Restauranttester

Bumann konnte nicht alle retten – die Hälfte der Aargauer Lokale schloss

Daniel Bumann, bekannt als der Restauranttester, besuchte in Nöte geratene Aargauer Lokale. Doch bei einigen kam die Hilfe zu spät. In Lengnau setzt die Wirtin Cinzia Di Vetta dennoch auf den Spitzenkoch.

Im Cafe und Bistro Extrawurst in Lengnau hat sich die Wirtin auf einen besonderen Abend vorbereitet. Die Tische sind reserviert, eine Grossleinwand steht bereit: «Heilige Maria», sagt Cinzia Di Vetta. «Bin ich nervös.»

Vergangenen November besuchte Daniel Bumann, bekannt als der Restauranttester, das in Nöte geratene Lokal. Innert vier Tagen deckte er Mängel auf, gab Tipps und erarbeitete ein neues Konzept. Diesen Montagabend wird die Sendung auf 3+ ausgestrahlt. Nervös ist die Wirtin, weil auch sie die Sendung zum ersten Mal sehen wird.

«Bumann der Restauranttester»: Trailer zur zweiten Folge der neuen Staffel aus Lengnau.

«Bumann der Restauranttester»: Trailer zur zweiten Folge der neuen Staffel aus Lengnau.

Zur Feier hat Cinzia Di Vetta eine neue Wurst kreiert. Würste, das sind nun ihre Spezialitäten. Und deshalb änderte sie den Namen des Restaurants: von Schmitte zu Extrawurst.

Die Schweins-, Kalbs-, Chili- oder Currywürste serviert Di Vetta mit speziellen Saucen. Das Essen komme nicht mehr aus dem Tiefkühler, sagt sie. «Rösti und Pommes frites machen wir nun aus frischen Kartoffeln.» Bumann riet der jungen Wirtin, das Angebot zu reduzieren, dafür aber auf frische Produkte zu setzen. Das neue Konzept habe sie überzeugt – und sie wolle es weiterführen.

Bumann äussert seine Kritik direkt und unverblümt. Auch in Lengnau, wie der Trailer zur Sendung zeigt: «Dü weisch scho, dasi jetzä chli hässig bi», sagt er in seinem unverkennbaren Walliserdeutsch. Di Vetta ist froh, dass er streng war. Das öffnete ihr die Augen. Vorher habe sie ihre Verantwortung als Wirtin zu wenig ernst genommen.

Making-of: «Bumann der Restauranttester» in Lengnau.

Making-of: «Bumann der Restauranttester» in Lengnau. Die az war bei den Dreharbeiten im November 2014 dabei.

Zu harsche Kritik für manche

Mit Bumanns harscher Kritik können indes nicht alle Wirte umgehen. 2010 besuchte der Restauranttester die «Krone» in Rekingen. Und stellte dem Wirt ein miserables Zeugnis aus: «Das Gebotene ist schlicht ein Desaster. Ich spüre überhaupt keine Leidenschaft», sagte er.

Auf dem Teller landeten statt frische Speisen aufgekochtes Tiefkühlgemüse, Fertigspätzli, ein trockener Hackbraten und eine matschige Pizza.

Der ehemalige «Krone»-Wirt René Hiltbrand wollte einen Rat von einem Experten, stattdessen fühlte er sich gedemütigt. Hiltbrand versuchte, gegen 3+ vorzugehen. Er wollte weitere Ausstrahlungen der Sendung verhindern. Ohne Erfolg. «Wir werden dargestellt, als seien wir zu nichts fähig», sagte er damals gegenüber der az.

Bei jeder Wiederholung seien noch mehr Gäste ausgeblieben. «Bumann hat uns nicht geholfen, er hat uns kaputtgemacht», sagte er gegenüber dem «Blick». 2011 schloss Hiltbrand die «Krone». Hört man sich in Rekingen um, heisst es, er wohne jetzt in Spanien.

Hiltbrands Abgang bedeutete jedoch nicht das Ende der «Krone». Drei junge Köche übernahmen das Restaurant und gründeten die «Drei Köche GmbH». Allerdings war ihnen nicht bekannt, dass dem Lokal ein zweifelhafter Ruf anhaftete.

Drei Jahre später hiess es auf der Facebook-Seite des Restaurants: «Vorbei, fertig, Schluss!» Ende Januar fanden Abschlussfeier und Austrinken statt.

Im Handelsregister ist derzeit nur noch Lukas Leu eingetragen, der Vater des Wirts. Leu war für die Finanzen zuständig, während sein Sohn mit zwei Freunden das Restaurant führte. Bereits nach einem Jahr seien die Freunde jedoch abgesprungen, sagt er. Sein Sohn habe es noch versucht, doch die Miete war zu teuer und die Lage zu schlecht.

Die Hilfe kam zu spät

Nicht besser erging es Antonio Marcianelli, ehemaliger Besitzer des Restaurants Sancti Bono in Bremgarten. Zwar lag es hier nicht am Essen, sondern an den Finanzen. Marcianelli hatte 200'000 Franken Schulden.

Nach Bumanns Hilfe zog das Geschäft zwar wieder an, und Marcianelli konnte laut Bumann 60'000 Franken erwirtschaften – schliessen musste der Wirt dann trotzdem.

Zu kämpfen haben auch Gieri und Doris Caduff. Ihnen gehört das Restaurant Bünzbrücke in Waltenschwil. Bumann besuchte Caduffs im November 2013 und half ihnen bei der Umgestaltung: Neue Stühle, hellere Tischläufer, andere Bilder.

Die Wirtin sagt: «Bumanns Besuch brachte uns viel.» Vor allem, weil dank der Sendung ihr Bekanntheitsgrad gestiegen sei – und dadurch auch der Umsatz.

Seit einem Jahr bereitet ihnen jedoch vor allem eines Mühe: der Umbau der Hauptstrasse. «Für eine Weile gelangte man nur von der Brücke aus zu unserem Restaurant. Derzeit geht es nur noch über die Hauptstrasse.»

Der Umsatz sei deshalb eingebrochen. Beim Restauranttester aber würden sie wieder mitmachen. Es sei wie eine gute Weiterbildung gewesen.

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