Schnitzelbänkler
Chäber, Dubler, Gallati und Aschmierer – nicht nur sie sind für lustige Sprüche gut

Die Villmerger Chräe, das Sarmenstorfer Duo Vreni und Roman und die Wohler Kammersänger nehmen auch an der Fasnacht 2015 das gesellschaftliche und politische Geschehen kritisch unter die Lupe

Toni Widmer
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Die Villmerger Chräe bei ihrem Auftritt am Wohler Strauschnitt.

Die Villmerger Chräe bei ihrem Auftritt am Wohler Strauschnitt.

Roger Wetli

Die Chräe hat ihr Nest zwar in Villmergen, fliegt aber offenbar täglich über Wohlen und ist deshalb über das Geschehen in der Nachbargemeinde bestens informiert. Zum Wohler Fasnachtsmotto meint der lustige Vogel:

Wohle rockt – Wohle rockt

Wohle rockt – Wohle rockt

Und glich gots niened vorwärts

Mich tunkts – Wohle bockt!

Auch den Kreuzzug der SVP hat die Chräe mitbekommen und krächzt zum neuen Schmuck in der Abdankungshalle:

Wer alt wird – schriibts Testament

Und für oi Wohler – gits no öppis Gfreuts,

ihr chönd jo no – achrüüzle

öb Steele oder Kreuz!

Die Wohler Schulraumplanung verknüpft die Chräe elegant mit dem Strauschnitt:

Chum isch er fort – isch er wieder doo

De Rolf Wernli – dä Bezirksschuelgsell,

ich glaub – de mues oi cho sääge,

wo’s neue Schuelhuus äne sell!

Gar keine Freude hat der Villmerger Vogel an der Verkehrsbeschränkung beim Wohler Bahnof:

Bim Bahnhof Wohle – do fahred neuschtens

Nur no mit 20 kmh – jede Löli

Gopf, do müend jo sogar – die Chline

No bremse mit em Drüürad-Velöli!

Das Sarmenstorfer Duo Vreni und Roman simulierte am Strauschnitt eine Unterhaltung zwischen Rentnerin und Rentner im Altersheim Bifang:

Hesch Du jetz au so en Rollator, so en Demenzferrarri? Ja, dä isch gäbig. Ich ha nur müessi s Navi abnäh. Jedesmol wenn ich uf dr Friedhof gange bi, häts hartnäckig gseit: «Sie haben Ihr Ziel erreicht, Sie haben Ihr Ziel erreicht.»

Jo, Gsundheit isch halt im Alter nit immer beschtens. Wie stohts mit dinere Inkontinenz? Vor vier Woche bisch jo do drüber richtig bedrückt gsi. Jo, bi jetz bim Psychiater gsi. Und, het er gholfe? Jo und nei. Ich seiche zwor immer noch jedi Nacht is Bett, aber jetz han i wenigschtens Freud dra.

Auch über das neue Erscheinungsbild der Gemeinde Wohlen haben sich Vreni und Roman im Altersheim unterhalten:

Das isch au komisch do mit em neue Erschinigsbild vo Wohle. Mir im Bifang händ gmeint, es neus Erschinigsbild, das geb en neue Gmeindamme.

Auch Garigate und seine Selfis aus dem Stadthaus hat das betagte Paar mitbekommen:

Also de Dubler Walti isch scho en Flotte, de gsesch fascht immer mit Krawatte. Jo, das het em Karriere grettet. Neulich han ich Gille gseh, sini Frau, uf em Velo, mit e paar Krawatte isch si richtig Gmeindshuus gradlet. Si hed gmeint, de Walti heig bim Znüni Krawatte versauet und si müess em neui bringe.

Wieso? Jo, de Walti het welle, wis eso Bruuch isch under de Stadtammänner, vom chline Walterli es Selfie mache. Do isch er so änegstande, und will ihm Krawatte i Wäg cho esch, hets ebe es Selfie vo sinere Krawatte geh. Und Gille het gmeint, er heigi Krawatte versauet bim Znüni.

Zu politischen Sexaffäre im Kanton Zug meinen Vreni und Roman:

Was macht au dr ehemalige Ehrekammer Fritz de Holländer? De Fritz van de Graf wird mit Job-Angebot überhüft. Grad neulich hät er es neus Job-Agebot übercho als Berater vo de SVP Zug. Kompetenzthema: Wie mache ich Sex im Restaurant, ohni, dass es i de Ziitig chont.

Und das Pärchen weiss auch, weshalb die Aschmierer keine Schnitzelbänke mehr schreiben:

Jo, en truurige Fastnacht, s’erschtmol ohni Aschmierer. Dasch scho no schad. Wieso chömmed die nümme? Jo weisch, das sind jo alles Lehrer gsi, und die händ d’Schnitzelbank währet dr Arbet gmacht. Und wills jetz pensioniert sind, händs kei Arbeitsziit meh und drum kei Ziit mehr – so einfach isch das.

Auch für die Kammersänger sind die Aschmierer in ihrer neuesten Schnitzelbank ein Thema:

Mer send so truurig , so elei,

mer suechids hinder jedem Stei,

die Sprüch, die Farbe, das Verzelle,

hättid mer ... no länger welle,

d’Kultur im Chäber esch stärcher gsi,

d’ Aaschmierer penslid nor no Wy.

Chäber, der Aargauerin des Jahres, widmen die Kammersänger auch eine Strophe:

De Chäber esch is Fernseh gange,

de NAB-Award, het si empfange,

de ganzi Rummel esch doch zvell,

si hets doch gern es bitzli schtell,

und si wär vel lieber doo,

und hett met eus en Hurti gnoo.

Das politische Geschehen in Wohlen kommentieren die Kammersänger mit einem doch ziemlich bösen Vers:

Interveniere, proteschtiere,

dem seit de Galatti politisiere,

blödsennig welle dure stiere,

em Gmeindrot ständig drii regiere,

de Typ esch halt en kurlige Maa,

ihm fehlt nur no s’chli Schnäuzli dra.

Am Erfolg des FC Wohlen freuen sich die Kammersänger auch, geben aber zu bedenken:

S’god obsi met em FC Wohle,

er heig au weder gnüegend Chole,

jetzt wänder all de FCW,

gern i de Superliga gseh,

nur öpis händ er all vergässe,

ohni Ciri würdits us em Blechnapf frässe.

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