Bünzen
Grossbrand «Rössli»: Brandstiftung wird nicht ausgeschlossen, Besitzer ist fassungslos

Der Grossbrand im ehemaligen Restaurant Rössli in Bünzen hat Jörg Rosenbergs Elternhaus zerstört. Feuerwehrkommandant Rolf Furrer ist sehr zufrieden mit dem Einsatz seiner Truppe. Beide berichten der AZ ihre Eindrücke vom Brand, während die Polizei noch die Ursache sucht.

Nathalie Wolgensinger und Andrea Weibel
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Niedergebrannt: Der «Rössli»-Besitzer von Bünzen hat sei Elternhaus verloren

Tele M1

Sonntagnachmittag, 14.46 Uhr: Die Regio-Feuerwehr Freiamt-Mitte wurde alarmiert. «Brand gross», gab die Zentrale durch. Das ehemalige Restaurant Rössli mitten in Bünzen stand in Vollbrand. Feuerwehrkommandant Rolf Furrer erzählt: «Die komplette Feuerwehr Freiamt-Mitte wurde aufgeboten, dazu Teile der Stützpunktfeuerwehr Muri und der Feuerwehr Wohlen.» Sie waren rasch auf Platz, konnten die Umgebung sichern und mit der Brandbekämpfung anfangen.

Der Brand war relativ schnell unter Kontrolle, ist Furrer froh. «Für die umliegenden Häuser bestand keine Gefahr. Da half uns auch der Regen und die Tatsache, dass kein Wind blies.» Die 85 Feuerwehrleute der Feuerwehr Freiamt-Mitte plus die 34 aus Muri, die unter anderem den Wassertransport aus der Bünz sicherstellten, und die fünf aus Wohlen, die mit der Autodrehleiter anrückten, arbeiteten Hand in Hand. «Die Zusammenarbeit funktionierte ruhig und ausgesprochen reibungslos», attestiert der Kommandant.

So sah es Am Sonntagnachmittag aus, als das ehemaliges Restaurant Rössli in Vollbrand stand.

So sah es Am Sonntagnachmittag aus, als das ehemaliges Restaurant Rössli in Vollbrand stand.

Mani Pfulg / Leserreporter

Die Brandwache zwischen 19 Uhr abends und 10 Uhr morgens leisteten die Feuerwehrleute in drei Schichten. Die Brandermittler, die am Sonntag noch nicht ins Gebäude hinein konnten, begannen am Montagmorgen mit der Innenuntersuchung.

Wie es zum Brand gekommen ist, ist bisher noch unklar. Bernhard Graser, Mediensprecher der Kantonspolizei, teilt auf Anfrage mit: «Die Brandursache ist noch unklar, die Ermittlungen laufen.» Fahrlässigkeit und auch Brandstiftung werden derzeit noch nicht ausgeschlossen.

Die Feuerwehr Wohlen kam mit der Autodrehleiter, um von oben löschen zu können.

Die Feuerwehr Wohlen kam mit der Autodrehleiter, um von oben löschen zu können.

Mani Pfulg / Leserreporter

Brand macht den Besitzer des «Rösslis» sprachlos

Jörg Rosenberg hat einen Tag nach dem Brand seines Elternhauses die Eindrücke noch nicht ganz verdaut. Der Brand mache ihn sprachlos, sagt er am Telefon. Dann beginnt er dennoch zu erzählen:

«Ich war am frühen Sonntagnachmittag beim Kochen, als mich ein Bekannter anrief und mitteilte, dass das ‹Rössli› in Brand steht. Ich bin gleich hingefahren und war tief erschrocken, als ich sah, dass das Gebäude bereits in Vollbrand stand.»

Zahlreiche Schaulustige hätten auf dem Trottoir gestanden und ungläubig auf das Feuer gestarrt, das sich durch das altehrwürdige Gebäude frass.

Es soll etwas gebaut werden, «das den Dorfkern aufwertet.»

Das ehemalige Restaurant Rössli steht seit Jahrzehnten leer. Jörg Rosenberg hat es von seinen Eltern geerbt. Die Liegenschaft in seiner Heimatgemeinde war ihm ein Herzensprojekt, erzählt er. Auch wenn sie die vergangenen Jahre stets leer stand und die Gemeinde immer mal wieder insistierte, dass er doch vorwärts machen solle.

Die Flammen und der Rauch stiegen hoch übers Dach des ehemaligen Restaurants Rössli in Bünzen.

Die Flammen und der Rauch stiegen hoch übers Dach des ehemaligen Restaurants Rössli in Bünzen.

Mani Pfulg / Leserreporter

Bis vor drei Jahren nutzte die Guggenmusik Bünzgeischter das leerstehende «Rössli» als Probelokal. Rosenberg erzählt:

«Das Haus liegt mir am Herzen, ich bin dort aufgewachsen und darin hat sich ein grosser Teil des gesellschaftlichen Lebens der Gemeinde abgespielt. Da wurden Generalversammlungen abgehalten, Hochzeiten gefeiert und Theater gespielt.»

Der 72-Jährige arbeitete unter anderem als Bau- und später auch als Projektleiter beim Ausbau des Flughafens Zürich. Im Jahr 2007 machte er sich als Bauprojektmanager selbstständig. Vor zehn Jahren kehrte er nach Bünzen zurück und baute sich ein Eigenheim. In der Folge beschäftigte er sich intensiv mit der Zukunft des «Rösslis». Er habe eingesehen, dass die Überbauung des 1300 Quadratmeter grossen Grundstücks eine Nummer zu gross für ihn sei, und beschlossen, die Liegenschaft und das Haus zu verkaufen. Damit liess er sich bewusst Zeit, er wollte das Grundstück an einen seriösen Investor veräussern. «Mir ist wichtig, dass dort etwas gebaut wird, das den Dorfkern aufwertet.»

Ungebetene Gäste und eingeschlagene Fensterscheiben

Letzte Woche noch, so erzählt er, sei er im Haus gewesen und habe zum Rechten geschaut. Dabei seien ihm die eingeschlagenen Fenster im Dachgeschoss aufgefallen. Er habe deshalb die Läden zugezogen, damit es nicht rein regnet.

Das leerstehende Haus zog in der Vergangenheit immer wieder ungebetene Gäste an. Zwei von ihnen erwischte Rosenberg letztes Jahr auf frischer Tat. Er erzählt:

«Ich habe damals zwei Buben erwischt, die sich im Haus aufhielt. Was sie dort genau taten, weiss ich nicht. Ich habe ihnen aber erklärt, dass sie das nicht dürfen.»

Dass sich am Sonntag jemand im Haus aufhielt, bezweifelt er. Was den Brand ausgelöst haben könnte, darüber kann auch er nur rätseln. Er kommentiert: «Es ist nun Aufgabe der Polizei und der Sachverständigen, die Brandursache zu eruieren.»