Bremgarten
Bünzer Schnitz retteten einst die Bünzer — jetzt sollen die Apfelringli zum Verkaufsschlager werden

Apfelringli erinnern daran, wie sich vor 200 Jahren General Massena überzeugen liess, seine Schlacht nicht an der Bünz zu schlagen. Verkauft werden sie erstmals am Markt der Vielfalt in Bremgarten, danach in Benny’s Bio Panetteria.

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Willy Müller in historischer Gewandung mit einem Sack Bünzer Schnitz, 200 Jahre nach einer vermeintlich drohenden Schlacht an der Bünz.

Willy Müller in historischer Gewandung mit einem Sack Bünzer Schnitz, 200 Jahre nach einer vermeintlich drohenden Schlacht an der Bünz.

Eddy Schambron

General Massena würde sie lieben – die Bünzer Schnitz, diese Apfelringli mit Zartbitterschokolade, die erstmals am Markt der Vielfalt am Wochenende in Bremgarten zu kosten sein werden. Sie sind eine Erinnerung an einen Vorfall von 1799, bei dem Bünzen mit einer vermeintlicher List des Gemeindeammanns vor einem Krieg bewahrt wurde.

Willy Müller, Bünzer bis auf die Knochen, hat die Idee entwickelt, Bernhard Schaufelbühl von Benny’s Bio Panetteria in Bremgarten veredelt die Apfelringli, die selbstverständlich aus dem Oberfreiamt stammen.

«Die Geschichte mit dem General hat mich schon als kleiner Bub fasziniert», erzählt Müller. Er kam mit ihr erstmals in Berührung, als die Oberstufe von Bünzen damals die Geschichte im Rössli-Saal als Theater aufführte. Vor 220 Jahren war die Schweiz ein Kriegsschauplatz.

Der französische General Massena stand an den Ufern von Limmat und unterer Aare dem Erzherzog Karl gegenüber. Er liess aus allen Gewässern bis zum Neuenburgersee Schiffe heranführen, erzwang damit bei Dietikon den Flussübergang und schlug den Gegner. Unter dem Begriff «Schlacht von Zürich» sind zwei Schlachten des Zweiten Koalitionskrieges bekannt – 4. bis 7. Juni und 25. bis 26 September 1799.

Schiffe in der Bünz aufquellen lassen

Vorher aber hatte Massena die auf Wagen herangeführten und dadurch ausgetrockneten Schiffe zum Verquellen und Abdichten unter anderem in die Bünz legen lassen. Das liess bei den Bünzern die Befürchtung aufkommen, der Krieg würde sozusagen vor ihrer Haustür ausgetragen.

Der Gemeindeammann machte sich mit dem Schulmeister, einem Säcklein voll Apfelschnitze und einen Schinken auf ins Hauptquartier des Generals im Gasthof Hirschen in Bremgarten, um ihn zu beschwören, er möge doch auf eine Schlacht an der Bünz verzichten.

Die Geschichte mit dem General hat mich schon als kleiner Bub fasziniert.

(Quelle: Willy Müller, Initiant der Bünzer Schnitz)

Dieser Delegation angeschlossen hatte sich der Junge des einzigen Soldaten von Bünzen, der wegen seiner früheren Erfahrung den Gemeindeammann vor einem möglichen, bevorstehenden Krieg gewarnt hatte. Der Bub wollte unbedingt den General sehen.

Massena liess die Delegation zu sich vor, zeigte ein offenes Ohr für das Anliegen der Bünzer, was ihm insofern leicht viel, weil er nie im Sinn gehabt hatte, dort zu kämpfen. Schlau liess er sich für 3000 Kronen erweichen, auf die Schlacht in Bünzen zu verzichten. Mit diesem Geld, das die Bünzer ihm brachten, ermöglichte der General dem Jungen die Ausbildung zum Arzt.

Ein neues, exklusives Mitbringsel und Gastgeschenk

Der typografische Gestalter Willy Müller begegnete dieser Geschichte wieder in einem Buch des Freiämter Schriftstellers Silvio Blatter und später in einem alten Buch, auf das er in einem Antiquariat gestossen war. Dr. Jakob Frei hat darin «Musterstück aus den Dichtungen der besten schweizerischen Schriftsteller» zusammengetragen (AZ vom 20. August).

Nun gab es für Müller kein Halten mehr: «Es gibt Zürcher Tirggel oder Luzerner Wasserturmsteine, Murianer Schoggi-Klosterziegel oder Einsiedler Schafböcke, weshalb also nicht auch Bünzer Schnitze als exklusives und leckeres Mitbringsel?»

23 Franken kostet das Säcklein Apfelringli mit Schokolade, das auf der Etikette hinten die Geschichte in Kurzform trägt. Verkauft wird es erstmals am Markt der Vielfalt in Bremgarten, danach in Benny’s Bio Panetteria. «Andere Verkaufsorte sind in Abklärung», macht Müller deutlich, «zuerst schauen wir mal, ob die Bünzer Schnitze das Publikum genauso überzeugen wie vor 200 Jahren den General Massena».