Bundesgericht lehnte Beschwerde von Wohler EM-Drifter ab

2016 feierte ein 21-Jähriger einen Sieg Italiens an der Fussball-EM mit einem Autokorso durch Wohlen. Dabei verlor er vor der Zanzibar die Herrschaft über seinen Wagen. Das Obergericht verurteilte ihn zu 18 Monaten bedingt. Das Bundesgericht wies nun seine Beschwerde ab.

Marc Ribolla
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Fussball sorgt für Emotionen bei den Fans, besonders bei Grossanlässen wie einer Europameisterschaft. So auch am 13. Juni 2016. Die «Squadra Azzurra» schlug Belgien im ersten Gruppenspiel mit 2:0, die italienischen Fans freuten sich an jenem Montagabend über den Sieg. Zu ihnen gehörte auch der damals 19-jährige Pietro (Name geändert), der das Spiel zusammen mit Freunden in der Wohler Zanzibar schaute.

Wie viele andere wollte er sich einem Autocorso anschliessen, um den Sieg der Italiener zu feiern. Pietro plante, um den damaligen «Azag»-Kreisel zu fahren, an der «Zanzibar» vorbei zum Bären-Kreisel, nochmals an der «Zanzibar» vorbei und dann nach Hause, erklärte er im Juni 2018 vor dem Bezirksgericht Bremgarten. Daraus wurde aber nichts. Bei der zweiten Vorbeifahrt an der Zanzibar verlor Pietro, der erst seit einem halben Jahr den Fahrausweis und wenig Fahrpraxis hatte, die Kontrolle über seinen Lexus IS2000 und driftete von der Strasse.

Laut einem später von den Behörden in Auftrag gegebenen Gutachten schoss er mit rund 40 km/h aufs Trottoir zu, wo mehrere Personen mit einem Sprung zurückweichen mussten. Nur mit Glück gab es keine Verletzten. Pietros Lexus drehte sich um die eigene Achse und kollidierte rückwärts mit einem Betonsockel und einer Signaltafel. Eine Videoaufnahme, die ein Zuschauer machte, zeigte daraufhin die dramatische Szene auf sozialen Medien und in Online-Portalen. Der «Blick» betitelte ihn als Wohler «Drift-Depp».

Obergericht verschärfte das Urteil des Bezirksgerichts

Das Bezirksgericht Bremgarten verurteilte Pietro wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln zu einer bedingten Geldstrafe von 360 Tagessätzen à 80 Franken mit drei Jahren Probezeit sowie einer Busse von 1000 Franken. Die Staatsanwaltschaft zog das Urteil an die nächste Instanz weiter. Das Obergericht verschärfte dieses im vergangenen Oktober sogar. Es sprach Pietro der qualifiziert groben Verletzung der Verkehrsregeln schuldig und bestrafte ihn mit einer bedingten Freiheitsstrafe von 18 Monaten mit dreijähriger Probezeit.

Dies passte dem jungen Italiener nicht. Er rekurrierte vor Bundesgericht und verlangte lediglich eine Geldstrafe von 300 Tagessätzen à 25 Franken. Ebenso solle die Sache zur neuen Beurteilung ans Obergericht zurückgewiesen und ihm eine unentgeltliche Rechtspflege gewährt werden. Pietro rügte unter anderem, dass die private Videoaufnahme der Schleuderfahrt als Beweismittel nicht verwertbar sei. Zudem machte er geltend, dass das Obergericht zu Unrecht angenommen habe, dass er das Driftmanöver vorsätzlich ausgeführt habe. Die Bundesrichter in Lausanne stützten laut ihrem Urteil vom 17. August 2020 (6B_1404/2019) aber den Entscheid des Obergerichts und wiesen Pietros Beschwerde in allen Teilen ab. Einzig sein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wurde gutgeheissen, und seinem Anwalt wird eine Entschädigung von 3000 Franken aus der Bundesgerichtskasse ausgerichtet.