Buttwil
Buttwiler bringt Bio-Produkte direkt vor die Haustüre

Seit zwölf Jahren liefert Karl Gmür aus Buttwil mit seinem Biomobil frische und abwechslungsreiche Lebensmittel aus der Region an die Haustüren. Mittlerweile können seine Kunden aus rund 500 Produkten auswählen.

Andrea Weibel
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Auf dem Sonnenhof von Kari Gmür jäten die der Angestellte Sylvester und seine Freundin Marcena das Unkraut liegend auf dem Ferrari
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Salatköpfe
Sonneblumen auf dem Sonnenhof
Die Äpfel werden langsam rot
Blick in den Gewächstunnel
Das Biomobil vom Sonnenhof bringt Bio-Produkte vor die Haustüre
Karl Gmür vor seinem Bioladen

Auf dem Sonnenhof von Kari Gmür jäten die der Angestellte Sylvester und seine Freundin Marcena das Unkraut liegend auf dem Ferrari

Chris Iseli

Erntefrisches Bio-Gemüse direkt vom wenige Kilometer entfernten Feld nach Hause geliefert - bei diesem Gedanken schlägt manches Öko-Herz höher. Tatsächlich hat Karl Gmür (49) diese Idee schon vor 12 Jahren umgesetzt, und seine rund 100 bis 200 Kunden, von denen er 60 bis 70 wöchentlich beliefert, schätzen den Dienst sehr.

Doch viele Freiämter wissen noch gar nichts über das Biomobil, das jeden Freitag vom Seetal bis auf den Mutschellen und von Hünenberg bis nach Hägglingen Bio-Lebensmittel ausliefert. «Das liegt daran, dass wir kaum Werbung gemacht haben. Ich beliefere die Kunden noch immer allein mit meinem Transporter. Wenn wir noch mehr Kunden hätten, müssten wir bald einen Kühltransporter kaufen und eventuell einen zweiten Fahrer engagieren», erklärt Gmür. Dies könnte allerdings schon bald der Fall sein: «Die Diskussionen laufen. Vielleicht bauen wir tatsächlich bald aus.»

Regionaler als Coop und Migros

Das Biomobil liefert nur saisonale Produkte. Derzeit können die Kunden online auf der Website www.biomobil.ch aus einem Sortiment von rund 500 Bio-Produkten auswählen, diese per Mausklick
bestellen und sie sich freitags nach Hause liefern lassen. Doch solche Lieferdienste bieten auch Coop und Migros an, beide führen auch Bio-Produkte. Was ist also der Unterschied? «Unsere Produkte kommen aus der Region, das können die grossen Anbieter nicht garantieren», sagt Gmür. «Natürlich importiere ich auch einzelne Artikel aus dem nahen Ausland. Aber das ist ein sehr kleiner Teil. Der Hauptteil meiner Ware stammt von unserem eigenen Betrieb oder von umliegenden Biohöfen wie beispielsweise dem Murimoos», erklärt der Buttwiler.

Früchte, Gemüse und Fleisch

Auf dem Sonnenhof, der rund 20 Hektaren Land umfasst, sind Karl Gmür und seine Frau Claudia für Früchte und Gemüse sowie das Biomobil und den Hofladen verantwortlich, während sein Bruder Toni sich um die Viehhaltung, Acker- und Futterbau, Bienen und die Hochstammobstbäume kümmert. «Wir haben rund 250 Hochstammobstbäume, einige sind an die 100 Jahre alt», ist Gmür stolz.

Zusammen mit den kleineren Bäumen produziert der Sonnenhof so rund 50 Apfel- und zehn Birnensorten. Dazu kommen jede Menge Beeren und sehr viel Gemüse, unter anderem verschiedenste Sorten von Tomaten, die Karl Gmür in grossen Kunststoff-Gewächstunneln anbaut. «Ich probiere auch immer wieder Pro-Specie-Rara-Pflanzen aus. Aber die Leute testen diese meist nur und bleiben nicht dabei.»

Mit dem Ferrari über die Felder

Seit 12 Jahren findet das Biomobil grossen Anklang - jedes Jahr steigt der Umsatz. So kann sich Gmür auch immer bessere Erntemaschinen und Ähnliches leisten. Als neueste Errungenschaft steht sein «Ferrari» auf dem Feld: eine rote kleine Maschine mit Elektromotoren, auf der zwei Leute liegend über die Felder gefahren werden, während sie Unkraut jäten. Er hält aber fest: «Die Technik erleichtert einem die Arbeit sehr.

Allerdings ist es unsinnig, dass jeder Bauer für alles eine eigene Maschine hat.» Er ist mit verschiedenen Biobauern in der Region im Gespräch, die er womöglich als Lieferanten einspannen könnte. «So müsste ich nicht mehr alles selber produzieren.» Das sei auch die ursprüngliche Idee des Biomobils gewesen.