabei», sagt «Chabi». Und schiebt nach: «Mein Abschied zum Jubiläum – das passt.»