Bünzen
«Als plötzlich vier Plätze frei waren, kam Bewegung ins Dorf» – fünf Überraschungskandidaten kurbeln den Wahlkampf an

Bis vor kurzem war die Liste der Kandidaten in Bünzen überschaubar: Der bisherige Gemeinderat Stefan Kuhn stand als einziger zur Wiederwahl zur Verfügung. Nun, zwei Wochen vor dem Urnengang, kandidieren plötzlich fünf weitere Kandidaten. Nur Gemeindeammann möchte immer noch niemand werden.

Melanie Burgener
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Für einmal hat sich das Warten gelohnt: Die Gemeinde Bünzen hat nun doch genügende Kandidierende für die Gemeinderatswahlen am 26. September.

Für einmal hat sich das Warten gelohnt: Die Gemeinde Bünzen hat nun doch genügende Kandidierende für die Gemeinderatswahlen am 26. September.

Marc Ribolla (10. Juli 2021)

Anfang dieser Woche klagten die Frau Gemeindeammann Marlise Müller und der amtierende Gemeinderat Peter Huber noch über fehlende Kandidaten für den neuen Bünzer Gemeinderat. Denn Stand Montagabend stellte sich nur der Bisherige Stefan Kuhn zur Wiederwahl am 26. September. «Es ist zunehmend schwierig, qualifiziertes Verwaltungspersonal zu finden, und Gemeinderatskandidaten zu rekrutieren, ist fast aussichtslos», sagte Huber an der Podiumsdiskussion zu den Fusionsverhandlungen mit Boswil.

Diese Situation ist nun nicht mehr ganz so aussichtslos. Plötzlich stehen mehr Kandidierende zur Auswahl, als es freie Plätze gibt. Denn wie Referendumskomitee-Mitglied Clay Weber zum Schluss des Podiums am Montag bereits ankündigte, haben sich unterdessen fünf Personen gemeldet, die nun Einsitz im Gemeinderat nehmen möchten.

Der Austritt der Frau Gemeindeammann sorgte für Bewegung im Dorf

Dass sich nun doch fünf zusätzliche Bünzerinnen und Bünzer zur Wahl stellen, habe unter anderem mit dem Rücktritt von Marlise Müller zu tun. «Als bekannt wurde, dass auch sie geht und plötzlich vier Sitze frei wurden, kam Bewegung ins Dorf», erzählt Stefan Hafen, einer der neuen Kandidierenden. Er ergänzt:

«Das hat für Diskussionen gesorgt und diverse Leute dachten über eine Kandidatur nach.»

Auf diese Weise hätten sich die fünf Neuen gefunden und beschlossen, dass sie alle gemeinsam antreten.

Stefan Hafen ist einer der fünf neuen Gemeinderatskandidaten in Bünzen.

Stefan Hafen ist einer der fünf neuen Gemeinderatskandidaten in Bünzen.

Marc Ribolla (10. Juli 2021)

Neben dem amtierenden Stefan Kuhn stellen sich neu zur Wahl: Stefan Hafen, 35-jährig, Zimmerei-Vorarbeiter; Rita Müller-Schaufelbühl, 56-jährig, Detailhandelsfachfrau; Marcel Riesen, 48-jährig, Key Account Manager; Hans Vogler, 48-jährig, Unternehmer; Sybille Wyss-Stöckli, 45-jährig, Detailhandelsfachfrau.

Der amtierende Stefan Kuhn soll wiedergewählt werden

Seine eigene Kandidatur habe, so Hafen, nur bedingt mit seinem Engagement im Referendumskomitee gegen die Fusion Boswil-Bünzen zu tun. «Ich habe mir eine Kandidatur bereits überlegt, als damals Marcel Egg ausgetreten ist. Weil ich aber in meinem Beruf in der Zimmerei etwa 105 Prozent arbeite, habe ich mich dagegen entschieden», erklärte er. Aufgrund der aktuellen Not im Bünzer Gemeinderat sei er, wie auch die anderen neuen Kandidierenden, nochmals in sich gegangen und habe sich nun für die Kandidatur entschieden. Es könne aber sein, dass die Fusionspläne für einige Kandierende ausschlaggebend gewesen seien.

Der amtierende Gemeinderat Stefan Kuhn, der nun auch als Vizeammann kandidiert, ist froh um die zusätzlichen Anwärter. Er sagt:

«Ich bin erleichtert, dass es doch noch Leute gibt, die sich in der Gemeinde engagieren wollen und es so nicht zu einer Zwangsverwaltung kommt.»

Dass Kuhn auch weiterhin als Gemeinderat im Amt bleibt, das ist den Neuantretenden ein Anliegen. «Uns ist es wichtig, dass Stefan Kuhn wiedergewählt wird. Das haben wir auch so auf dem Flyer geschrieben», betont Stefan Hafen.

Sechs Kandidierende, aber niemand will Ammann werden

Dass sich mit fünf neuen Kandidaten nun einen Namen zu viel auf der Liste für die Wahl am 26. September befindet, das habe einen einfachen Grund, wie Hafen erzählt: «Wir wollten nicht ausjassen, wer jetzt auf eine Kandidatur verzichtet, weil es nur fünf Plätze gibt. So können wir der Bevölkerung eine breitere Auswahl stellen.»

Dass von den fünf Neuen niemand für das Amt des Gemeindeammanns kandidiert, sei vor allem der Zeit geschuldet, so Hafen weiter. «Wir wollten zuerst die Sitze im Gemeinderat besetzen.» Gemeindeammann möchte auch der bisherige Gemeinderat Stefan Kuhn nicht werden. «Ich weiss, wie viel Arbeit dieses Amt bedeutet, das kann ich nicht mit meinem Beruf vereinbaren. Ich musste bereits für den Posten des Vizeammanns Abstriche machen», sagt er.

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