Bünzen
Nur ein Kandidat stellt sich zur Wahl – Warum will niemand in den Bünzer Gemeinderat?

In Bünzen tritt mit Stefan Kuhn bloss einer der vier Gemeinderäte zur Wiederwahl an. Seine drei Ratskollegen mögen sich nicht mehr portieren lassen. Unter anderem, weil sie an der letzten Gmeind persönlich angegriffen wurden. Neue Kandidaten haben sich innerhalb der Meldefrist, die am vergangenen Freitag ablief, nicht angemeldet.

Nathalie Wolgensinger
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Wie geht es weiter in Bünzen? Bisher meldete sich nur ein Kandidat für die Gemeinderatswahlen.

Wie geht es weiter in Bünzen? Bisher meldete sich nur ein Kandidat für die Gemeinderatswahlen.

Marc Ribolla(20.7.2021)

Für Marlise Müller ist es ein Déjà-vu. Sie sagt: «Ich befinde mich wieder am selben Punkt wie vor vier Jahren.» Damals hatte sie sich von ihren Gemeinderatskollegen überzeugen lassen, nochmal als Gemeindeammann zu kandidieren. Und dies, obwohl sie eigentlich zurücktreten wollte. Sie sagt:

«Ich ging damals davon aus, dass sich spätestens nach einem Jahr ein Kandidat meldet und ich zurücktreten kann.»

Damit hatte sie weit gefehlt. Es fand sich weder ein Amme-Nachfolger noch sonst ein Kandidat, der in die Exekutive der in der 1100 Einwohner zählenden Gemeinde Verantwortung übernehmen wollte.

Im Frühling dieses Jahres gab Gemeinderat Marcel Egg aus familiären und beruflichen Gründen seinen Rücktritt bekannt. Auch auf diese Vakanz meldete sich kein Kandidat. «Wir haben dann die Arbeit auf die verbliebenen vier Gemeinderäte verteilt. Dieses Szenario hatten wir in den vergangenen Jahren schon einige Male zu bewältigen», ergänzt Müller, die seit 16 Jahren im Bünzer Gemeinderat mitarbeitet.

Die Bünzer haben das Referendum ergriffen

Für Marlise Müller stand fest: «Wir haben ein Problem, in unserem Dorf lässt sich kein Kandidat für den Gemeinderat finden.» So reifte die Idee, eine Zusammenarbeit oder Fusion mit der Nachbargemeinde Boswil anzustreben. Eine Bevölkerungsumfrage in beiden Gemeinden, die im Februar dieses Jahres durchgeführt wurde, brachte an den Tag, dass man hüben und drüben dem Ansinnen gegenüber positiv eingestellt ist. Beide Gemeindeversammlungen hiessen Anfang Juni den Kredit für die vertiefte Prüfung des Zusammenschlusses gut.

Das Vorhaben stiess in Bünzen aber auf Widerstand. Das Referendum wurde ergriffen, 282 Bünzerinnen und Bünzer unterschrieben es. Nun entscheidet das Dorf an der Urne über den Kreditantrag für die Prüfung der Zusammenarbeit. Die Abstimmung findet am 26. September statt, am selben Termin, an dem die Wahlen in den Gemeinderat stattfinden.

Gemeinderat Stefan Kuhn ist der einzige Kandidat, der sich für eine Wiederwahl zur Verfügung stellt. Sowohl Marlies Müller als auch ihre beiden Gemeinderatskollegen Peter Huber und Patrick Rüttimann treten nicht mehr an. Weitere Kandidaturen gingen nicht ein.

«Das kann doch einfach nicht sein!»

Die Vermutung, dass sie wegen des Referendums zurücktreten, weisen alle drei Kandidaten von sich. Patrick Rüttimann sagt: «Ich bin seit elf Jahren im Gemeinderat. Die Arbeit wurde immer mehr. Nun muss ich aus beruflichen Gründen kürzertreten.» Diesen Entschluss habe er vor dem Referendum getroffen und seinen Amtskollegen auch mitgeteilt, fügt er an.

Peter Huber ist seit 14 Jahren im Gemeinderat. Er sagt: «Ich bin der ungekrönte Kronprinz. Wenn ich nochmal kandidiere und in den Gemeinderat gewählt werde, müsste ich das Amt des Gemeindeammanns übernehmen. Dazu fehlt mir schlichtweg die Zeit.» Auch er stellt fest, dass die Arbeit im Rat in den vergangenen Jahren immer mehr wurde. Er verdeutlicht: «Die Abschaffung der Schulpflege bedeutet für einen kleinen Gemeinderat, wie wir ihn sind, einen weiteren Zusatzaufwand.»

Es sei nicht nur das ständig steigende Arbeitspensum, das sie und ihre Kollegen von einer Wiederwahl abhalten, so Marlis Müller. An der letzten Gemeindeversammlung seien sie von Stimmberechtigten persönlich angegriffen worden. «Das waren keine sachlichen Argumente.» Es sei deshalb an der Zeit, dass man Platz mache für neue Kräfte. Dass sich diese aber nicht finden lassen, dafür findet Marlis Müller deutliche Worte: «Das kann doch einfach nicht sein, dass sich niemand in Bünzen zur Verfügung stellen will!»

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