«Auf ein solches Angebot haben wir schon lange gewartet», sagt Lucia Ruckli, die mit ihrem Mann Markus zusammen seit 1999 die gleichnamige Bäckerei in Sarmenstorf führt. «Wir wollen gutes Essen nicht wegwerfen, aber bisher gab es keine Stelle in der Gegend, wo man das Brot vom Vortag noch hätte abgeben können.»

Es wurde zu Tierfutter oder Biogas verarbeitet. «Aber als wir vor zwei Jahren von ‹Tischlein deck dich› in Wohlen hörten, haben wir uns sofort gemeldet.» Seither wird alles Brot, das abends noch im Bäckereiladen übrig bleibt, tiefgefroren und kann am Mittwochmorgen, bevor "Tischlein deck dich" um 10 Uhr losgeht, bei der Backstube abgeholt werden.

So kommen jeweils rund 40 Kilo Brot zusammen. Brigitta Hubeli, Initiantin von «Tischlein deck dich Wohlen», freut das sehr: «Meine Idee war von Anfang an, dass wir einerseits den Bedürftigen helfen, andererseits aber auch dem Foodwaste entgegenwirken. Dass Rucklis da mitmachen, ist wunderbar.»

«Eine ganz tolle Sache»

Auch das Ehepaar Ida und Rudolf Bigler aus Wohlen, das Hubeli seit Jahren kennt, war begeistert von der Idee, die am 22. Oktober 2014 erstmals umgesetzt wurde: «Früher konnten wir jene Äpfel und Birnen, die wir nicht in unserem Hofladen verkaufen konnten, weil sie nicht den Bestimmungen entsprechen, noch an Altersheime oder Bäcker abgeben, die sie in Birchermüesli oder Ähnlichem verarbeiteten.

Heute sind aber auch dort die Vorschriften so strikt geworden, dass wir nicht mehr wussten, wohin mit den Äpfeln», beschreibt Rudolf Bigler. «Darum finden wir Tischlein deck dich eine ganz tolle Sache.» Jede Woche liefert der pensionierte Landwirt eine Harasse Äpfel und Birnen nach Wohlen.

Der Dritte, der jede Woche für frische Ware aus der Region auf dem Tischlein sorgt, ist der Nesselnbacher Gemüsegärtner Markus Humbel. Er beliefert beispielsweise Volg-Läden vom Rohrdorferberg bis Bünzen.

Von «Tischlein deck dich» hat er eher zufällig erfahren: «Ich bin Präsident der Theaterfreunde Niederwil. Jedes Jahr spenden wir einen Teil der Einnahmen für eine gemeinnützige Sache. Als ich mich dann umgesehen habe, an wen wir als Nächstes spenden könnten, entdeckte ich die Institution in Wohlen.»

Er vereinbarte ein Treffen mit Hubeli und schaute sich eine Essensausgabe an. «Da merkte ich, dass ich eigentlich auch selbst einen Beitrag leisten könnte.»  Seither – ungefähr seit anderthalb Jahren – liefert er jeden Mittwoch acht bis zwölf Kisten prallvoll mit erntefrischem Gemüse in Wohlen ab. Seine Begründung ist simpel: «Sonst würde ich mir jeden Dezember überlegen, an welche Hilfsorganisation ich spenden soll. Das hier ist meine Art, Menschen zu helfen.»

Helfen statt unterackern

Auch bei ihm können so gute Lebensmittel vor dem Unterackern bewahrt werden: «Früher sind Küchenchefs vom Militär von weit her angefahren, um bei mir gratis frisches Gemüse abzuholen, das ich nicht zum Verkauf brauche. Heute interessiert die das nicht mehr. Jetzt freue ich mich, wenn ich es weitergeben kann.» Und Brigitta Hubeli freuts ebenfalls: «Schöneres und frischeres Gemüse als das, was er uns bringt, sieht man nirgends.»